Fußball

"Sowas erträumt man sich nicht" Sechs besondere Drittliga-Minuten

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Thilo Leugers hat seinen Abschied perfekt gestaltet.

(Foto: picture alliance/dpa)

Eigentlich soll Eintracht Braunschweig die Geschichte des vorletzten Drittliga-Spieltags schreiben: Dem Deutschen Meister von 1967 fehlt noch ein Sieg zum Aufstieg. Doch in Meppen haben sie andere Pläne - und setzen die perfekt und emotional um.

Eintracht Braunschweig steht vor der Rückkehr in die 2. Fußball-Bundesliga. Ein Sieg beim Tabellen-14. SV Meppen hätte dem Deutschen Meister von 1967 gereicht, um schon einen Spieltag vor Saisonende direkt aufzusteigen. Doch die Geschichte des Spiels im Emsland schrieb nicht der ehemalige Bundesligist, sondern das Heimteam, das 511 Spiele in der 2. Liga bestritten hat, nun aber seit 1998 schon in der Drittklassigkeit oder tiefer festhängt. Die Geschichte aber, die sie am Nachmittag schrieben, war erstklassig.

Noch keine Minute hat Thilo Leugers in dieser Drittliga-Saison bestritten. Der Kapitän hatte sich vor der Saison einen Kreuzbandriss zugezogen, zuletzt stand der 31-Jährige im Oktober 2020 in einem Saisonspiel für den SV Meppen auf dem Rasen. In der vergangenen Woche hatte der Mittelfeldspieler, der 2016 zum damaligen Regionalligisten gewechselt war, sein Karriereende bekannt gegeben. Nun aber, im Spiel, das eigentlich zum Triumphzug für Eintracht Braunschweig werden sollte, führte Leugers seine Mannschaft noch einmal aufs Feld. Von Beginn an und völlig überraschend. "Ich habe mir seit Donnerstag überlegt, wie ich das dramaturgisch organisieren kann", sagte Meppens Trainer Rico Schmitt nach dem Spiel bei "MagentaSport".

Und die Dramaturgie, sie hätte nicht besser passen können - sie war perfekt: Leugers sollte sein Team als Kapitän aufs Feld führen und dann nach wenigen Minuten ausgewechselt werden. Für den SV Meppen ging es sportlich um nichts mehr, der Klassenerhalt stand fest. Es wäre ein symbolischer Akt gewesen, doch dann griff der Scheidende doch noch höchst entscheidend ein in die Partie und womöglich in den Aufstiegskampf: Schon in der 1. Minute bekam der SV Meppen einen Elfmeter zugesprochen, Leugers lief an - und traf! Dann, nach sechs Minuten, verließ er unter Standing Ovations und eskortiert von seinen Mitspielern wieder den Rasen. "Sowas erträumt man sich nicht", sagte der Torschütze, der in den vergangenen Jahren so oft von Verletzungen zurückgeworfen wurde, dass er nun schon mit 31 Jahren zermürbt ist. "Dass es noch mal so gekrönt wurde, ist Weltklasse."

"Eine heile Welt im Emsland"

Sein SV Meppen baute anschließend die Führung noch aus, der Favorit konterte - und verlor dann doch noch in Überzahl 3:2, weil mit René Guder ein weiterer Spieler traf, der sein letztes Heimspiel für Meppen bestritt. Der Plan von Trainer Schmitt war perfekt aufgegangen. "Leugers macht ein Tor, Guder macht ein Tor und wird davor verabschiedet", freute sich der Trainer. "Sensationell - und wir haben hier eine heile Welt im Emsland."

Für den gebürtigen Emsländer Thilo Leugers endet eine Karriere, die ihn früh in die Niederlande geführt hatte. Mit Twente Enschede wurde er 2011 Pokalsieger, in der gleichen Saison bestritt er zwei Champions-League-Spiele gegen Werder Bremen und Inter Mailand. Nun endet die Laufbahn des Kapitäns nach 129 Pflichtspielen für den SV Meppen mit sechs emotionalen Minuten - und zu früh, wie sie im Verein sagen. "Er ist immer als Kapitän vorneweg gegangen. Er war stets ein Vorbild für die gesamte Mannschaft und hat auf dem Platz immer Vollgas gegeben. Leider hat er viel Pech gehabt mit seinen schweren Verletzungen im Verlauf seiner Karriere", heißt es in einer Vereinsmitteilung. "So war es schwierig wieder reinzukommen nach dieser Leidenszeit. Wir hätten ihn gerne noch im Kader gehabt."

Quelle: ntv.de, ter

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