Fußball

Guardiolas berauschender Ballmagnet Thiago ist das neue "Gehirn der Bayern"

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Nur fliegen ist schöner: Supermann Thiago bei der Arbeit gegen Frankfurt.

(Foto: AP)

Das 5:0 des FC Bayern über Frankfurt ist eine Fußball-Gala, aus der ein Spieler herausragt: Thiago Alcantara. Mit 185 Ballkontakten stellt der Spanier einen Rekord auf und brilliert mit tollen Pässen. Nur: Was wird jetzt aus Bastian Schweinsteiger?

"Thiago - oder nix!" Spätestens seit dem Bundesliga-Spiel gegen Eintracht Frankfurt sollte auch der Letzte verstanden haben, warum Bayern-Trainer Pep Guardiola seinen Landsmann unbedingt verpflichten wollte. Was der 22-jährige Spanier beim 5:0-Sieg gegen die Eintracht auf dem Rasen veranstaltete, war schlichtweg phänomenal. Da stellt sich der geneigte Fan die nicht ganz unberechtigte Frage, ob diese Mannschaft einen Bastian Schweinsteiger überhaupt noch braucht.

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Thiago hat oft den Ball - und weiß immer etwas Sinnvolles damit anzufangen.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Seitdem Thiago, mit bürgerlichem Namen Thiago Alcantara do Nascimento, im Vollbesitz seiner Kräfte ist, drückt er dem Bayern-Spiel seinen Stempel auf. Das komplette Aufbauspiel läuft über ihn - er führt die Regie. Wenn einer nicht weiß, wohin mit dem Ball, gibt er ihn Thiago. Denn der hat immer eine Idee. Neben einer überragenden Übersicht verfügt der Mittelfeldspieler auch über eine exzellente Technik, sein Last-Minute-Seitfallzieher gegen Stuttgart war ein spektakulärer Beleg. Seine Passquote ist herausragend, im Schnitt kamen 89 Prozent seiner bislang 798 gespielten Pässe in der Bundesliga an. Gegen Frankfurt waren es sogar 93 Prozent.

"Er hat keine Angst, den Ball zu bekommen, egal, was passiert", lobt Guardiola den Mann, den er vom FC Barcelona für schlappe 25 Millionen Euro nach München gelotst hatte. Gegen die bemitleidenswerte Mannschaft von Armin Veh stellte Thiago einen Bundesliga-Rekord auf. Er hatte 185 Ballkontakte. "Er ist ein fantastischer Spieler. Er war heute unglaublich präsent im Mittelfeld, das war schon Weltklasse", sagte Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer über das neue "Gehirn der Bayern".

Wohin mit Schweinsteiger?

Dass Thiago ausgerechnet Teamkollege Schweinsteiger den bisherigen Rekord (155 Ballkontakte) abgeluchst hat, ist symptomatisch für Schweinsteigers derzeitige Situation. Der an der Patellasehne verletzte Mittelfeldspieler steht kurz vor der Rückkehr ins Mannschaftstraining. Aber steht er auch vor einer Rückkehr in die erste Elf? Zurzeit ist das schwer vorstellbar. Guardiola hat mit Thiago und Philipp Lahm seine Traum-Doppel-Sechs längst gefunden. Dass Musterschüler Lahm irgendwann noch einmal auf die rechte Verteidigerposition zurückkehrt, ist so wahrscheinlich wie die Fußball-Meisterschaft des Hamburger SV. Der Kapitän ist hinten rechts schlichtweg verschenkt.

Schweinsteiger wäre nicht der erste Bayern-Profi, der nach der überragenden Triple-Saison im vergangenen Jahr auf den Boden der Tatsachen, also der Ersatzbank, landen würde. Javi Martinez und Toni Kroos können davon ein Liedchen singen. Jupp Heynckes’ Liebling Kroos saß gegen Frankfurt die kompletten 90 Minuten auf der Reservebank und blieb damit erstmals in der Saison 2013/14 ohne Einsatz.

Diese Tatsache mit der Handschuh-Wegwerfaktion von Stuttgart in Verbindung zu bringen, würde zu weit führen. Es zeigt aber: Guardiola schreckt nicht davor zurück, große Namen schmoren zu lassen. Da werden die allwöchentlichen "Für Titel brauchen wir Basti"-Rufe aus der Bayern-Vorstandsetage auch nicht viel dran ändern. Und dass Thiago nach seinem Bundesliga-Rekord nun nachlässt, kann ebenso ausgeschlossen werden. Denn: Die internationale Ballkontakte-Bestmarke hält Thiagos ehemaliger Barca-Teamkollege Sergio Busquets mit 190. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch dieser Rekord Guardiolas Bayern gehört. Und wer dürfte dafür verantwortlich sein? Ist doch klar: Thiago oder nix!

Quelle: n-tv.de, sport.de

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