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WM-Countdown (39) Russisch für WM-Reisende - die besten Apps

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Guten Morgen! Erstmal einen Kaffee brauen. Flachwitze helfen tatsächlich beim Russisch lernen.

(Foto: imago/Christian Grube)

Welche Russisch-Lernhilfe hat man immer bei sich? Klar, das Handy. Darum geht es diesmal um die besten Apps, um sich die Sprache des WM-Gastgeberlandes draufzuschaffen. Dazu können Sie sich ruhig als Eselsbrücke einen Kaffee kochen.

Hefte raus, Klassenarbeit! Nach den vielen hilfreichen Videos gestern setze ich ab heute das russische Alphabet ganz klar als bekannt voraus - schließlich sind die Leser dieses Countdowns überdurchschnittlich intelligent und engagiert! Falls Ihnen dennoch kurz mal was entfällt, hier ein Spickzettel. Damit können wir uns also auf die Apps konzentrieren, mit denen man richtig Russisch lernt - ganze Wörter, vielleicht sogar kleine Sätze.

Katrin Scheib I

Katrin Scheib.

(Foto: Pascal Dumont)

Eines vorweg: Die Auswahl ist nicht allgemeingültig. Jemand, der langfristig und mit Substanz Russisch lernen will, entscheidet sich vielleicht eher für andere Apps - mit anderer Didaktik, größerem Vokabular und der Möglichkeit, auf mehreren Geräten parallel zu lernen. Im Gegenzug kosten solche Apps allerdings oft Geld, einmalig oder mit monatlichem Abo. Hier soll es heute stattdessen um kostenlose Apps gehen, zum gelegentlichen, beiläufigen Russischlernen. Für alle, die nach einem Glas Bier oder dem Weg zur Toilette fragen wollen, aber nicht im nächsten Schritt Anna Karenina im Original lesen.

Unsere Kolumnistin

Katrin Scheib ist Journalistin, Schalke-Fan und kommt aus dem Rheinland. Als die deutsche Mannschaft 2014 in Brasilien Fußball-Weltmeister wurde, war sie gerade nach Moskau gezogen. Seitdem bloggt sie unter kscheib.de über ihren Alltag und informiert mit ihrem "Russball"-Newsletter jede Woche über den Fußball und die WM-Vorbereitungen in Russland. Und nun schreibt sie für n-tv.de den Countdown, bis das Turnier am 14. Juni beginnt.

Gute Erfahrungen habe ich mit Memrise gemacht - der Name ist eine Verballhornung von "memorise", auswendiglernen. Keine gezielte Russisch-App, man kann sie genauso gut nutzen, um sich europäische Hauptstädte oder das kleine Einmaleins zu merken. Memrise spricht einem Wörter vor und behält im Blick, bei welchen man öfter Fehler macht - die bekommt man dann häufiger wieder vorgelegt. Eine Schlüsselfunktion ist aber vor allem die Sache mit den Eselsbrücken: Auf Wunsch zeigt Memrise die Tricks, Merksprüche oder Bilder an, mit denen sich andere Leute einen Begriff einprägen. Das ist oft schmerzhaft kalauerig - und gerade deshalb effektiv. Wer zum Beispiel immer wieder vergisst, dass "guten Morgen" auf Russisch "dobroje utro" heißt, dem zeigt die App ein Foto, auf dem gerade eine Kanne Filterkaffee aufgegossen wird. Unterzeile: "Morgens, DOBROJE ich mir lecker Kaffee." Dobroje. Do broje. Da braue. Ja, das tut weh - aber es bleibt eben auch hängen. Zu "spokojnoj notschi" (gute Nacht) ein Bild von Mr. Spock, zu "spasibo" (danke) irgendwas mit Spaß und Haribo - wer ein Gehirn hat, das gut auf Flachwitze anspricht, der ist hier richtig.

Etwas für visuelle Lerner ist "Drops", bei dem die Vokabeln wie Tropfen vom Handybildschirmhimmel fallen. Danach gibt es verschiedene Methoden, sich die Wörter einzuprägen: Mal muss man mit dem Finger ein Wort und das passende Bild zueinander wischen, mal buchstabieren, mal entscheiden, ob ein Bild und ein Wort zusammen passen. Die Bilder sind schlicht und einleuchtend, nerven allerdings manchmal mit Mann-Frau-Klischees: "Ich koche" hat ein weibliches Piktogramm, "Chef" hingegen ein männliches, das Prinzip zieht sich durch die ganze App. Trotzdem würde ich sie unterm Strich empfehlen, vor allem, weil sie einen erzieht, regelmäßig zu üben: Wer die Gratisversion runterlädt, kann sie alle zehn Stunden fünf Minuten lang nutzen, das fördert Routinen wie "Russischlernen beim Frühstück" oder "Russischlernen im Bus zur Arbeit". Nur über die Reihenfolge der verschiedenen Lektionen könnten die Macher der App vielleicht noch mal nachdenken: Warum vor den Themenbereichen Obst, Gemüse, Flughafen, Hotel, und Restaurant schon das Kapitel "Toilette" mit einer ziemlich ausgeprägten Detailtiefe ("ich pinkle", "ich pupse", "Haufen", "Klobürste", "Raumspray", "Pömpel") kommt, erklärt sich nicht so ganz.

Ganz praktisch ist auch das "Wörterbuch in Bildern" von Pons mit seiner Lernfunktion. Okay, kostenlos ist nur das erste Kapitel mit der Überschrift "Unterwegs", aber genau das ist es ja, was man als WM-Reisender für den kleinen Russisch-Crashkurs zwischendurch braucht. Weniger vielleicht die ambitionierten Begriffe wie "Seetang", "Gepäckablage" und "Zigarettenanzünder", aber die schlichteren Vokabeln sind durchaus nützlich, und man lernt sie auch hier mit Bildern, oft zum Antippen: Das ist eine Brücke, das ist ein Schlafsack, das ist ein Taxi, das ist der Zoll.

Zum Schluss noch ein bisschen Beifang - also Apps, von denen ich eher die Finger lassen würde: "Russian Spy" verbindet Vokabeltraining mit allerlei Szenarien rund um Bombenentschärfung und Schießtraining - und schafft es dennoch, sich langsam und wenig dramatisch anzufühlen. "Russian Bubble Bath" hat eine herzallerliebst schlichte Grafik, taugt aber ganz gut, um etwa Zahlen zu üben - bis man zu dem Level kommt, wo man Ton bräuchte, sich der Ton aber nicht einschalten lässt. Die russischen Vokabelkarten von VOClab haben zu viele Fehler, ähnlich wie dieses Vokabelquiz - es sei denn, man ist scharf darauf, sich zu merken "okay, dieses Wort bedeutet 'Gesicht', aber das Spiel meint, es heißt 'Käse', also muss ich auf 'Käse' klicken, um einen Punkt zu bekommen."

Alle Folgen des WM-Countdowns finden Sie hier

Quelle: n-tv.de

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