Sport
"Nach zwei Jahren in der Relegation ist eine stabile Saison wichtig": Bruno Labbadia.
"Nach zwei Jahren in der Relegation ist eine stabile Saison wichtig": Bruno Labbadia.(Foto: imago/Hübner)
Donnerstag, 09. August 2018

Bundesliga-Check: VfL Wolfsburg: Talentloser Stürmer und ein Fast-Weltmeister

Von Stefan Giannakoulis

Relegationshattrick? Abstieg? Oder gelingt der Sprung ins Mittelfeld? Der VfL Wolfsburg stellt sich neu auf und will nicht immer nur um Platz 15 in der Fußball-Bundesliga kämpfen. Helfen sollen neue Angreifer und ein Linksverteidiger aus Frankreich.

Zuerst die gute Nachricht für alle, die es mit dem VfL Wolfsburg halten: Ihr Lieblingsklub spielt weiter in der Fußball-Bundesliga. Zum zweiten Mal nach der Saison 2016/2017 hatte die Mannschaft auch nach der Spielzeit 2017/2018 am Ende den drittletzten Tabellenplatz belegt, und zum zweiten Mal rettete sie sich in der Relegation gegen den Dritten der zweiten Liga, dieses Mal gegen Holstein Kiel. Und nun? Übertreffen die Wolfsburger den Hamburger SV und landen in dieser Saison den Relegationshattrick? Oder steigen sie wie jüngst der HSV womöglich ab? Es gibt aber noch eine dritte Möglichkeit, die den Verantwortlichen am Mittellandkanal gefallen dürfte: Der VfL schafft den Sprung ins Mittelfeld der Liga.

Was gibt's Neues?

"Ich war nie das größte Talent": Wout Weghorst.
"Ich war nie das größte Talent": Wout Weghorst.(Foto: imago/Christian Schroedter)

Der Manager der Fußballmannschaft des VW-Konzerns heißt jetzt Jörg Schmadtke, bekannt aus Funk, Fernsehen und seiner Zeit beim 1. FC Köln, bei dem er bis Ende Oktober vergangenen Jahres arbeitete. Neuer Sportdirektor ist Marcel Schäfer, der nicht nur 256 Mal für Wolfsburg spielte, sondern auch acht Mal für die deutsche Nationalelf. Mit Trainer Bruno Labbadia wollen sie dafür sorgen, dass es aufwärts geht - das ist der Plan. Angesetzt hat das Trio bei der Offensive. In der vergangenen Saison schossen die Wolfsburger nur 120 Mal auf des Gegners Tor, 36 Mal erfolgreich. Nur der Tabellenletzte aus Köln, besagter HSV und der SC Freiburg trafen noch seltener. Nun sind mit Daniel Ginczek vom VfB Stuttgart, Felix Klaus von Hannover 96 und Wout Weghorst von AZ Alkmaar drei neue Angreifer an Bord.

Auf wen kommt es an?

Vielleicht auf die drei neuen Angreifer. Ginczek hat in der vergangenen Saison für den VfB in 23 Partien sieben Tore erzielt und in Wolfsburg einen Vertrag über vier Jahre unterschrieben. Und er kennt sich mit Abstiegen aus - 2014 mit dem 1. FC Nürnberg und 2016 mit Stuttgart. Jetzt soll aber alles besser werden: "Ich kenne bereits viele Facetten. Und mit 27 Jahren will ich meine Erfahrung einbringen. Gerade, weil wir auch viele junge Spieler im Kader haben. Ich versuche da direkt zu helfen, auf dem Platz, aber auch daneben." Kollege Klaus ist zwei Jahre jünger, kann's auch im offensiven Mittelfeld und traf zuletzt für Hannover in 28 Spielen vier Mal. Allerdings plagt sich der Außenstürmer sich mit einer Bauchmuskelverletzung, mehr als leichtes Lauftraining ist zurzeit nicht drin. Und Weghorst? Ist wie Klaus 25 Jahre alt, fast zwei Meter lang und kommt mit der Empfehlung von 18 Treffern in der vergangenen Saison aus der Eredivisie in die Bundesliga. "Ich war nie das größte Talent, aber ich hatte immer einen großen Willen. Als ich 18 war und den Seniorenbereich gekommen bin, habe ich in der 9. oder 10. Liga gespielt. Ich war ein Amateurfußballer. Aber ich habe nie aufgegeben", sagte er dem "Kicker". Mittlerweile lief er dreimal für die niederländische Nationalelf aus.

Was fehlt?

Junger Mann mit Ambitionen: Jérôme Roussillon.
Junger Mann mit Ambitionen: Jérôme Roussillon.(Foto: imago/regios24)

Die Expertise des Angreifers Divock Origi. Das ist der Mann, der nach dem letzten Spieltag und vor der Relegation freimütig bekannte, noch nie etwas von einem Klub namens Holstein Kiel gehört zu haben. Er ist aber auch der Mann, der dann prompt in der ersten Partie das erste Tor erzielte und in der Liga immerhin sechs Treffer erzielt hatte. Aber da er vom FC Liverpool nur ausgeliehen war, musste er im Sommer wieder zurück - obwohl Trainer Jürgen Klopp ihn gar nicht haben will. Nun denn. Was den Wolfsburgern im Grunde nicht fehlt, sind gute Fußballer wie Yunus Malli, Joshua Guilavogui, Maximilian Arnold, Jeffrey Bruma und John Anthony Brooks. Sie müssten halt nur mal was draus machen. Hinzu kommt neuerdings Jérôme Roussillon vom Erstligisten Montpellier HSC, 25 Jahre alter Linksverteidiger mit großen Ambitionen. Der Franzose kommt zwar aus dem Land des Weltmeisters, hat aber noch nie für die Équipe gespielt. "Es ist immer ein persönliches Ziel, für die Nationalmannschaft zu spielen", sagte er dem "Kicker". Aber: "Das geht sicher nicht so schnell. Das hängt auch von meiner Leistung in Wolfsburg ab."

Wie lautet das Saisonziel?

Immerhin sind sie nicht so unvorsichtig, einen konkreten Tabellenplatz zu nennen. Trainer Labbadia lässt sich im "Kicker" zitieren: "Nach zwei Jahren in der Relegation ist eine stabile Saison wichtig." Manager Schmadtke formulierte das im Interview mit dem "Kicker" schon etwas offensiver: "Wenn der weltgrößte Autobauer dein Mutterkonzern ist, kannst du nicht jedes Jahr in der Relegation landen oder Platz 14 verteidigen. Da musst du dich irgendwann auch in die obere Tabellenhälfte bewegen." Und: "Wir sind kein Mauerblümchen und sollten nicht so tun, als ob wir erst alles neu erfinden müssten", sagte Schmadtke. "Zwei, drei Jahre lief es nicht so gut, aber der VfL spielt seit über 20 Jahren in der ersten Liga. Da ist definitiv auch vieles gut gemacht worden."

Die Prognose von n-tv.de

Relegationshattrick? Abstieg? Mittelfeld? Wir sagen vor dem Auftakt am Samstag, 25. August gegen den FC Schalke 04: Der Trend beim VfL geht nach oben. Wer nun argwöhnt, diese Einschätzung sei davon beeinflusst, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in und um den Presseraum der Wolfsburger herum zu den herzlichsten der Liga zählen, der mag damit durchaus richtig liegen.

Datenschutz

Quelle: n-tv.de