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Nach 360 Tagen wieder dabei: Mario Götze.
Nach 360 Tagen wieder dabei: Mario Götze.(Foto: imago/Matthias Koch)
Freitag, 10. November 2017

DFB-Team gastiert in Wembley: Rumpftrüppchen trifft Rumpftruppe

Von Tobias Nordmann und Stefan Giannakoulis, London

Der DFB will sich nichts vorwerfen lassen. In Vorbereitung auf die WM 2018 gibt’s für Löws Titelträger keine Schützenfestkandidaten. Doch bereits das erste Spiel in London verzwergt sich, da gute Spieler fehlen.

Um was geht’s?

Um den Mann, der in der DFB-Elf Mario Götze beerben und im Sommer kommenden Jahres in Russland den amtierenden Fußball-Weltmeister erneut zum Titel schießen soll. Dass es so kommt, davon geht Thomas Müller aus. Jedenfalls sagte das der derzeit verletzte Nationalspieler in einem lustigen Video anlässlich der Präsentation des neuen Trikots in dieser Woche.

Video

Und Müller weiß auch schon ganz genau, wie der Treffer fallen wird. So nämlich: Flanke in den Strafraum, ein kurzer Abpraller und dann der Titel-Einschlag aus 12, 13 Metern. Wer’s macht? Müller sagt’s vor dem Testspiel-Doppelpack an diesem Freitag in London gegen England (ab 21 Uhr unserer Zeit im Liveticker bei n-tv.de) und Dienstag ab 20.45 Uhr in Köln gegen Frankreich nicht. Aber vielleicht macht es ja auch Götze selbst.

Wie ist die DFB-Elf drauf?

Der Dortmunder ist nach einem Jahr verletzungs- und krankheitsbedingter Absenz wieder bei der Nationalmannschaft, freut sich und sagte: "Ich habe alle wiedererkannt." Das ist doch prima. Und nach allem, was Joachim Löw so andeutet, ist Götze einer derjenigen, die sich ihres Platzes im WM-Kader sicher sein können: "Einige Spieler sind natürlich gesetzt." Ansonsten hat der Bundestrainer die Freude der Wahl. Er träumt davon, jede Position doppelt besetzen zu können - und das möglichst ohne Qualitätsverlust: "Ich bin nicht der Freund davon, viele Positionen zu tauschen. Ziel muss es sein, eins zu eins ersetzen zu können."

England - Deutschland, 21 Uhr

England: Hart (West Ham/30 Jahre/74 Länderspiele) - Walker (Man City/27/30), Cahill (Chelsea/31/58), Stones (Man City/23/20), Rose (Tottenham/27/12) - Livermore (West Bromwich/27/5), Dier (Tottenham/23/21), Loftus-Cheek (Crystal Palace/21/0) - Lingard (Man United/24/6), Vardy (Leicester/30/17), Rashford (Man United/20/13)
Deutschland: ter Stegen (FC Barcelona/25/17) - Kimmich (FC Bayern/22/24), Hummels (FC Bayern/28/60), Süle (FC Bayern/22/7), Halstenberg (Leipzig/26/0) - Khedira (Juventus/30/71), Gündogan (Man City/27/20) - Sané (Man City/21/8), Özil (Arsenal/29/86), Götze (Dortmund/25/62) - Werner (Leipzig/21/8)
Schiedsrichter: Raczkowski (Polen)

Je nach gezogener Linie kann er dabei aus etwa 40 Spitzenkräften auswählen. Wobei das propagierte härteste Casting aller Zeiten bei genauer Betrachtung gar nicht so hart ist. Bleiben alle gesund, sind mindestens 13 der 23 zur Verfügung stehenden Plätze besetzt. Da sind die unverzichtbaren Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Mats Hummels, Jérôme Boateng und Toni Kroos. Da wären auch die beim Bundestrainer gesetzten Müller, Mesut Özil, Sami Khedira, der konkurrenzlose Jonas Hector, die Seuchenvögel Ilkay Gündogan, der nun nach ebenfalls genau 360 Tagen Abwesenheit wieder im Kader steht, und Marco Reus sowie Marc-André ter Stegen - und eben besagter Götze. Um die restlichen Plätze balgt sich eine begabte Casting-Crew. Wobei auch hier schon mehrere Kicker ihre Handtücher auf die begehrten Liegen am WM-Pool gelegt haben: Timo Werner, Leon Goretzka und Sebastian Rudy.

Wie ist die Ausgangslage?

Sagen wir's so: Wenn England auf Deutschland trifft, klingt das stets mächtig prächtig. Sie nennen es Klassiker. Und das Wembleystadion ist mit seinen knapp 90.000 Plätzen auch tatsächlich ausverkauft. Weil beide Mannschaften ein Wahnsinnspfund an überragendem Talent haben, hätte das Treffen in London ein gar leckeres Jahresausklangsschmankerl werden können. Können, weil sich ganz viel Talent abgemeldet hat. Bei den Gastgebern noch viel mehr als bei den Gästen. Die müssen auf Jérôme Boateng verzichten, ihn plagen muskuläre Probleme. Toni Kroos darf sich nach überstandener Malaise mit Magen und Darm ausruhen. Hector, Neuer, Müller und Goretzka hatten sich bereits vorher verletzt abgemeldet.

Halstenbergs Marcel.
Halstenbergs Marcel.(Foto: imago/Matthias Koch)

Apropos Hector und doppelt besetzt: Weil der als sehr guter Linksverteidiger quasi einen Abo auf den Job hat, lud Löw nun zum ersten Mal den Leipziger Marcel Halstenberg ein - und versprach ihm prompt einen Einsatz in der Startelf. Was wohl Marvin Plattenhardt dazu sagt? Der Berliner hatte beim Gewinn des Confed Cups im Sommer Hector zumindest in einem Spiel ersetzen dürfen - und hofft auf die WM. Also sprach er zur "BZ": "Mich freut die erneute Einladung sehr, die Arbeit der letzten Wochen zahlt sich aus. Für mich ist das eine große Chance, mich erneut dem Bundestrainer zu beweisen." Na dann. Ansonsten gilt, was Toni Kroos zu Protokoll gab: "Für jeden geht es darum, sich zu zeigen. Es wird sich niemand ausruhen können." Nun, er ja schon. Aber ist ja auch nur ein Klassikerchen.

Was machen die Engländer so?

Die seien "brandgefährlich", im schnellen Umschaltspiel "auf allerhöchstem Niveau" - sagt Löw. Sein Kollege Gareth Southgate wird's wohlwollend zur Kenntnis genommen haben. Auch die Engländer testen hochklassig, am kommenden Dienstag ist dann Brasilien zu Gast in Wembley. Er freue sich und sei gespannt, wie es läuft, sagte Southgate: "Zweimal vor vollem Haus zu spielen, das sind die Spiele, für die man lebt." Aber auch er muss auf einige Stammkräfte verzichten: allen voran auf Toptorjäger und Kapitän Harry Kane von Tottenham Hotspur. Daneben fehlen unter anderen Kanes Vereinskollege Dele Alli, Raheem Sterling von Manchester City und Jordan Henderson vom FC Liverpool in den beiden freundschaftlichen Partien. Dafür hat er halt Jake Livermore von West Bromwich Albion, Michael Keane vom FC Everton und Jack Cork vom FC Burnley eingeladen. Rumpftrüppchen trifft Rumpftruppe.

Southgate aber ficht das nicht an: "Ich bin wirklich zufrieden mit dem Kader, den ich hier habe. Das erlaubt mir, mit Spielern zu arbeiten, mit denen ich sonst nicht gearbeitet hätte." Das hätte auch von Löw kommen können, der am Tag vor dem Spiel energisch betonte: "Ich will nicht immer nur die sehen, die viel spielen. Sondern auch mal die anderen."

Was gibt's sonst noch?

Sie bewegt sich doch, die Fifa. Zumindest ein wenig. Und so werden beide Teams heute mit Poppy-Armbinden auflaufen, um an die toten Soldaten in den beiden Weltkriegen zu erinnern. Vor einem Jahr noch hatte der Weltverband die Poppies bei Fußballspielen verboten. Weil sich die Verbände von England, Schottland, Wales und Nordirland widersetzten und Spieler die rote Mohnblüte bei Qualifikationspartien zur WM trugen, belegte die Fifa sie mit Geldstrafen. Viele Briten tragen die Poppies traditionell rund um den Remembrance Day, der am Sonntag begangen wird. Dass die Deutschen nun mitmachen, kommt gut an. "Wir bedanken uns beim DFB, dass er zugestimmt hat, die Klatschmohnblüte beim Spiel zu tragen, um zu dieser wichtigen Zeit Solidarität und Einheit zu zeigen", erklärte der FA-Vorsitzende Martin Glenn.

Quelle: n-tv.de

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