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Pinhas "Pini" Zahavi berät nicht, sondern macht große Transfers möglich.
Pinhas "Pini" Zahavi berät nicht, sondern macht große Transfers möglich.(Foto: imago/PRiME Media Images)
Mittwoch, 30. Mai 2018

Bayern droht Lewandowskis Abgang: Schattenmann Zahavi soll's möglich machen

Von Michael Bauer

Den FC Bayern will Robert Lewandowski verlassen - trotz Veto der Bosse. Dass ein Transfer zustande kommt, dafür wird sein Berater Pini Zahavi sorgen. Der bringt sogar ganze Vereine an den Mann - ohne sich die Finger schmutzig zu machen.

Ein Beraterwechsel im Profifußball deutet in der Regel darauf hin, dass der Spieler den Verein wechseln will. Robert Lewandowski hat mit Pinhas "Pini" Zahavi im Februar 2018 einen echten Spezialisten engagiert, der bekannt dafür ist, auch schwierige Transfers auf legalem Weg über die Bühne zu bringen. Und nun meldet die "Sport-Bild": Lewandowski will weg vom FC Bayern.

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Von seinem alten Berater Cezary Kucharski hatte sich Lewandowski getrennt, weil er in vielen Dingen mit Kucharski nicht mehr einer Meinung gewesen sei, berichtete die polnische Boulevard-Zeitung "Super Express". Das Blatt zitierte dazu aus einem noch unveröffentlichen Buch über den Spieler, der darin den Personalwechsel kommentiert: "Ich bin reifer, möchte noch mehr erreichen", soll Lewandowski gesagt haben. Durchsetzen soll das nun Pini Zahavi.

Der 74-jährige Israeli hatte sich Ende der 70er Jahre über kleinere Transfers israelischer Spieler in die englische Liga einen Namen gemacht. Mit den Millionen-Transfers von Rio Ferdinand im Jahr 2002 und Juan Sebastian Veron 2001 zu Manchester United stieg er dann in die Elite-Liga der Berater auf. Zu dieser Zeit war Zahavi bereits sehr gut vernetzt, wusste über alle Regularien und Schlupflöcher der Verbände Bescheid und hatte die Sitten des Beratertums auf einer Gentlemen-Ebene verinnerlicht.

Zahavi kennt die "sauberen" Tricks

Seine Reputation und seine Art brachten ihn auch mit wirtschaftspolitischen Größen zusammen. Den Verkauf des FC Chelsea an Roman Abramowitsch im Jahr 2003 fädelte Zahavi ein, obwohl der russische Oligarch größeres Interesse an Tottenham und Manchester United hatte. Die Übernahme der zu dieser Zeit hoch verschuldeten Blues brachte dem Berater in der folgenden Wechselperiode eine Transferbeteiligung von mehreren Millionen Euro. Neue Besitzer für Beitar Jerusalem und dem FC Portsmouth fand Zahavi in den folgenden Jahren ebenfalls.

Seine Methoden sind legal, hinterlassen aber einen faden Beigeschmack. Im Transferskandal um Ashley Cole war Zahavi verwickelt, belangt wurden aber nur die anderen. Der englische Nationalspieler in Diensten des FC Arsenal hatte sich 2005 mit seinem Berater und Chelseas Trainer Jose Mourinho anlässlich eines Transfers getroffen.  Das war jedoch ein Verstoß gegen die Statuten des englischen Verbands (FA), da Cole noch bei den Gunners unter Vertrag stand. Arrangiert wurde das Treffen von Zahavi, die Strafen trugen die anderen. Chelsea und Mourinho mussten über 500.000 Pfund zahlen, Coles Berater verlor für 12 Monate die Lizenz. Zahavi bezeichnete sich gegenüber dem "Daily Telegraph" nur als Mittelsmann: "Zu diesem Zeitpunkt habe ich weder Chelsea noch Ashley Cole repräsentiert"- und kam unbeschadet davon.

"Ich besitze Spieler - Das ist die Zukunft"

Auch den Transfer von Neymar zu Paris Saint-Germain machte Zahavi erst möglich. Den komplexen Geldstrom von über 200 Millionen Euro vorbei am Financial Fairplay der Uefa lenkte der 74-Jährige. Dafür gab's laut französischer Medien 38 Millionen Euro Provision und herzliche Umarmungen von PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi und Neymar bei dessen offizieller Vorstellung in Paris.

Dabei scheut Zahavi die Öffentlichkeit. Er zieht lieber die Fäden im Hintergrund, vermittelt und verdient an den Transferrechten der Spieler, die der innehält. Von der Berufsbezeichnung des Beraters hatte er sich bereits vor Jahren distanziert. "Ich bin kein Berater mehr", soll er Anfang der 2000er Jahre dem FA-Vorsitzenden Richard Scudamore gesagt haben. "Ich besitze Spieler. Das ist die Zukunft". Und so wird Zahavi auch in der Transfercausa Lewandowski eine Möglichkeit finden, seinen Spieler bei einem neuen Klub unterzubringen. Eben weil er die nötigen Kontakte hat und alle Wege kennt.

 

Quelle: n-tv.de