Fußball

Korruption im Weltfußball Teixeira kassiert bei WM ab

Joseph Blatter glaubt, der Fußball sei sauber. Der Fifa-Boss mag es nicht, wenn seinem Verband Korruption vorgeworfen wird. Nun gerät der Brasilianer Ricardo Teixeira, sein designierter Kronprinz, ins Visier. Er hat sich für die WM 2014 einen Vertrag ausgedacht, bei dem er kräftig abkassiert.

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Dubiose Machenschaften: Ricardo Teixeira.

(Foto: REUTERS)

Joseph Blatter ist sich seiner Sache sicher. Da sagt der Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa doch: "Wenn man die sechs Fälle von suspendierten Personen sieht und dagegen 300 Millionen Fußballer weltweit, heißt das nicht, dass der gesamte Fußball korrupt ist." Das war in der vergangenen Woche, nachdem der Verband sechs Funktionäre bestrafen musste, weil sie sich als käuflich erwiesen hatten.

Nun aber sei alles geregelt, und wenn die Fifa am 2. Dezember darüber abstimmt, wo die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 stattfinden, werde alles mit rechten Dingen zugehen. Er sei zwar kein Prophet, aber bis zum Abstimmungstag in Zürich werde es "keine weiteren Fälle geben", versicherte Blatter, der es nicht mag, wenn seinem Verband Korruption vorgeworfen wird. "Das ist nicht fair. Es ist nicht fair, Fallen zu stellen. Aber es gab uns die Möglichkeit, etwas zu bereinigen und unserem großen Ziel näher zu kommen: Ein sauberer Fußball für 300 Millionen."

Sympathie für bestechliche Kollegen

Da wird es Joseph Blatter sicher auch nicht gefallen, dass einige seiner Spitzenfunktionäre mit anrüchigen Geschäften und öffentlichen Sympathiebekundungen für bestechliche Kollegen weiter Korruptionsspekulationen anheizen. Vielleicht wusste er aber auch schon, dass sich in Brasilien Verbandsboss Ricardo Teixeira durch ein sonderbares Vertragskonstrukt die Hälfte eines möglichen Gewinns bei der WM 2014 im eigenen Land gesichert hat. Und dass in Südkorea derweil sein Vizepräsident Chung Mong-Joon nach der Suspendierung von zwei Exekutivkomitee-Mitgliedern wegen ihrer nachgewiesenen Bereitschaft zum Verkauf ihrer Stimmen bei der WM-Vergabe deutliche Kritik an der Sperre übte.

Aber der Reihe nach: Am Zuckerhut sorgen Teixeiras bizarren Geschäfte im und mit dem Organisationskomitees für 2014 (COL) derzeit für Aufruhr. Laut des im Sportmagazin "Lance" veröffentlichten COL-Vertrags fungieren der nationale Verband CBF als 99,99-prozentiger Gesellschafter und CBF-Chef Teixeira als Halter des verbleibenden Minderheitenanteils von 0,01 Prozent. Die Kritik entzündet sich an der Sonderstellung für Teixeira bei der Verteilung etwaiger Gewinne: Ein Plus nach WM-Ende (2006 in Deutschland betrug der Gewinn laut Weltverband Fifa 256 Millionen Euro) würde ungeachtet der Besitzverhältnisse jeweils zur Hälfte an beide Gesellschafter gehen, mögliche Verluste jedoch sollen den dokumentierten Anteilen entsprechend und damit praktisch komplett vom CBF getragen werden.

Eine schrecklich nette Familie

Die Staatsanwaltschaft arbeitet nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" wegen der anrüchigen COL-Struktur und der finanziellen Auswirkungen ebenso schon an einem Untersuchungsverfahren wie der parlamentarische Handelsausschuss. Teixeira, Schwiegersohn des früheren Fifa-Bosses Joao Havelange und in den vergangenen Jahren mehrfach wegen dubioser Geschäfte im Verdacht der Korruption, äußert sich zur Kritik an dem COL-Vertrag bislang nicht.

Geschäften wie Teixeiras Machenschaften zum Trotz erscheinen die Konsequenzen aus dem Fifa-Korruptionsskandal in der Führung des Weltverbandes unerwartet umstritten. Für Fifa-Vize Chung ist die Suspendierung seiner beiden Kollegen nach der Stimmenkauf-Affäre jedenfalls zu drastisch. "Persönlich denke ich, dass die Strafen überzogen sind", sagte Chung.

"Frage mich, ob ihr Verhalten so verfehlt war"

Die Fifa-Ethikkommission hatte in der vergangenen Woche Chungs Kollegen Reynald Temarii aus Tahiti für ein Jahr und den Nigerianer Amos Adamu für drei Jahre für alle Tätigkeiten im Fußball gesperrt. Beide hatten britischen Medienerkenntnissen zufolge erkennen lassen, dass ihre Stimmen bei der bevorstehenden Vergabe der WM-Endrunden 2018 und 2022 am 2. Dezember in Zürich zu kaufen wären.

Außerdem suspendierte die Fifa vier weitere Funktionäre wegen Korruptionsvorwürfen. "Temarii und Amadu haben sich unvorsichtig geäußert. Aber ich frage mich, ob ihr Verhalten so verfehlt war, dass es eine solche Bestrafung nach sich ziehen muss", begründete Chung seine Kritik am Beschluss der Ethik-Kommission. Wie sagte Joseph Blatter doch: "Wenn man die sechs Fälle von suspendierten Personen sieht und dagegen 300 Millionen Fußballer weltweit, heißt das nicht, dass der gesamte Fußball korrupt ist."

Quelle: n-tv.de, sid/sgi/cwo

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