Fußball

Mögliche Superliga-Konsequenzen Steht der BVB auf einmal im CL-Halbfinale?

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Wird Pep Guardiola mit Manchester City vom Halbfinale der Champions League ausgeschlossen und rückt der BVB dann nach?

(Foto: imago images/Team 2)

Auch einen Tag nach der Ankündigung dreht sich in der Welt des Sports (fast) alles nur um die Super League: Zwölf Topklubs aus Italien, Spanien und England haben sich zusammengeschlossen und gründen eine europäische Superliga. Das könnte schon sehr bald riesige Wellen schlagen. Thomas Tuchels FC Chelsea, Manchester City und Real Madrid müssen um ihre Halbfinals in der Königsklasse bangen. Auch Nationalligen wollen die "Verräter" rauswerfen. Mögliche Konsequenzen im Überblick.

Steht Borussia Dortmund im Halbfinale der Königsklasse?

Geht es nach Jesper Möller, dänischer Fußball-Verbandspräsident und Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees, werden der FC Chelsea, Manchester City und Real Madrid noch diese Woche aus dem Halbfinale der Champions League fliegen. "Diese Klubs gehen raus. Ich rechne damit, dass das schon am Freitag passiert. Dann werden wir sehen, wie wir die Champions League beenden", sagte Möller der Rundfunkanstalt in Dänemark (DR). Für Freitag ist eine außerordentliche Sitzung des UEFA-Exekutivkomitees angesetzt. Laut Sportrechtlern ist dieser Schritt rechtlich machbar.

Wie die Königsklasse bei einem Rauswurf von drei der verbleibenden vier Halbfinalisten fortgesetzt werden könnte, ist völlig offen. Der FC Chelsea, das Team des deutschen Trainers Thomas Tuchel um die Nationalspieler Timo Werner, Antonio Rüdiger und Kai Havertz, hatte im Viertelfinale den FC Porto ausgeschaltet, der dann gegebenenfalls nachrücken könnte ins Halbfinale. Gegner wäre dort eigentlich Real Madrid. Fliegen die Königlichen raus, wird es komplizierter, weil der Gegner des Viertelfinals, Jürgen Klopps FC Liverpool, ebenfalls einer der Super-League-Klubs ist. Vielleicht würde dann Atalanta Bergamo um Nationalspieler Robin Gosens, Achtelfinal-Gegner Real Madrids, nachrücken. Griffe diese Regelung, würde auf einmal auch Borussia Dortmund im Halbfinale der Königsklasse stehen und gegen Paris St. Germain antreten. Der BVB hatte im Viertelfinale zweimal knapp Pep Guardiolas Manchester City unterlegen.

Würden die Vereine für immer von der Königsklasse ausgeschlossen werden, würde das Interesse an dem Kontinentalturnier natürlich drastisch sinken. Der FC Bayern und PSG wären dann wohl immer Favoriten auf den Titel. Aber auch ein Zerfall der Champions League könnte langfristig eine Folge aus der Entstehung einer Superliga sein.

Schmeißt Premier League die "Big Six" raus?

Zwar ist bisher kein Klub aus der Bundesliga beim "Dreckigen Dutzend" (O-Ton englische Presse) dabei, dafür aber sechs Vereine der englischen Premier League. Das sorgt für große Empörung auf der Insel. Stimmen werden laut, die "Big Six" - die großen sechs Klubs FC Arsenal, FC Chelsea, FC Liverpool, Manchester City, Manchester United und Tottenham Hotspur - aus der Liga zu verbannen. Das Blatt "The Sun" berichtet, dass bei einem heutigen Premier-League-Treffen die 14 anderen Vereine (die "wütend und bestürzt" sein sollen) darüber entscheiden würden, dass die "großen Sechs" die Liga am Ende der Saison verlassen müssten. "Verbannt sie", sagte auch Stürmer-Legende Alan Shearer im Interview mit der BBC.

Auch von ganz oben hagelt es auf der Insel Kritik an der Superliga und den teilnehmenden Vereinen. Der britische Premierminister Boris Johnson schrieb in einem Gastbeitrag für "The Sun": "Seid versichert, dass ich alles tun werde, um diesem lächerlichen Plan die Rote Karte zu zeigen." Prinz William, Präsident der englischen Fußballverbandes FA, klagte auf Twitter in ähnlicher Manier an: "Jetzt müssen wir mehr denn je die gesamte Fußballgemeinschaft - von der obersten Ebene bis zur Basis - und die Werte von Wettbewerb und Fairness in ihrem Kern schützen."

Welche Konsequenzen ziehen die Fans?

Deutschlands Fußball-Fans haben eine klare Meinung zu dem Thema: Sie lehnen die Super League mit aller Deutlichkeit ab. Die Voting-App FanQ hat im Auftrag des Sportinformationsdienstes Anhänger befragt, und 84,97 Prozent der Teilnehmer sagten, dass die Super-League der "Tod des Fußballs" ist. Ganze 96,24 Prozent glauben, der Abstand zwischen kleinen und großen Vereinen würde durch die Super League immer größer, und mehr als 95 Prozent sind der Ansicht, den nationalen Ligen würde damit ein irreparabler Schaden zugefügt. 73,91 Prozent der befragten Fußball-Fans fände einen Ausschluss der Super-League-Klubs aus der Champions League sowie aus den nationalen Ligen gerechtfertigt. Anschauen würden sich die meisten Anhänger die Spiele der Superliga auch nicht.

Die Fans in England und im Rest Europas dürften das ähnlich sehen. Die zwölf Klubs der Superliga scheint das aber nur wenig zu interessieren. Das könnte daran liegen, dass sie zu den in Asien am meisten unterstützten Vereinen zählen. Das große Interesse auf dem Kontinent und der riesige asiatische Absatzmarkt, der den europäischen klar in den Schatten stellt, bedeuten Unmengen an Geld. Gut möglich, dass die Superliga-Partien dann auch dort ausgetragen werden und nicht in den Stadien an der Anfield Road, im Bernabeu oder im San Siro. Und Asien ist längst nicht der einzige lukrative Markt. 120 Millionen Euro soll der spanische Fußballverband für den diesjährigen und die nächsten beiden Supercups kassiert haben, die alle in Saudi-Arabien ausgerichtet werden.

Was macht der FC Bayern?

Der deutsche Rekordmeister bleibt zunächst bei seiner klaren Ablehnung der Super League. Als einziger wirklicher Spitzen-Klub neben PSG (der BVB sprach sich auch gegen die neue Liga aus). Das hat wohl auch mit der Verbandelung beider Vereine mit Katar zu tun. Das Emirat erhöht von Jahr zu Jahr seinen Einfluss im europäischen Fußball, auf die UEFA und die Champions League. Nasser Al-Khelaifi, Präsident von PSG, sitzt in der Klubvereinigung ECA und ist deshalb auch ein stimmberechtigtes Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees. "Wir sind nicht dabei, weil wir kein Teil davon sein wollen", sagte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge nun der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera". "Wir sind froh, in der Bundesliga zu spielen, ein Brot- und Buttergeschäft, wie die Engländer sagen." Die Bayern seien einfach zufrieden, "die Champions League zu erreichen", erklärte der Vorstandschef, "und wir vergessen nicht die Verantwortung gegenüber unseren Fans, die grundsätzlich gegen eine solche Reform sind".

Weitere Reaktionen

Nur "für Superreiche und Superrücksichtslose" sei die Super League, kritisiert DFB-Präsident Fritz Keller die Pläne scharf. Der 64-Jährige spricht sich sogar für den Ausschluss der "Vereine und ihrer Nachwuchsmannschaften" von allen Wettbewerben aus, "bis sie wieder an ihre vielen Anhänger denken, die sie erst zu den größten Klubs der Welt gemacht haben - und nicht nur an ihre Geldbeutel."

Auch in Italien regt sich großer Widerstand. Italienische Medien berichten, dass die Serie A wohl aber nicht die rechtlichen Mittel habe, um ihre drei Super-League-Klubs, Juventus Turin, AC und Inter Mailand, aus der Liga zu verbannen. In der kommenden Woche wollen die Vereinsbosse über das weitere Vorgehen beraten. Das Ganze würde wohl auf einen langen Gerichtsprozess hinauslaufen. Eigentümer Urbano Cairo vom FC Turin bezeichnete Andrea Agnelli, Präsident von Juventus Turin, und Inter Mailands Geschäftsführer Giuseppe Marotta als "Verräter". Er forderte beide zum Rücktritt auf.

Quelle: ntv.de

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