Fußball

Nur Verunsicherung, gar kein Mut Schalke 04 bestürzt seinen neuen Trainer

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Nunja, es gibt viel zu tun.

(Foto: dpa)

Erstes Spiel, erste Ernüchterung: Bei der deutlichen Niederlage gegen RB Leipzig zeigt der FC Schalke 04 seinem neuen Trainer, woran es hapert - nämlich überall. So frustriert Manuel Baum nach seinem Debüt auch ist, so wichtige Erkenntnisse hat er gezogen.

Von der Gesichtsfarbe von Manuel Baum konnte man am Samstagabend in den Katakomben der Leipziger Stadions ganz gut ablesen, wie es um den FC Schalke bestellt ist. Bleich und ausgelaugt saß der neue Trainer der Gelsenkirchener neben seinem Kollegen Julian Nagelsmann, dessen gut gebräunter Teint hervorragend zu Leipzigs Platz an der Sonne als Tabellenerster passt. Baum hingegen fehlte nach dem 0:4 von 04 in Sachsen nur der Ruß im Gesicht und man hätte meinen können, dass er gerade von einer Schicht unter Tage ausgefahren war.

Mit leiser Stimme und in kurzen Antworten versuchte der 41-Jährige gar nicht erst - offenbar selbst konsterniert ob des Ausmaßes der Verunsicherung bei den "Königsblauen" - irgendetwas Positives nach seinem Einstand zum Vergessen zu finden. Schalke bekam nicht nur erneut die Hütte voll und setzte den schlechtesten Saisonstart einer Mannschaft in der Bundesligageschichte fort. In der Halbzeitpause musste Baum zudem den Torhüter tauschen, weil Ralf Fährmann über Adduktorenprobleme klagte, sodass Neuzugang Frederik Rönnow gleich seinen Einstand geben musste. Und auch Nationalspieler Suat Serdar verletzte sich erneut am Oberschenkel und musste nach einer halben Stunde ausgewechselt werden. "Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß", hatte Weltmeister Andreas Brehme mal gesagt.

Baum hat Erfahrung mit destruktivem Fußball

RB Leipzig - Schalke 04 4:0 (3:0)

Tore: 1:0 Bozdogan (31. Eigentor), 2:0 Angelino (35.), 3:0 Orban  (45.+2), 4:0 Halstenberg (80., Handelfmeter)
Leipzig:
Gulacsi - Orban, Upamecano (71. Klostermann), Halstenberg - Mukiele, Kampl (76. Henrichs), Haidara, Angelino (82. Wosz) - Nkunku, Dani Olmo (82. Samardzic), Forsberg (71. Sörloth); Trainer: Nagelsmann.
Schalke: Fährmann (46. Rönnow) - Stambouli, Salif Sane, Nastasic - Schöpf, Mascarell, Oczipka - Serdar (22. Bozdogan), Bentaleb - Uth, Paciencia (46. Ibisevic); Trainer: Baum
Schiedsrichter: Badstübner (Windsbach)
Zuschauer: 8500

Etwa eine halbe Stunde lang hatte Schalke mit einem massiven Abwehrbollwerk mit einer tief stehenden Fünferkette und einer Dreierreihe davor versucht dagegenzuhalten. Baum hat Erfahrung mit solch destruktivem Fußball. Mit Augsburg hatte er die Leipziger so bereits diverse Male geärgert. Doch die Mauer war schnell rissig, auch weil sich Rasenballsport ohne etatmäßigen Stürmer mit dem Offensivquartett Emil Forsberg, Christopher Nkunku, Dani Olmo und Angeliño zu einem neuen Level im Kombinationsspiel aufschwang.

Erst fand Kevin Kampl die Lücke beim Pass auf Forsberg, der den eingewechselten Can Bozdogan zum Eigentor zwang (31.). Dann spielte sich Nkunku im Duett mit Olmo auf der rechten Seite frei und schlug eine genaue Flanke auf die kahle Stirn des heranfliegenden Angeliño (35.). Und spätestens, als Willi Orban in der Nachspielzeit der ersten Hälfte unbedrängt zum 3:0 einköpfte, war die Moral gebrochen. "Schon nach dem ersten Tor konnte man erkennen, dass die Mannschaft einen Rucksack drauf hat", sagte Baum. Eine Frage des Selbstvertrauens nach nun 15 Gegentoren in drei Spielen.

"Wir waren extrem viel mit Verteidigen beschäftigt, hatten aber durch die vielen Bewegungen von Leipzig Probleme, Zugriff zu kriegen", analysierte Baum. Wenn die Schalker mal Bälle eroberten, waren sie gleich wieder weg. "Wir haben zwar versucht, schnell nach vorn zu spielen, haben aber sehr mutlos agiert", erkannte der Trainer. Es dauerte bis zur 49. Minute, ehe der eingewechselte Vedad Ibisevic den ersten Torschuss abgab. Bozdogan zwang RB-Keeper Peter Gulacsi mit einem platzierten Schuss von der rechten Seite zu nur einer einzigen Parade. Harmloser geht es kaum.

Immerhin nicht völlig zusammengebrochen

Immerhin fielen die "Königsblauen" in den zweiten 45 Minuten nicht völlig in sich zusammen und kassierten - unter freundlicher Mithilfe der Leipziger - nur noch ein weiteres Gegentor. Den unglücklich von Matija Nastasic verursachten Hand-Elfmeter verwandelte Marcel Halstenberg sicher (80.) und widmete den Treffer seinem verstorbenen Vater.

So taugte dieses Spiel für Schalke höchstens, um alle Schwächen schonungslos aufzudecken. Und davon gibt es reichlich. "Wir müssen an allen Themen arbeiten", sagte Baum. Nicht nur an der defensiven Stabilität, sondern auch am Spiel nach vorn. "Wenn die Mannschaft mit Ball ein gutes Gefühl hat, wirkt sich das wieder auf die Defensive aus. Wir müssen das ganzheitlich angehen", sagte Baum wie ein Mediziner.

Von ihm wird nun erwartet, den lahmenden Patienten Schalke wieder zu kurieren. "Die Qualität, die wir im Moment auf den Platz bringen, ist nicht gut, aber wir haben Potenzial in der Mannschaft", versuchte sich Baum in einem positiven Ausblick. "Das heißt, dass irgendwo noch was ist, das wir wieder wecken müssen." Irgendwo, tief vergraben unter Tage.

Quelle: ntv.de

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