Fußball

Hauptsache, das Geld fließt Super League als Spielwiese für Investoren

Die europäische Super League ist eine Spielwiese für Investoren - nicht zuletzt aus den USA. Ihre Interessen sind klar: viel Geld, bei möglichst wenig Risiko. Die Amerikaner können derweil über die emotionalen Reaktionen in Europa nur staunen. Denn sie selbst regeln solche Dinge anders.

Es ist kein Zufall, dass die Pläne für die neue Super League zuerst in New York vorgestellt wurden. Dort sitzt das Bankhaus JP Morgan, das diese neue Spielwiese zunächst mit 3,5 Milliarden Euro finanzieren will. Dort, in den USA, sitzen auch jene Unternehmer, die mit ihren Fußball-Firmen in Europa vor allem erreichen wollen, möglichst viel Geld bei möglichst null Risiko einzunehmen. Eine Super League mit garantierter Teilnahme und garantiertem Geldfluss kommt ihnen da gelegen.

Vor allem den Investoren aus den USA müssen die europäischen Wettbewerbe wie ein schlechter Scherz vorkommen: Bedingungen für die Teilnahme? Wird in Nordamerika mit Geld geregelt. Und einen Abstieg gibt es deswegen auch nicht. Ein Mann wie Stan Kroenke, dem mehrheitlich der FC Arsenal gehört, investiert nicht mal eben 2,4 Milliarden Dollar in ein neues Stadion in Los Angeles oder leistet sich Klubs wie die Los Angeles Rams (Football) oder die Colorado Avalanche (Eishockey).

Für den Vermarktungsexperten Dennis Trautwein von der global operierenden Agentur Octagon ist es deshalb auch kein Zufall, dass der Hauptgeldgeber und die großen Investoren aus den USA kommen. Eine Sportliga als ein geschlossenes System mit einer garantierten Einnahme - dieses Geschäftsmodell, wie es für die Super League angedacht sei, habe sich dort "bewährt", sagte er. Und die Super League wäre ein "globales Produkt, das auch kommerziell funktionieren würde".

"Große Nähe" zum US-Sport

Das wäre selbstverständlich ganz im Sinne von Kroenke, der reichen Chefs der Fenway Group aus Boston, denen neben dem Baseball-Traditionsklub Red Sox auch der FC Liverpool gehört, oder der Familie Glazer, die neben dem Super-Bowl-Champion Tampa Bay Buccaneers auch Manchester United zu ihrem Besitz zählen. Dass gleich sechs Klubs aus England zu den Gründern der Super League gehören, ist für Trautwein verständlich: Der englische Markt habe eine "große Nähe" zum US-Sport.

Grundsätzlich sieht Trautwein für die Super League die Chance, global zu funktionieren. Fußball-Fans "in den anderen Märkten würden das mit Sicherheit honorieren", glaubt er, "sie haben auch nicht diese enge Bindung, die in den Heimatmärkten der Vereine besteht." Als Verantwortlichem der abtrünnigen Klubs würde ihm die Ablehnung der Anhänger im Heimatmarkt allerdings auch "Sorgen bereiten, weil es an die Seele der Vereine geht". Den US-Investoren aber geht es um Geld. Um ihr Geld.

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Das ist bei den Abtrünnigen aus Italien und Spanien nicht viel anders, zumal angesichts der Auswirkungen der Corona-Pandemie. Juventus Turin notierte zuletzt 358 Millionen Euro Schulden und droht die Teilnahme an der Champions League zu verpassen. Der AC Mailand gehört einer Investmentgesellschaft aus, ja, den USA. Bei Lokalrivale Inter hat ein Indonesier das Sagen. Beim FC Barcelona wiederum sollen sich die Miesen auf mehr als eine Milliarde Euro belaufen, auch Real Madrid hat Probleme.

Trautwein sieht die Gründung der Super League daher in erster Linie als "Power Move", als eine strategische Entscheidung der zwölf Klubs im Zusammenhang mit der Reform der Champions League. "Diese Klubs wollen sicherstellen, dass sie einen größeren Teil des Kuchens bekommen". Die Super League sei ein Druckmittel, aber, sagt Trautwein: "Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass dieses Konstrukt zum Leben erweckt wird."

Quelle: ntv.de, tno/sid

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