Fußball

Das Aus bei PSG im Schnellcheck Surreales CL-Drama für den FC Bayern

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Ein Tor, das nicht reicht.

(Foto: imago images/PanoramiC)

Titelverteidigung ist nicht mehr. Der FC Bayern scheitert im Viertelfinale der Champions League unglücklich und verdient zugleich. Im Rückspiel bei Paris St. Germain fehlt den Münchnern einiges. Knapp ist es trotzdem. Ein Angreifer ragt derweil heraus.

Was ist im Prinzenpark in Paris passiert?

Manuel Neuer hatte seine Sicht auf die Dinge. Und diese Sicht auf die Dinge, die wird nicht jeder teilen. Den 1:0 (1:0)-Sieg seines FC Bayern im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League bei Paris St. Germain fand der Torwart des deutschen Fußball-Rekordmeisters schon verdient. Nun, sagen wir mal so: Der FC Bayern spielte eine wirklich gute zweite Halbzeit, ließ ein paar gute, wenige sehr gute Chancen zum 2:0 liegen. Aber da war ja eben auch noch die erste Hälfte und in der waren die Münchner phasenweise schwindelig gespielt worden. Vor allem von Neymar. Binnen sechs Minuten scheiterte der Brasilianer gleich dreimal am Aluminium.

Neuer müsste das wissen, denn einen Ball hatte er an den Pfosten gedrückt. Ach ja, und Neymar war Anfang der zweiten Halbzeit, kurz bevor die Bayern tatsächlich so viel besser geworden waren, noch freistehend am 1:1 vorbeigerutscht. Man kann also auch sagen: Der FC Bayern ist mit Pech ausgeschieden, vor allem in Summe mit dem Hinspiel. Ob der Sieg im Prinzenpark aber echt verdient war? Jeder hat halt so seine Sicht auf die Dinge. Und das ist auch gut so!

Klar ist mal, dieses Ausscheiden des Titelverteidigers wird noch nachhallen. Es ist die bereits zweite Titelklatsche in dieser Saison, nach dem blamablen Zweitrunden-Aus im DFB-Pokal gegen den Zweitligisten Holstein Kiel. Aber gut, darum geht es weniger. Auch wenn es keiner mehr hören kann, kein Hansi Flick, kein Hasan Salihamidzic, kein Boss beim FC Bayern: Es wird in den nächsten Wochen natürlich um die Zukunft des Trainers gehen, dessen Verhältnis zum Sportdirektor weiter angespannt ist.

Trotz aller Bemühungen auch an diesem Dienstag, die Beziehung auf ein professionelles Niveau zu ziehen. In einem langen Monolog referierte er über seine Lage. Ergebnis: Er möchte Trainer bleiben. Wo? Unklar. Bekenntnis? Nein.

Interpretation: Abschied aus München.

Teams und Tore

Paris: Navas - Dagba, Danilo, Kimpembe, Diallo (58. Bakker) - Gueye, Paredes - Di Maria (88. Ander Herrera), Neymar, Draxler (72. Kean) - Mbappe. - Trainer: Pochettino
München: Neuer - Pavard, Boateng, Hernández, Davies (71. Musiala) - Kimmich, Alaba - Sané, Müller, Coman - Choupo-Moting (85. Martinez). - Trainer: Flick
Schiedsrichter: Daniele Orsato (Italien)
Tor: 0:1 Choupo-Moting (40.)
Zuschauer: keine
Gelbe Karten: Dagba, Ander Herrera - Alaba, Müller

Die besten Szenen im Spielfilm

21. Sekunde: Joshua Kimmich beginnt das Spiel nicht mit einem Ballkontakt, sondern mit intensivem Gegnerkontakt. Leandro Paredes geht dabei schreiend zu Boden, das erste Foul des Spiels.

3. Minute: Die Art Angriff, die dem FC Bayern Sorgen machen sollte. Neymar spielt tief, Kylian Mbappé ist schneller als alle Bayern, kann den Ball von der rechten Strafraumseite aus aber nicht aufs Tor bringen. Mit Paris' Tempo waren die Münchner schon im Hinspiel überfordert.

7. Minute: Der FC Bayern druckvoll, jedoch ungenau. Eric-Maxim Choupo-Moting soll Robert Lewandowski ersetzen, eine solch unsaubere Ballannahme passiert Letzterem aber selten. Weil sie die Chance zum Torabschluss eliminiert.

9. Minute: Fast das 0:1, fast das Ende aller Träume. Mbappé überläuft Pavard auf links, in der Mitte kommt Neymar im zweiten Versuch frei vor dem herausstürzenden Manuel Neuer an den Ball. Der tut, was Neuer eben tut, diesmal mit der Brust. Dann steht Mbappé im Abseits.

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Neymar im Anflug.

(Foto: REUTERS)

Anfangsviertelstunde: Gibt es einen Sport, bei dem die Diskrepanz zwischen Schmerzenssschreien (sehr viele) und tatsächlich beeinträchtigenden Schmerzen (sehr wenig) so groß ist wie beim Fußball? Frage für ein Champions-League-Spiel zwischen zwei katarfreundlichen Klubs.

23. Minute: Sprechen Sie Tiki-Taka mal französisch aus. Na, wie klingt das? Zum Verlieben? Nun, zum Verlieben ist das, was die Pariser da nun gegen das Pressing des FC Bayern machen. Am eigenen Strafraum. Doppelpass, Drehung, Sohlenstreichler, Dribbling, Doppelpass, Befreiung (wenn auch nur kurzfristig). Oh que c'est sympa!

26. Minute: Boateng mit der Balleroberung im Pariser Aufbau, Choupo-Moting legt ganz stark ab für Sané, der freien Raum vor sich hat. Aber links knapp am Torpfosten vorbei zielt und wohl besser noch einmal links auf Müller abgelegt hätte.

27. Minute: Kimmich mit freier Schussbahn. Auch links vorbei. Der Schrei danach ist Schmerz, aber kein körperlicher. Die Chance zur Führung, zum ersten von mindestens zwei nötigen Toren war riesig.

28. Minute: Auch auf der Gegenseite steigt der Puls. Neuer muss retten, weil Mbappé nach brillantem Zuspiel von Angel di Maria wieder mit Tempo über links kommt. Dann in die Mitte legt, wo Neymar freie Schussbahn hat. Sagen wir so: Gut, dass Manuel Neuer im Tor steht.

29. Minute: Neymar fällt, weil ihm Lucas Hernández in die Beine fällt. Im Strafraum, also Elfmeter? Daniele Orsato entscheidet auch auf Foul. Allerdings von Neymar, der Hernández' Trikotkragen einem Belastungstest unterzogen hatte, weshalb der Münchner dann zu Boden sank.

32. Minute: Ganz, ganz, ganz viel Glück für den FC Bayern: Mbappé hat nur noch grünen Rasen vor sich, wird aber an der Mittellinie zurückgepfiffen. Abseits soll es gewesen sein. War es aber nicht, in der Mitte stand Pavard.

34. Minute: Den Neuer, den sollten die Bayern behalten. Neymar tanzt am hilflosen Hernández vorbei, Neuer hat die Hand vor der linken unteren Ecke, in die der anschließende Schuss eingeschlagen wäre. Der Pfosten hilft auch ein bisschen mit.

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Durchaus umkämpft.

(Foto: REUTERS)

37. Minute: Dieser Neymar, der kann schon Fußball spielen. Streichelt den Ball gefühlvoll aufs rechte obere Toreck, Neuer guckt ratlos hinterher. Dann klatscht es und von der Latte springt der Ball ins Toraus. Wieder Glück für Rot. PSG ist dem 2:0 (das erste hätten sie längst machen müssen) deutlich näher als der FC Bayern, der das aber fürs Halbfinale braucht.

39. Minute: Wieder Neymar, wieder Aluminium. Mbappé mit Tempo, spielt nach rechts, wo Neymar lauert, weil Boateng nicht mitgeht. Schiebt vorbei an Neuer. Wieder klatscht es, wieder springt der Ball weg vom Tor. Der Titelverteidiger taumelt.

40. Minute, TOOOOR FÜR DEN FC BAYERN: Na klar. Kreisliga-Trainer weltweit sehen sich bestätigt: Wenn du die Dinger vorne nicht machst, kriegste sie hinten. Alaba scheitert noch an Navas, den Abpraller aber erreicht Choupo-Moting mit dem Kopf. Weder platziert, noch mit Wucht, noch verdient. Aber über der Linie. Eins braucht der FC Bayern noch.

44. Minute: Wieder Alaba, diesmal aus 20 Metern. Navas fliegt und hält. Wenn hier schon fünf Tore gefallen wären, wäre das völlig in Ordnung.

Halbzeit: Wieso der FC Bayern führt, ist unklar. Aber der FC Bayern führt. Und ist nur noch ein Tor vom Halbfinale entfernt.

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Gut gezielt, nicht getroffen.

(Foto: dpa)

48. Minute: Alaba scheitert als Letzter vor der Pause. Alaba scheitert als Erster nach der Pause. Und dieses Mal ist kein Torwart im Weg, dieses Mal ist die Feinjustierung minimal aus der Balance, der Schuss aus 16 Metern rauscht ganz, ganz knapp vorbei.

54. Minute: Tut uns leid, aber JETZT ist eine Trapattoni-Weisheit fällig: WAS ERLAUBE NEYMAR? Nach dreimal Aluminium in Halbzeit eins grätscht er jetzt freistehend drei Meter vor dem leeren Tor am Ball vorbei. Der phänomenale di Maria hatte den Ball zunächst brillant angenommen und an Alphonso Davies und Neuer vorbeigearbeitet, ehe Neymar angerauscht kommt und … puh. Boateng klärt den Ball hernach übrigens mit einem eleganten Dreher (oder was war das?) zur Ecke.

62. Minute: Oha, ein Müller-Moment von Thomas Müller. Sané passt in einen Raum, den nur sein Mitspieler finden kann. Presnel Kimpembe rutscht aus, Navas macht aber die Beine ganz schnell zu. Nur, damit wir das mal erwähnt haben.

65. Minute: Paris liegt hinten. Aber das ist Paris egal. Di Maria dreht den Ball über die Hacke zu Neymar, der sich den Ball einmal hinters Bein legt und zurückspielt. Eine Szene, eigentlich völlig egal. Aber elegant. So viel Zeit muss auch mal ein. Hier und auf dem Feld.

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Defensivarbeit!

(Foto: REUTERS)

69. Minute: Mbappé sprintet über das ganze Feld. Und klärt zur Ecke. Verstehen Sie? Der Mann, der doch angeblich nie nach hinten arbeitet, klärt (!) zur (!) Ecke (!).

78. Minute: Mbappé auf dem Weg zum 1:1, Mbappé macht das 1:1 - Jubel, ein Pfiff. Abseits. Wirklich. Puh. No one knows…

82. Minute: Sané schießt. Er schießt gut. Er schießt überlegt, aber auch ganz knapp vorbei.

85. Minute: Flick bringt Javi Martínez. Für Choupo-Moting. Der Experte weiß: Bayern setzt jetzt auf Kopfbälle. Und auf die Kraft des alten Wadlbeißers.

90. Minute: Egal wo Mbappé auch ist, er ersprintet jetzt jeden Ball. Und hat das perfekte Auge für Neymar, nicht aber den perfekten Pass parat. Neuer sprintet auf den Brasilianer zu und gewinnt das Duell. Super Spiel vom Towart-Titanen, der in der ersten Begegnung beim 0:1 noch bitter gepatzt hatte.

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Siegerpose.

(Foto: imago images/PanoramiC)

91. Minute: Das 80-Millionen-Euro-Füßchen von Lucas Hernández! Der Weltmeister spitzelt Neymar den Ball hauchzart in allerhöchster Not weg. Wow. So verteidigt man das.

Was war gut?

Klingt vielleicht etwas komisch, aber ist die Wahrheit: Neymar war gut, auch wenn er drei Mal nur Aluminium traf, auch wenn er in vielen Zweikämpfen wieder mal etwas leichter zu Boden sank, als in den vergangenen Wochen. Auch wenn er bei einigen Konter unsauber agierte. Aber dieser Neymar war an diesem Abend überall. In der Abwehr, im Mittelfeld, im Angriff. Er arbeitete, er dribbelte, er passte, er rannte. Er stellte die Münchner mit seiner Ballsicherheit, seiner ständigen Gefahr, Präsenz und Übersicht immer wieder vor Probleme. Und eben mit seiner taktischen Disziplin im Spiel gegen den Ball.

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Kaum zu halten.

(Foto: dpa)

Das hatten die Pariser insgesamt auch besser gemacht. Sie standen tiefer und enger, gestatteten dem FC Bayern in der ersten Halbzeit kaum Chancen. Die im Hinspiel noch überforderten Außenverteidiger bekamen dieses Mal viel Unterstützung, um die gefährlichen Kingsley Coman und Leroy Sané vor ihren Dribblings zu bremsen. Das gelang meistens gut, je länger das Spiel dauerte allerdings auch immer schlechter.

Was indes auch daran lag, dass die Bayern mit dem Druck des drohenden Scheiterns immer wütender und leidenschaftlicher anrannten. Das war erneut eine bemerkenswerte Leistung der Mentalität, allerdings folgten Körper und Ball nur selten dem Kopf (siehe nächster Absatz).

Was war nicht gut?

Das Offensivspiel des FC Bayern. Während PSG immer wieder das Tempo von Kylian Mbappé sichtbar machte und nutzte, blieb die Geschwindigkeit von Kingsley Coman und Leroy Sané gut versteckt. Die Außen der Münchner blieben in den finalen vorbereitenden Pässen zu oft zu ungenau. Die Suche nach dem eigenen Abschluss dauerte zu lange und wurde deshalb zumeist gut genug verteidigt, um keine Gefahr aufkommen zu lassen.

Auch Thomas Müller verlebte einen ungewohnt unauffälligen Abend. In der Anfangsviertelstunde war er noch gut zu sehen und zu hören. Dann aber ging der Plan auf, den Paris-Coach Mauricio Pochettino sich offenbar überlegt hatte. Leandro Paredes nervte Müller, für gewöhnlich Initiator zahlreicher aussichtsreicher Momente. Diesmal aber war er kaum ein Faktor, ebenso wie Joshua Kimmich. Dem fehlte einerseits sein Mittelfeldpartner Leon Goretzka und andererseits die Allgegenwärtigkeit, die den 26-Jährigen sonst regelmäßig auszeichnet.

Deutlich mehr Möglichkeiten ließ die Bayern-Defensive zu, die immer dann gewaltig wackelt, wenn es schnell gehen muss. Jérôme Boateng und Lucas Hernández ergänzten sich darin, dass meist der eine dann gut aussah, wenn der andere Probleme hatte. Beim dritten Alu-Treffer von Neymar etwa ließ Boateng den Brasilianer in seinem Rücken davonlaufen, nachdem er vor allem zu Beginn der Partie die sichere Hälfte des Duos gemimt hatte. Hernández dagegen steigerte sich, je näher der Schlusspfiff kam. Anfangs überfordert, später dann Sieggarant. Insgesamt, auch in Verbindung mit dem Hinspiel, aber schlicht nicht halbfinalreif.

Was sagen die Beteiligten?

Hansi Flick (Trainer des FC Bayern): "Im Hinspiel in München hatten wir bei den vielen Chancen einfach zu wenig Tore gemacht. Wir waren in beiden Spielen die bessere Mannschaft. Wir hatten Pech, dass wichtige Spieler nicht dabei waren. Ich muss trotzdem meiner Mannschaft ein Kompliment machen, auch wenn man sich davon nichts kaufen kann. Sie hat alles probiert, war aber nicht ganz so entschlossen. Wir müssen das jetzt akzeptieren."

Thomas Müller (Offensivspieler des FC Bayern): "Wir haben ein Tor zu wenig erzielt, um am Ende weiterzukommen. Der Spielverlauf war anders als in München. Wir haben wenig Druck aufbauen können. Dann machen wir das 1:0 kurz vor der Pause und haben die Situation, die wir wollen. Das Spiel war aber sehr zerfahren. Der Schiedsrichter hat sich auf das leichte Hinfallen und das Geschreie eingelassen. Wir kamen nie in wirkliche Drucksituationen. Paris hat eine tolle Offensive, insgesamt ist das aber für uns sehr enttäuschend."

Neymar (Superstar von Paris St. Germain): "Es war eine tolle Partie für alle Fußballfans. Wir sind sehr, sehr froh über das Weiterkommen.Wir haben uns gegen ein starkes Team durchgesetzt. Jetzt hoffen wir, dass wir die Champions League gewinnen und den Pokal holen."

Der Tweet zum Spiel

Quelle: ntv.de

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