Fußball

Jungstar in der Formkrise Sancho kassiert eine klare Ansage vom BVB

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Die Erwartungen an den Engländer sind groß.

(Foto: imago images/Sven Simon)

An 72 Toren war Jadon Sancho in den beiden Vorjahren direkt beteiligt, in dieser Saison ist davon bisher jedoch kaum etwas zu sehen. Nach seinem geplatzten Abschied aus Dortmund ist der 20-Jährige derzeit ein Schatten seiner selbst. Der Verein zeigt sich noch geduldig.

Als in der zweiten Halbzeit des bis dahin torlosen Auswärtsspiels des BVB bei der TSG Hoffenheim die Nummer sieben am Seitenrand rot aufleuchtete, staunten die 6030 anwesenden Zuschauer nicht schlecht. Jadon Sancho musste tatsächlich vom Feld, und das nach gerade einmal 64 Minuten. Vor gar nicht allzu langer Zeit hätte sich BVB-Coach Lucien Favre wohl lieber noch ein Bein ausgerissen, als den offensiven Wirbelwind in einer ebenso engen wie richtungsweisenden Partie derart früh auszuwechseln.

Im Herbst 2020 ist vom sonst so quirligen und unberechenbaren Sancho jedoch nicht mehr viel zu sehen. Vor dem Champions-League-Auftakt der ambitionierten Borussia bei Lazio Rom (heute 21 Uhr im Liveticker bei ntv.de) wirft die Form des 20-Jährigen Fragen auf. Nach vier Spieltagen lesen sich Sanchos persönliche Statistiken ungewohnt mau. Einem Treffer und einer Vorlage im DFB-Pokal beim MSV Duisburg sowie einem gelungenen Bundesliga-Start inklusive Assist beim 3:0-Heimsieg gegen Gladbach folgten enttäuschende Auftritte in Augsburg und Hoffenheim.

Dabei wirkte der Edeltechniker seltsam gehemmt und kompliziert in seinen wenigen Aktionen, ließ jedwede Durchschlagskraft im Dribbling vermissen. Schon wird im Umfeld des BVB die Kritik am "Golden Boy 2020"-Kandidaten lauter. Freilich sollten Jungprofis gewisse Schwankungen in ihrem Spiel zugestanden werden, nur hat Sancho die Messlatte mit 32 Scorerpunkten 2018/2019 und 40 Torbeteiligungen im Jahr darauf extrem hochgesetzt. Da verwundert es kaum, dass die Erwartungen gestiegen sind.

Wie groß ist die Insel-Sehnsucht?

Sportdirektor Michael Zorc will von einer Formkrise noch nichts wissen. "Ich fand Jadon gegen Hoffenheim sehr bemüht. Auch wenn nicht alles funktioniert hat, fand ich ihn engagiert. Mir hat gut gefallen, dass er viel gearbeitet hat und auch unangenehme Wege gelaufen ist", betonte der 58-Jährige gegenüber "Sport1". Doch Zorc weiß: In seiner aktuellen Verfassung ist Sancho keine große Hilfe für den BVB. Zu wenig Leistung, zu viele Nebenkriegsschauplätze - so wird der Shootingstar zum Sorgenkind.

Den Dortmunder Bossen dürfte zudem keineswegs entgangen sein, wie regelmäßig Sancho zuletzt abseits des Rasens Negativschlagzeilen geschrieben hat. Nahezu täglich schwappten im Sommer neue Wasserstandsmeldungen zum Transferpoker zwischen Manchester United und dem deutschen Vizemeister durch die Presse. Seit 2019 bemühen sich die Red Devils bereits intensiv um den einst beim Stadtrivalen City ausgebildeten Angreifer. Da sie jedoch nicht willens waren, die geforderten 120 Millionen Euro auf den Tisch zu legen, blitzten die Engländer auch diesmal ab. Ein Wechsel-Ultimatum lief am 10. August ab, danach schloss der BVB einen Abgang kategorisch aus.

Ob Sancho, dessen Vertrag in Dortmund bis 2023 gültig ist, über diese Entscheidung glücklich war und ist, darf bezweifelt werden. Seit längerem wird dem 20-Jährigen große Lust auf eine Heimkehr auf die Insel nachgesagt. Schon gibt es Spekulationen über einen Zusammenhang zwischen seinem erzwungenen BVB-Verbleib und den recht uninspiriert anmutenden Vorstellungen auf dem Platz.

Aus der Nationalmannschaft gestrichen

Da passt die Affäre um Sanchos Party-Ausflug Anfang Oktober durchaus ins Bild. Singend, gut gelaunt, ohne Schutz vor Mund und Nase und alles andere als angeschlagen hatte sich der Offensivmann auf der Geburtstagsparty seines Nationalmannschaftskollegen Tammy Abraham (FC Chelsea) in London präsentiert. Dabei hatte er am selben Tag beim Dortmunder 4:0-Erfolg gegen den SC Freiburg nicht mitwirken können - offiziell aufgrund einer Atemwegserkrankung, ausgerechnet.

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Während der gnädige BVB von einer Strafe absah, griff Englands Nationaltrainer Gareth Southgate durch und strich Sancho und die übrigen Partygänger, die aufgrund der missachteten Corona-Regeln erst später anreisen konnten, für das Freundschaftsspiel gegen Wales aus dem Kader. Gegen Lazio könnte der 14-malige Auswahlspieler der Three Lions nun einen ersten Schritt aus der persönlichen Krise machen und Dortmund zu einem erfolgreichen Start in die Königsklasse verhelfen.

Dass Lucien Favre in Rom erneut auf Sancho in der Startelf setzt, gilt als sehr wahrscheinlich. So langsam sollte der Rechtsaußen das Urvertrauen seines Trainers allerdings mit Leistung zurückzahlen, andernfalls ist sein Stammplatz bald futsch. Michael Zorc drückt es bei "Sport1" diplomatisch aus: "Wenn er weiterhin viel arbeitet, dann kommt die Quote von ganz alleine. Er muss jetzt aber dranbleiben, das ist ganz wichtig." Sonst könnte die Luft auch für Sancho bald dünner werden.

Quelle: ntv.de