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Polizei ermittelt nach KrawallenSkandalspiel "für Fußball-Deutschland sehr enttäuschend"

05.04.2026, 07:20 Uhr
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Um Fußball geht es in der Zweitliga-Partie zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC lange nicht. Fans stürmen den Platz, Pyrotechnik wird hin und her geschossen, die Polizei ist mit großem Aufgebot im Einsatz und ermittelt. Beide Klubs verurteilen den Eklat.

Den entscheidenden Treffer von Marten Winkler zum 1:0 (0:0)-Sieg von Hertha BSC bei Dynamo Dresden (80.) sahen nur noch wenige Fans des Zweitliga-Klubs im Stadion. Das Skandalspiel hatte seine Spuren hinterlassen. Etwa 600 Gästefans hatten das Rudolf-Harbig-Stadion nach der zweiten Spielunterbrechung vorzeitig verlassen, teilte die Polizei in der Nacht mit. Sie seien in Richtung Autobahn eskortiert worden.

Zwar feierten die verbliebenen Berliner Anhänger dann doch wieder mit Gesängen, nachdem sie den Support zuvor eingestellt hatten. Doch beim Klub wollte die Freude nicht so recht ankommen. "Ich wurde angesprochen, was überwiegt? Ich freue mich für meine Mannschaft. Ich freue mich, dass wir das Spiel gewonnen haben, denn es geht um den Sport", sagte Trainer Stefan Leitl. "Alles andere hat auf dem Fußballplatz nichts verloren. Für Fußball-Deutschland ist es schon sehr enttäuschend, was heute Abend hier leider in Dresden passiert ist."

Auf den Platz stürmende Fans hatten für einen Eklat gesorgt. Zuvor hatten beide Fanlager Pyrotechnik gezündet. Dann sprangen plötzlich Hertha- und Dynamo-Anhänger über die Zäune. Die Dresdner Anhänger rannten vermummt quer übers Spielfeld in Richtung Hertha-Fanblock. Beide Fanlager schossen Pyrotechnik hin und her.

750 Polizisten im Einsatz

Schiedsrichter Sven Jablonski musste die Zweitliga-Begegnung unterbrechen und schickte die Teams nach den Krawallen in die Kabine. Für seinen professionellen Umgang mit der schwierigen Lage bekam er Lob von beiden Trainern. Unterdessen versuchten Polizisten, die Dynamo-Anhänger zurück in ihren Block zu drängen. Dort wurde dann eine Hertha-Fahne abgebrannt.

Die Polizei leitete "mehr als ein Dutzend Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruch, gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung sowie Ticketbetrug" ein, teilte sie mit. 750 Beamte aus Sachsen, Thüringen und Bayern waren im Einsatz. Laut Finanz-Geschäftsführer Stephan Zimmermann seien zudem 450 Ordner vom Verein, zudem weitere von Hertha mitgebrachte im Einsatz gewesen. Bereits in der zweiten Halbzeit hatten Polizei und Dynamo-Verantwortliche versucht, Videomaterial zu sichten, so Zimmermann weiter.

Es sei unklar, wie alles so eskalieren konnte, sagte er den "Dresdner Neuesten Nachrichten": "Es gibt unterschiedliche Theorien. Es gab eine große Pyro-Aktion vorm Gästeblock im Stadion, wo relativ viel noch vernebelt war. Da war die ganze Situation schwer einsehbar, wo man auch Videoaufzeichnungen nicht wirklich zu 100 Prozent auswerten kann." Im Gästeblock sei eine "Plexiglasscheibe kaputt, sodass man zwischen dem Sitz- und dem Stehplatzbereich hin- und herwandern kann. Es gab Bewegung im Innenraum von beiden Seiten."

"Wollen wir definitiv nicht sehen"

Zimmermann sagte: "Dass man sich auf dem Platz auf die Nase gehauen und mit Pyro geworfen hat, das sind alles Sachen, die wollen wir definitiv nicht sehen." Die Geschehnisse sind "Wasser auf die Mühlen von einigen Politikern, die viel härtere Maßnahmen haben wollen. Da haben wir heute mal wieder einen Anlass gegeben, dass das bestätigt wird, dass man das eventuell umsetzt".

Das befürchtete auch Herthas Geschäftsführer Peter Görlich: "Ich kann mich nur bei allen Beteiligten im Stadion entschuldigen. Das entspricht überhaupt nicht meinem Wertegerüst. Wir sind für eine lebendige Fankultur. Aber sobald Gewalt im Spiel ist und man auf die Idee kommt, andere Menschen mit Pyrotechnik zu beschießen, hört es bei mir auf."

Auf dem Platz hatte Schiedsrichter Sven Jablonski das Spiel nach langer Unterbrechung in der ersten Halbzeit wieder angepfiffen. Großchancen waren in der ersten Halbzeit, die insgesamt 71 Minuten dauerte, Mangelware. Als Hertha dann ab der 66. Minute in Unterzahl spielte, weil Josip Brekalo nicht den Ball, dafür aber mit der offenen Sohle Dresdens Robert Wagner traf und dafür Rot kassierte, erhöhte Dynamo den Druck. Nach einem Handspiel von Paul Seguin gab es nach Videoüberprüfung von Jablonski Elfmeter für Dresden. Doch Herthas Tjark Ernst (77. Minute) hielt den Strafstoß gegen Vincent Vermeij. Quasi im Gegenzug köpfte Marten Winkler (80.) zur Gästeführung und zum Sieg. Das sahen aber längst nicht mehr alle mitgereisten Anhänger an einem Abend, an dem der Fußball zeitweise völlig in Vergessenheit geraten war.

Quelle: ntv.de, ara/dpa

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