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"Rassismus aus Kolonialzeit" Schalkes Tönnies sollte freiwillig gehen

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Zeichen ehrlicher Reue? Clemens Tönnies.

(Foto: picture alliance / Guido Kirchne)

Schalkes Präsident Clemens Tönnies fällt durch eine rassistische Bemerkung auf. Auf Druck der Öffentlichkeit hin rudert er hastig zurück. Doch eine Entschuldigung reicht nicht. Es gibt nur eine Möglichkeit, wie er Verantwortung für seine beleidigenden Worte übernehmen kann.

Eine fade Entschuldigung, beschwichtigende Worte und ein Wiedergutmachungs-Gelübde - und schon ist Clemens Tönnies entlastet? Nein. So leicht darf der Aufsichtsratsvorsitzende des FC Schalke 04 nach seinen rassistischen Äußerungen gegenüber Afrikanern nicht davonkommen. Die Glaubwürdigkeit eines ganzen Vereins steht auf dem Spiel.

Tönnies hat die Würde von Millionen Menschen und die Werte des Vereins, die er selbst mitformuliert hatte, mit Füßen getreten. Dafür muss er Verantwortung übernehmen. Die einzige Option, die ihm bleibt, ohne sein Gesicht zu verlieren: der freiwillige Rücktritt von seinem Amt beim Fußball-Bundesligisten. So würde er einer Entscheidung des Ehrenrats zuvorkommen und den Schalkern eine große Last von den Schultern nehmen.

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Wer so gegen die Werte des Vereins verstößt, darf den Aufsichtsrat nicht leiten. Das würde die hochgepriesenen Ambitionen als heiße Luft enttarnen. Tönnies' Bemerkung war nicht einfach nur "töricht", wie er sie selbst zu entschuldigen versucht. Sie offenbart vielmehr tiefverwurzelte rassistische Ansichten, die "an die Kolonialzeit erinnern", wie Hans Sarpei, ehemaliger Schalker Profi mit ghanaischen Wurzeln, treffend feststellte.

Eigentlich sollte der 63 Jahre alte Unternehmer beim "Tag des Handwerks" in Paderborn einen Vortrag zum Thema "Unternehmertum mit Verantwortung - Wege in die Zukunft der Lebensmittelerzeugung" halten. Darin kritisierte er allerdings in kolonialer Gutsherren-Manier die Idee, Steuern für den Kampf gegen den Klimawandel zu erhöhen. Sinnvoller sei die Finanzierung von 20 Kraftwerken in Afrika, "dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren".

Eine fadenscheinige Entschuldigung

Als Tönnies, wohl erst nach den ersten entsetzten Reaktionen, klar wurde, was für ein Menschenbild hinter den Aussagen steht, rudert er zurück. Doch das hastig verfasste Statement überzeugt nicht. Darin entschuldigt er sich lediglich bei "Fans, Mitgliedern und Freunden des FC Schalke". Die Menschen, die er beleidigt hat, bleiben unerwähnt. Falls Tönnies auch nur den Hauch einer Chance hatte, den Eklat unbeschadet zu überstehen, war sie mit dieser fadenscheinigen Entschuldigung dahin.

Auch der zweite Anlauf ging mächtig schief. Er habe eigentlich sagen wollen, dass sich Europa mehr für Afrika engagieren müsste, erklärte Tönnies. Wenn er tatsächlich eine gesellschaftliche Debatte über Missstände in Afrika anstoßen wollte, hätte er dafür nicht einen ganzen Kontinent herabwürdigen müssen. Diese missglückte Erklärung klingt eher nach einem verzweifelten Versuch, seine Entgleisung zu rechtfertigen.

Damit ist er untragbar für einen Verein, der laut Satzung "rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen aktiv entgegentritt". Tönnies war zwar zuvor nicht mit derartigen Bemerkungen aufgefallen. Aber sein rückschrittliches Gedankengut, das bei seiner Rede in Paderborn zu Tage trat, legitimiert schlimmstenfalls Schmähungen und Beleidigungen von dunkelhäutigen Spielern und Ausländerfeindlichkeit in den Stadien.

Das kann Schalke unmöglich dulden. Träte Tönnies zurück, bevor der Verein zu einer unangenehmen Entscheidung gezwungen wird, wäre es das erste Zeichen ehrlicher Reue.

Quelle: n-tv.de

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