Fußball

Reals One-Man-Show schlägt Bayerns Titelhamster Ronaldo ist ein würdiger Weltfußballer

32885A0022D1A872.jpg74206681507379790.jpg

Er ist ein Fußballer, der seinen Job verdammt gut macht und den Zuschauern ein Spektakel bietet: Cristiano Ronaldo.

(Foto: AP)

Und der Gewinner ist: Cristiano Ronaldo. Der portugiesische Superstar darf sich wieder bester Fußballer der Welt nennen. Auch wenn sie das beim FC Bayern anders sehen: Er trägt diesen Titel völlig zu Recht. Es kann nur einen geben.

Wenn etwas müßig ist nach der Kür zum Weltfußballer, dann die Frage, ob der Sieger es verdient hat. Cristiano Ronaldo von Real Madrid ist schlichtweg einer der Besten. Andere sind zwar auch sehr gut, der Argentinier Lionel Messi und der Franzose Franck Ribéry zum Beispiel, die es ebenfalls in die Endauswahl geschafft hatten. Aber wenn sich die Trainer und Kapitäne aus 184 Mitgliedsländern des Weltverbandes Fifa sowie 173 Journalisten mehrheitlich für den Portugiesen entschieden haben, dann ist das ohne Frage eine ebenso gute Wahl, als wenn sie mehrheitlich für einen anderen gestimmt hätten.

Ribéry mag das anders sehen. Und Uli Hoeneß, der Präsident des FC Bayern, hatte sicherheitshalber schon vor der Bekanntgabe des Ergebnisses bei der Fifa-Gala im Züricher Kongresshaus eine Verschwörung gewittert und davon gesprochen, dass es eine "Riesensauerei" wäre, würde der Franzose nicht gewinnen. Das klingt nach altbekannter Bayern-Rhetorik der Abteilung Attacke, ändert aber nichts daran, dass auch Ribéry ein würdiger Sieger gewesen wäre. Aber um es mit Peer Steinbrück, dem gescheiterten Kanzlerkandidaten der SPD, zu sagen: Hätte, hätte Fahrradkette. Es kann nur einen geben.

Vielleicht tröstet es Ribéry, dass das Votum so subjektiv ist, wie es eine Abstimmung nun einmal ist. Das Ganze ist schließlich so "eine Art Oscar für Kicker", wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schrieb. Zumal vor dem Hintergrund, dass die Leistungen einzelner Akteure in einer Mannschaftssportart ganz schwer zu beurteilen und miteinander zu vergleichen sind. Was zählt mehr: Das statistische erfasste Ergebnis mit Toren und Vorlagen? Oder der Wert eines Spielers, der seinem Team dient und daher mitunter etwas unauffälliger agiert? Diejenigen, die abstimmen durften, haben sich gegen den Titelhamster aus München entschieden. Und für die One-Man-Show aus Madrid.

Er schießt Tore wie kaum ein anderer

Also darf Cristiano Ronaldo, 28 Jahre alt, zum zweiten Mal nach 2008 den Ball aus purem Gold mit nach Hause nehmen und sich als bester Fußballer des Planeten fühlen. Eine Einschätzung, die er auch ohne offizielle Ehrung von sich gehabt haben dürfte. An Selbstbewusstsein hat es ihm nie gemangelt, auch wenn er sich vor der Gala in Zürich ungewohnt zurückhaltend gegeben hatte: "Ich weiß nicht, ob es fair ist, wenn ich gewinne - oder der Sieger Ribéry oder Messi heißt." Seine Sprüche aber sind längst Legende, seine Verachtung für die, die ihn kritisieren, auch: "Die Leute pfeifen mich aus, weil ich gutaussehend, reich und ein großartiger Fußballer bin. Sie sind neidisch auf mich."

Die vergangenen vier Jahre war er allerdings mutmaßlich neidisch auf Lionel Messi, weil sein Konkurrent vom FC Barcelona den Titel als Weltfußballer im Abonnement bezog. Nun aber hat er ihn abgelöst. Weil Cristiano Ronaldo im Jahr 2013 oft überragend, aber kaum wirklich schlecht gespielt hat. Und weil er Tore erzielt wie kein anderer auf diesem Niveau, 53 waren es in 44 Spielen in der spanischen Meisterschaft und der Champions League. Hinzu kommen zehn Treffer in neun Länderspielen. Er trifft alle 71,8 Minuten. Noch Fragen? Die portugiesische Nationalelf schoss er in den beiden Ausscheidungspartien im November gegen Schweden mit vier Toren zur Weltmeisterschaft nach Brasilien. Und zeigte ganz nebenbei dem ähnlich extrovertierten Zlatan Ibrahimovic, wer der Bessere ist.

Ja, Cristiano Ronaldo ist ein Mann der großen Gesten, er ist ein Selbstdarsteller, seine Frisur sitzt auch nach Kopfbällen stets perfekt und es gibt viele Menschen, die den Modellathleten als arrogant bezeichnen. Aber er ist ein Fußballer, der seinen Job verdammt gut macht und den Zuschauern ein Spektakel bietet. Nicht erst seit gestern, sondern konstant seit fast einem Jahrzehnt. Kurzum: Er hat es sich verdient. Es gibt zwei Arten, als Großmaul stilvoll durchs Leben zu gehen. Du reißt die Klappe auf und verstehst es im Zweifelsfall, mit Würde zu verlieren. Oder du reißt die Klappe auf und gewinnst. Cristiano Ronaldo hat gewonnen.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema