Fußball

Rückendeckung von PionierinEta legt mit "Vollgas" und klaren Ansagen los

14.04.2026, 18:06 Uhr
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Marie-Louise Eta leitete das erste Training der Profi-Männer. (Foto: REUTERS)

Marie-Louise Eta startet ihre historische Mission bei Union Berlin überpünktlich und mit klaren Ansagen. Die neue Trainerin der Köpenicker fordert im ersten Training "Vollgas". Der Hype scheint an ihr abzuprallen.

Als Marie-Louise Eta um 10.56 Uhr überpünktlich den Rasen betrat, war der Andrang groß. Rund 40 Journalisten beobachteten, wie die neue Trainerin von Union Berlin ihre historische Mission begann. Bei ihrer ersten Einheit wirkte der erste weibliche Chefcoach der Bundesliga-Geschichte jedoch unbeeindruckt vom jüngsten Hype – Eta war sofort voll in ihrem Element.

Immer wieder lachte sie gemeinsam mit ihrem Trainerteam, ehe sie die Mannschaft mit den Worten "Okay Jungs, kommt zusammen!" in einen Kreis beorderte und bei Nieselregen eine Ansprache hielt. Die ersten Übungen, die noch vom Athletiktrainer geleitet wurden, begutachtete Eta zunächst vom Rand. Nach dem Aufwärmen übernahm die neue Chefin; mit lauten und klaren Ansagen trieb sie die Profis an. "Vollgas", hallte es über den Trainingsplatz.

Nach ihrem ersten Auftritt in neuer Rolle wird der Trubel um Eta auch in den kommenden Tagen kaum abnehmen. Am Donnerstag gibt sie ihre erste Pressekonferenz als Chefin, am Samstag (15.30 Uhr/Sky und im Liveticker auf ntv.de) folgt das Debüt gegen den VfL Wolfsburg vor 22.000 Zuschauern an der Alten Försterei. Und Eta brennt darauf. "Sie war sofort bereit, die Aufgabe zu übernehmen, und hat sich sehr über das Vertrauen gefreut, das wir ihr signalisiert haben", sagte Horst Heldt, Unions Geschäftsführer Profifußball.

Während es für Eta vor allem um Fußball geht und darum, mit einem Sieg gegen Wolfsburg den Klassenerhalt so gut wie perfekt zu machen, überstrahlt die geschichtsträchtige Personalie zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung weiterhin das Sportliche. Natürlich gibt es unheimlich viel Zuspruch – und doch schlug Eta zuletzt in sozialen Medien auch Hass entgegen. Union stärkte der Trainerin klar den Rücken, Heldt reagierte erzürnt.

Pionierin Grings teilt gegen Sexisten aus

Er finde es "wahnsinnig, dass wir uns damit in der heutigen Zeit auseinandersetzen und uns rechtfertigen müssen", sagte der 56-Jährige: "Wir reden hier von einer hochkompetenten Führungspersönlichkeit." Auch Inka Grings, 2019 beim SV Straelen erste Trainerin eines Männervereins der obersten vier Ligen, verurteilte die Posts. "Die Schwachköpfe, die diese Äußerungen tätigen, interessieren mich wenig. Dumme Sprüche aus der Ferne sind immer einfach. Es ist aber schockierend und zeigt ein Bild unserer Gesellschaft - zum Glück nur eines kleinen Teils", sagte sie dem SID.

Für Eta, die in der Saison 2023/2024 bereits als erste Co-Trainerin in der Bundesliga Aufsehen erregt hatte, zählen derweil nur die finalen fünf Bundesliga-Spieltage. Mit sieben Punkten Vorsprung auf Relegationsrang 16 ist die Ausgangslage für die Interimstrainerin gut, aber mit nur zwei Siegen aus den vergangenen 14 Spielen erlebte Union unter ihrem entlassenen Vorgänger Steffen Baumgart eine zweite Saisonhälfte zum Vergessen.

Daher versucht Heldt, alle Fragen nach Etas Zukunft abzuwiegeln, wobei er eine feste Anstellung als Trainerin der ersten Männer-Mannschaft explizit nicht ausschloss. Eigentlich ist vorgesehen, dass die bisherige U19-Trainerin ab der kommenden Saison das Frauenteam in der Bundesliga übernimmt.

"Jetzt ist es erst mal wichtig", so Heldt, "sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und sich gut vorzubereiten auf das Spiel gegen Wolfsburg. Das wird keine leichte Partie werden." Marie-Louise Eta, das war am Dienstag zu sehen, wird bereit sein.

Quelle: ntv.de, msc/sid

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