"Skandalöse" Preis-FalleDie WM 2026 verkommt zum Basar der Wegelagerer

Knapp zwei Monate vor Beginn der Fußball-WM wird immer deutlicher, dass der Besuch der Endrunde für die Fans ein teures Vergnügen wird. In der US-Politik wird es unruhig. Führende Demokraten wollen die FIFA in die Pflicht nehmen.
Achtung, Abzocke: Astronomische Ticketpreise, ungenierter Wucher bei den Parkplätzen, und nun auch noch Unsummen für Bus und Bahn - knapp zwei Monate vor Beginn der Fußball-WM wird immer deutlicher, dass die Endrunde in den USA, Mexiko und Kanada (11. Juni bis 19. Juli) nur etwas für reiche Edelfans mit dicken Geldbeuteln oder "normale" Anhänger ohne Rücksicht auf (finanzielle) Verluste ist.
Zu dem Ärger über die hohen Eintrittspreise inklusive Beschwerde der Fan-Organisation Football Supporters Europe (FSE) bei der Europäischen Kommission sowie dem Frust über unglaubliche Parkplatz-Gebühren an den Stadien jenseits der 200 Dollar kommt nun die Kunde von horrenden Kosten für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Für die organisierten Fans ist dies der Tropfen, der das Fass endgültig zum Überlaufen bringt.
Das einzige Ziel des Turniers scheine darin zu bestehen, "so viel Geld wie möglich von einem gefangenen Publikum zu erpressen", sagte FSE-Geschäftsführer Ronan Evain: "Fans zur Kasse zu bitten, die sich für die sichere und umweltverträgliche Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel entscheiden, ist ein Hohn auf die Klimastrategie der FIFA." Gesteigert wird die Wut auf den Weltverband durch den Vergleich zu den vergangenen Endrunden. Bei der WM 2022 in Katar und der EM 2024 in Deutschland hatten Zuschauer mit einem Spielticket kostenlosen Zugang zum öffentlichen Nahverkehr.
"Das ist skandalös"
Zur Kostenexplosion tragen zudem die Mondpreise bei den Unterkünften bei. Laut Berechnungen des US-Reisemediums Upgraded Points müssen WM-Besucher für eine dreitägige Reise mit zwei Übernachtungen in den US-Spielorten mit durchschnittlichen Gesamtkosten zwischen 2600 Dollar (Miami) und 8900 Dollar (Boston) rechnen. Der Betrag errechnet sich aus einem Ticket vom Zweitmarkt, einer Unterkunft, Kosten für Flüge und Fahrdienste, Verpflegung sowie dem Kauf eines Trikots.
Neben den Fans empören sich auch immer mehr Politiker. "Es ist skandalös, dass Zehntausende Fans aus unserer Region von einem einmaligen Ereignis, das mit unseren Steuergeldern finanziert wird, aufgrund der hohen Preise ausgeschlossen werden", sagte der kalifornische Kongressabgeordnete Josh Harder. Die Kommunen müssten Millionen bezahlen für Renovierungen, Polizei und Rettungsdienste: "Wenn wir die Rechnung bezahlen, verdienen unsere Familien auch Preise, die sie sich leisten können."
In die gleiche Kerbe schlug nun der hochrangige US-Politiker Chuck Schumer. Der Minderheitsführer der Demokraten im Senat forderte von der FIFA, die Kosten für den öffentlichen Nahverkehr in den Spielorten- und Regionen während der WM zu übernehmen. Er reagierte damit auf Berichte über drastische Preiserhöhungen im Bundesstaat New Jersey.
Auch für die DFB-Fans
"Die FIFA wird bei der WM fast elf Milliarden Dollar einnehmen, doch Pendler und Anwohner in der Region New York sollen die Rechnung bezahlen", schrieb Schumer bei X. Es sei das Mindeste, dass der Verband sicherstelle, dass Fans ohne "überhöhte Preise" ins Stadion gelangen könnten.
Zuvor hatte das Portal The Athletic berichtet, dass der Verkehrsbetrieb New Jersey Transit plant, für Fahrten von Manhattan zum MetLife Stadium in New Jersey mehr als 100 Dollar zu verlangen. Normalerweise kostet eine Hin- und Rückfahrkarte für die 29 Kilometer lange Zugfahrt 12,90 US-Dollar. Das DFB-Team spielt mindestens einmal im Finalstadion, in der Vorrundengruppe E geht es am 25. Juni gegen Ecuador.
Auch im Bundesstaat Massachusetts sorgt das Thema Transportkosten für Diskussionen. Der Betreiber des öffentlichen Personennahverkehrs in Boston und Umgebung hat mitgeteilt, dass der Fahrkartenpreis von 20 US-Dollar für NFL-Spiele der New England Patriots auf 80 US-Dollar bei der WM steigen werde. Ein Sitzplatz im Shuttlebus zum rund 43 Kilometer entfernten WM-Stadion in Foxborough soll 95 US-Dollar für die Hin- und Rückfahrt kosten.