Fußball

Ein Maradona-Moment für den VfB Silas Wamangituka verblüfft die Bundesliga

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Gut gemacht!

(Foto: imago images/Michael Weber)

Schon in der 2. Liga war sein Potenzial zu sehen, nun entfaltet er es: Silas Wamangituka sorgt beim Aufsteiger VfB Stuttgart weiter für Euphorie. Mit seinen 21 Jahren ist der Kongolese Teil eines der spannendsten Offensiv-Projekte der Bundesliga.

Bei Twitter war wegen Silas Wamangituka die Hölle los. Und dieses Mal ging es nicht um aufreizende Lässigkeit oder einen Tor-Arroganz-Anfall. Als sich Silas am Freitagabend um kurz vor 22 Uhr den Ball schnappte, am eigenen Strafraum, und einmal über das gesamte Feld rannte, um dann einen Treffer zu erzielen, da hämmerte die Social-Media-Gemeinde unter dem Hashtag #VfBM05 furios los. Ein Tor wie einst jenes vom legendären Diego Maradona sei's gewesen (Anm. d. Red.: Übertreibung). Der Spieler müsse unbedingt zum FC Bayern wechseln (Anm. d. Red.: Tweet kam nicht von einem VfB-Fan). Manch andere sahen in dem 21-jährigen Kongolesen einfach nur einen kleinen Tor-Helden. Wieder einmal.

Tatsächlich ist die erstaunliche Saison des Aufsteigers VfB Stuttgart mit der erstaunlichen Saison seines mutmaßlich größten Talents verbunden. In 18 Bundesligaspielen hat der schlaksige Rechtsaußen schon elf Treffer erzielt. Auch bei seinem bislang einzigen Spiel im DFB-Pokal hat er getroffen. Aber wohl keines seiner Tore für den VfB war so beeindruckend wie das 2:0 am Freitagabend gegen den FSV Mainz 05. Dass es zudem noch den ersten Heimsieg der Saison absicherte (am 19. Spieltag!) - schöne Sache. Aber auch keine große. Denn mit 25 Punkten stehen die Stuttgarter ohnehin glänzend da.

Reden über seinen großartigen Moment wollte Silas am Freitagabend nicht. Eine TV-Anfrage lehnte er höflich lächelnd ab, verschwand lieber in den Katakomben der heimischen Arena. Doch so leicht er sich vor Interviews verstecken kann, umso schwieriger wird es, sich vor den bohrenden Blicken der Scouts zu verstecken. So beeindruckend tritt der knapp 1,90 Meter große Außenstürmer in dieser Saison auf. Die bisweilen unsinnigen Dribblings der vergangenen Zweitliga-Spielzeit hat Silas längst überwunden. Sein Spiel wirkt wesentlich reifer, dosierter, effektiver - dabei aber nicht weniger kraftvoll und begeisternd.

So wird Silas immer teurer

Und so wissen sie natürlich auch in Stuttgart: Mit jeder starken Leistung, mit einem jedem weiteren Tor, wird es schwieriger, dieses fußballerische Wildpferd zu halten. Aber sie wissen auch: Mit jeder starken Leistung, mit jedem weiteren Tor (vor allem mit fulminanten) steigt der Preis für den 21-Jährigen. Nicht nur, aber vor allem in Pandemie-Zeiten ist das eine beruhigende Nachricht. Trotz des dann drohenden gewaltigen Qualitätsverlustes. "Wir sind schon extrem attraktiv gerade", erkannte Sportdirektor Sven Mislinat erst Mitte des Monats. Denn es ist tatsächlich nicht nur der Kongolese, der beim VfB bisher groß aufspielt, da sind unter anderem auch noch die ebenfalls jungen Nicolas Gonzalez, Borna Sosa, Tanguy Coulibaly, Sasa Kalajdzic und Orel Mangala.

Nun, da am Montag das Transferfenster schließt und der Aufsteiger nicht die zwingende Notwendigkeit hat, Spieler verkaufen zu müssen, werden all die großen Talente wohl noch mindestens bis Sommer für die Schwaben spielen. Was dann passiert? Spannend! Aber in Stuttgart haben sie ja eben Sven Mislinat, den Mann mit dem "Diamanten-Auge". Seine hohe Reputation rührt ganz besonders aus seiner Zeit in Dortmund her, wo er zahlreiche spätere Stars wie Robert Lewandowski, Shinji Kagawa, Pierre-Emerick Aubameyang, Raphael Guerreiro, Ousmane Dembélé oder Jadon Sancho für den BVB entdeckte.

"Vor nichts Angst"

In Stuttgart geht auch der Transfer von Silas auf das hartnäckige Bemühen von Mislinat zurück. Dabei setzte er sich mit seiner Überzeugungskraft beim Kongolesen auch gegen zwei Bundesligisten durch. Wie die "Sport Bild" berichtete, waren auch Eintracht Frankfurt und der FC Schalke 04 im Sommer 2019 sehr an Silas interessiert. Was genau Mislinat an Silas schätzt, hat er einmal dem "Kicker" erklärt: Der Stürmer gehöre zu einer Art von Profis, "die in spielentscheidenden Situationen vor nichts Angst haben, die mutig sind".

Mutig und überzeugt. Und so war zumindest seinem Teamkollegen Kalajdzic, am späten Freitagabend klar, dass es reichlich sinnlos ist, sich nach Silas' furiosem 80-Meter-Sprint noch als Relaisstation für den Abschluss anzubieten. "Ich habe versucht, in die Schnittstelle zu laufen, damit er mir den Ball noch zuspielen kann", erklärte Kalajdzic bei "DAZN". Er tat das aber im Wissen, einen Pass nicht zu bekommen. "Bei Silas weiß ich, dass er den Ball nicht gerne abspielt", spaßte der Österreicher. "Aber solange er ihn macht, sage ich auch nichts." Aber tatsächlich ist es so: Bei der Torvorbereitung hat Silas noch ordentlich Kapazitäten frei. Den zwölf Treffern in 19 Pflichtspielen stehen gerade einmal drei erfolgreiche Zuspiele gegenüber.

Quelle: ntv.de

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