Fußball

Bayerns Radikal-Rotation in Augsburg Schlechter Stil von Guardiola? Nein, legitim!

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Josep Guardiola gilt als Spezialist für Stilfragen. Dieses Image hat in Augsburg Kratzer bekommen.

(Foto: dpa)

Nach unfassbaren 53 Spielen verliert der FC Bayern in Augsburg mal wieder ein Bundesligaspiel. Aus der Liga hagelt es anschließend heftige Kritik an der Rotation von Coach Josep Guardiola. Die Diskussion ist scheinheilig.

Eigentlich hätte die Laune von Armin Veh blendend sein müssen. Seine Eintracht aus Frankfurt hatte soeben den FSV Mainz im Derby mit 2:0 abgefrühstückt und sich im Kampf um den Klassenerhalt aus dem Gröbsten befreit. Doch anstatt den Moment zu genießen oder seine Mannschaft zu loben, sah sich Veh offenbar genötigt, seine Meinung zur Rotation der Bayern kundzutun. "Natürlich kann man gegen Augsburg verlieren. Aber wenn man sich die Aufstellung ansieht, muss ich sagen: Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied", stänkerte der 53-Jährige. "Es ist zwar nachzuvollziehen, dass die Bayern ihre Spieler für die Champions League schonen, aber für die Liga ist das nicht okay."

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Eintracht-Coach Armin Veh sieht Guardiolas Personalplanungen kritisch - obwohl er selbst ähnlich verfährt.

(Foto: dpa)

Starker Tobak. Und das ausgerechnet von Veh, der vor einigen Wochen selbst vom mittlerweile salonfähigen Rotationsprinzip Gebrauch machte. Wir erinnern uns an den 19. Spieltag: Frankfurt steckt bis zum Hals im Abstiegskampf und hat das Auswärtsspiel in München vor der Brust. Schon vor der Partie war für Veh klar, es wird eine Mission Impossible. "Ich könnte die üblichen Sprüche machen: Du hast immer eine Chance... Aber das ist gegen Bayern im Normalfall nicht der Fall", sagte er damals und verzichtete in seiner ersten Elf auf vier Stammspieler. Carlos Zambrano und Sebastian Rode blieben sogar komplett Zuhause. Vehs Begründung: "Das nächste Spiel gegen Braunschweig, gegen einen direkten Abstiegs-Konkurrenten, hat für uns den größeren Stellenwert. Da wäge ich schon ab." Heraus kam ein 0:5 gegen die Münchner.

"Es geht um Leben oder Tod!"

Auf Schalke fand Veh dennoch Zustimmung. Dort kam Horst Heldt ebenfalls nicht umhin, sich zu äußern. "Das ist kein guter Stil, wenn man so agiert, dass es für andere Probleme geben könnte. Es gibt ja auch immer schlaue Sprüche aus München, die alle anderen aufzunehmen haben. Das hat auch etwas mit Charakter zu tun." Die einzige, halbwegs sinnvolle Erklärung für Heldts Aussage ist, dass er vermutet, dass die Bayern auch im nächsten Bundesliga-Spiel gegen den Schalker Revierrivalen Borussia Dortmund den Sieg herschenken. Diese Sorge kann man Heldt mit Blick auf die jüngere Vergangenheit getrost nehmen. Gegen den BVB geht es ums Prestige. Vor allem vor heimischem Publikum.

Dass Guardiola jedoch gegen Augsburg rotiert, ist völlig legitim. Denn hat er etwas anderes getan, als abzuwägen, dass das nächste Spiel wichtiger ist? Nein! Der FC Bayern konzentriert sich auf die Verteidigung des Triples. Und da wartet im nächsten Spiel nun mal Manchester United. "Wir müssen uns sofort vorbereiten auf unser Finale gegen Manchester. Da geht es um Leben oder Tod!", betonte der Spanier, der für den großen Traum vom erneuten Gewinn aller Wettbewerbe sogar die perfekte Saison opfert.

Ob es richtig ist, sich wie Manuel Neuer hinzustellen und öffentlich zu äußern, dass "nur DFB-Pokal und Champions League zählen – alles andere ist egal", steht auf einem anderen Blatt. Den FC Bayern und Pep Guardiola jedoch dafür zu kritisieren, dass sie versuchen, ihre Saisonziele zu erreichen, ist scheinheilig. Nicht mehr, nicht weniger. Es stellt sich doch viel mehr die Frage: "Was hätten Sie getan, Herr Veh?"

Quelle: sport.de

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