Fußball

Viel Aufwand, wenig Ertrag Schalke hadert und nervt den BVB

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Das mit dem Toreschießen üben wir noch: Schalkes Trainer David Wagner und Rabbi Matondo.

(Foto: dpa)

Die Mannschaft von Trainer David Wagner spielt ein teils beeindruckendes Revierderby. Doch trotz eines couragierten Auftritts und allerbester Torchancen muss sich der FC Schalke 04 am Ende gegen enttäuschende Dortmunder mit einem Punkt zufriedengeben.

Fachleute hätten es wissen können: Dass das Derby zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund unentschieden ausging, bestätigt den Trend. Seit dem Umzug in die Arena neben dem Parkstadion im Jahr 2001 spielten die Gelsenkirchener gegen keinen anderen Gegner so häufig remis. Auch am Samstagnachmittag, am neunten Spieltag der Bundesliga, fügten die Nachbarn aus dem Ruhrpott den bisherigen sechs Unentschieden das siebte hinzu. Null zu null. So weit, so gut.

Und wenn es stimmt, dass jedes Derby seine eigene Geschichte erzählt, so geht es im Plot der Begegnung vom Oktober 2019 aus Schalker Sicht darum, wieso diese Mannschaft nach einer verkorksten vergangenem Saison plötzlich mitreißenden Fußball spielen kann, dummerweise aber viel zu wenig Tore erzielt, um überzeugend Spiele zu gewinnen. So wie in der Woche zuvor beim 0:2 in Sinsheim waren die Schalker überlegen, gingen abermals nicht als Sieger vom Platz. So blieb eher das Gefühl, nicht einen Punkt gegen den BVB gewonnen, sondern zwei Zähler verloren zu haben.

Diese Sicht der Dinge teilte auch Trainer David Wagner, der mit dem Erlebten haderte. "Vor dem Spiel wäre ich mit einem Unentschieden sehr zufrieden gewesen. Nach dem Spiel? Nee!" Vor 61.873 Besuchern, die meisten davon in Blau und Weiß, in einem ausverkauften Stadion und bei besten Bedingungen hatten die Gastgeber tatsächlich zahlreiche Großchancen, um die Partie für sich zu entscheiden und Wagner eine gelungene Derby-Premiere zu bescheren. Doch weder die Glückscents vor der Trainerbank, ausgelegt von einem Fanklub, noch die beeindruckend aggressive und laufintensive Spielweise, von denen sich der BVB sichtlich beeindruckt zeigte, brachten die Schalker auf Siegkurs.

"Wie im Kreißsaal: pressen, pressen, pressen"

Die Chancen von Salif Sané in der 28. Minute und den nach seiner Adduktorenverletzung ins Team zurückgekehrten Suat Serdar (34.) landeten an der Latte und am Pfosten, später war es dann der 18 Jahre alte Rabbi Matondo, der zwei Mal allein vor Hitz nicht abgeklärt genug agierte. "Dieser Kritik, dass wir unsere Torchancen nicht nutzen, müssen wir uns natürlich stellen", sagte auch Wagner. "Aber das kann ich nach diesem Spiel nicht in den Mittelpunkt stellen. Meine Jungs haben das heute supergemacht. Ich bin sehr einverstanden mit dem, was ich heute gesehen habe."

Schalke - Dortmund 0:0

FC Schalke 04: Nübel - Kenny, Stambouli, Salif Sane, Oczipka - Mascarell - Caligiuri (84. Schöpf), Serdar - Harit - Burgstaller (90.+1 Kabak), Matondo (80. Kutucu). - Trainer: Wagner
Borussia Dortmund: Hitz - Piszczek, Weigl, Hummels, Guerreiro - Witsel, Delaney (74. Akanji) - Sancho, Reus, Hakimi (86. Brandt) - Mario Götze (58. Hazard). - Trainer: Favre
Schiedsrichter: Felix Brych (München)
Zuschauer: 61.873 (ausverkauft)

Schalkes Spielweise ist aufwendig, aber sie nervt den Gegner. Von Beginn an machen Wagners Spieler dem Gegner das Leben schwer. Die Gelsenkirchener sind möglicherweise das lauf- und kampfstärkste Team der Liga, den Dortmundern zumindest erlaubten sie in Halbzeit eins gerade mal eine Möglichkeit durch Jadon Sancho, die Torhüter Alexander Nübel in der dritten Minute glänzend vereitelte. Der neue Schalker Stil sei Fußball, so formulierte es ein Reporter des WDR, "wie im Kreißsaal: pressen, pressen, pressen".

Das ist beeindruckend, dennoch ist und bleibt Fußball ein Ergebnissport, in dem allein die Tore zählen. Von Stürmerversagen wollte Wagner dennoch nichts wissen, auch wenn er unter der Woche Treffer seiner Angreifer ungewohnt deutlich eingefordert hatte. Die Quote seiner Offensivabteilung hatte der Trainer zurecht als "ausbaufähig" bezeichnet, weil von seinen Sturmspitzen allein Ahmet Kutucu bislang getroffen hat, während Guido Burgstaller noch immer auf seinen ersten Saisontreffer wartet. Seine erschütternde Bilanz: Neun Spielen, null Treffer. Der beste Schütze der Blau-Weißen agiert im Mittelfeld: Amine Harit mit vier Treffern. "Das müssen wir auch intern ehrlich ansprechen."

"Viel Positives, nur leider nicht drei Punkte"

Symptomatisch war da schon fast der Auftritt Matondos, der zwar wie aufgedreht agierte, aber derzeit wohl mehr ein Versprechen als ein Leistungsträger sein kann. Unterstützung erhielt der Jungstar später aber von berufener Seite. Alexander Nübel attestierte dem jungen Waliser einen überzeugenden Auftritt. "Allerdings", sagte der Torhüter, dessen Zukunft über den Sommer 2020 noch immer unklar ist, "muss Matondo vor dem Tor noch viel ruhiger werden". Auch Wagner wollte mit dem Offensiv-Juwel nicht allzu hart ins Gericht gehen. "Der Junge ist 18 Jahre alt und hat ein richtig gutes Spiel gemacht. Klar, er hat zwei Chancen liegenlassen, aber ich bin sehr einverstanden mit seiner Leistung."

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Wenig beeindruckt vom BVB: Alexander Nübel.

(Foto: imago images/Uwe Kraft)

Während die Abteilung Attacke also viel Alarm machte, verbrachte Torhüter Nübel einen weitgehend geruhsamen Nachmittag. Er musste ernsthaft eingreifen bei dem erwähnten Schuss von Sancho in der Anfangsphase, danach sorgte er mit zwei, drei Unsicherheiten selbst für Aufregung im eigenen Strafraum, der ansonsten weitgehend Hoheitsgebiet der Gastgeber blieb. Von Dortmund kam erst zum Ende hin Gefahr auf, als sich die Schalker Kräfte dem Ende neigten. "Man hatte das Gefühl, dass von den Dortmundern keiner so recht in die Box wollte", sagte Nübel. "Das hat es für uns leichter gemacht."

Das alles belegt, dass die Blau-Weißen mit ihrem neuen Trainer einen guten, neuen Weg eingeschlagen haben. Wohin der führen kann, hängt natürlich auch davon ab, ob und wann die Stürmer wieder treffen, oder ob eventuell in der Winterpause für die Position in vorderster Spitze nachgebessert werden kann. Die Spielweise selbst ist Erfolg versprechend, auch wenn BVB-Keeper Marwin Hitz nach dem Schlusspfiff den Schalkern "das nötige Quäntchen Glück in den Zweikämpfen" bescheinigte. Ganz sicher irrt hier der Fachmann grandios. Vielmehr ist es Wagner gelungen, sein Team von diesem nicht selten mitreißenden Stil zu überzeugen. Weshalb sein Schlussfazit besser greift als das des Bürki-Vertreters im Dortmunder Tor. "Ich kann aus dem heutigen Spiel sehr viel Positives mitnehmen, nur leider nicht drei Punkte."

Quelle: n-tv.de