Fußball

Palsson "trank bis zum Filmriss" Schalker Vizekapitän schildert seine Alkoholsucht

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Palsson hat keine Lust auf das "Tabu", das mentale Gesundheit noch immer für viele Menschen darstellt.

(Foto: IMAGO/RHR-Foto)

Als Jugendlicher wechselt Victor Palsson zum FC Liverpool, mit 17 fängt er an, zu trinken. Beide Elternteile sind süchtig, auch der Fußballprofi flüchtet sich in den Alkohol. 2014 schafft er den Absprung und beginnt ein neues Leben. Über das der Schalker jetzt mit einem klaren Ziel spricht.

Victor Palsson von Bundesliga-Aufsteiger Schalke 04 hat tiefe Einblicke in die dunkle Zeit seiner Karriere gegeben. "Wenn wir einen Tag freihatten, schüttete ich mich zu und trank am nächsten Tag weiter, um mir nicht eingestehen zu müssen, wie falsch ich mich verhielt", sagte der Schalker Vizekapitän dem "Spiegel": "Ich konnte mich den Konflikten und dem Schmerz meiner schweren Kindheit nicht stellen, also griff ich zum Glas. Das Trinken war eine Form von Flucht."

Der Isländer ging schon in der Jugend zum FC Liverpool und wechselte dann fast jedes Jahr den Verein. Mit 17 fing er an zu trinken. "Ich habe mich damals von vielen Themen außerhalb des Fußballs ablenken lassen, wie dem Glücksspiel und Alkohol. Ich war geplagt von mentalen Problemen", sagte der 31-Jährige. Wenn er trank, "dann meistens bis zum Filmriss". Weil er häufig Suizidgedanken hatte, begab sich Palsson 2013 in Therapie. Heute ist er trocken.

Palsson berichtete, sein Vater sei Alkoholiker und Drogensüchtiger gewesen. Seine Mutter sei infolge von Drogenmissbrauch gestorben: "Es war das schlimmste Tief meines Lebens, ich fiel in ein großes schwarzes Loch." Darunter leide er bis heute, regelmäßig treffe er sich mit Therapeuten und Sportpsychologen: "Sie haben mir aus meinen Tiefs geholfen. Es ist kein Zeichen von Schwäche, wenn du offen über deine Probleme redest, sondern eines der Stärke." Mit dem Gang in die Öffentlichkeit will Palsson zur Sensibilisierung für das Problem beitragen.

Palsson: "Konnte mich Konflikten und dem Schmerz nicht stellen"

Über sein persönliches Schicksal spricht der Nationalspieler, um auf das Thema mentale Gesundheit aufmerksam zu machen. "Bisher ist es immer noch eine Art Tabu", sagte Palsson. Er selbst trenne seine Karriere "in zwei Hälften: von 2007 bis 2014 und von da an bis heute. Der Victor aus der ersten Hälfte hat nichts mit demjenigen zu tun", der heute beim FC Schalke spiele. "Ich konnte mich den Konflikten und dem Schmerz meiner schweren Kindheit nicht stellen, also griff ich zum Glas."

Seine Probleme hätten sich in der Fußballwelt herumgesprochen, schildert Palsson, bis ihm 2014 nur noch ein einziger Klub einen Vertrag angeboten habe - über drei Monate. "Ich hatte das Messer am Hals. Aber es bedeutete den Wendepunkt." Er habe sich Hilfe gesucht, die passende Unterstützung und zurück in ein Leben ohne Sucht gefunden. "Von diesem Sommer an habe ich keinen einzigen Tropfen Alkohol mehr angerührt. Schließlich bekam ich einen langfristigen Vertrag."

Quelle: ntv.de, tsi/sid

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