Ex-DFB-Star über schwierige ZeitTimo Werner: "So etwas habe ich noch nie erlebt"

Neuanfang für Timo Werner. Hinter dem Angreifer liegen schwierige Jahre. Sein Absturz aus der internationalen Spitze ist nahezu beispiellos. In der MLS will er zeigen, dass er es immer noch drauf hat. Vorher aber schaut er auf sein letztes Halbjahr zurück.
Timo Werner muss trotz seines Wechsels in die USA zu den San Jose Earthquakes noch einige Wochen in Deutschland verbringen. Kein Problem für den ehemaligen DFB-Stürmer, der es kaum abwarten kann, seine Karriere neu zu beleben. Hinter ihm liegt das für den Angreifer womöglich schwierigste Halbjahr seiner bisherigen Laufbahn.
Als Werner im vergangenen Sommer zwar als Sieger der Europa League, aber sonst aufgrund fehlender Spielzeit (nur 961 Minuten in 27 Spielen) schwer angeschlagen zurück nach Leipzig kam, standen die Zeichen längst auf Abschied.
Der 29-Jährige verhandelte mit den New York Red Bulls, dem Partnerklub von RB Leipzig, aber ein Transfer kam nicht zustande. Werner blieb in Sachsen. Die Fans feierten ihn, nur Spielzeit bekam er nicht. Dreimal wurde er eingewechselt, insgesamt stand er 13 Minuten auf dem Feld.
Von 80 Millionen Euro auf drei Millionen Euro runter
"Die Situation in Leipzig war von Anfang an klar. Beide Seiten wussten, woran sie sind. Natürlich dachte ich, das würde sich ändern, wenn ich im Training alles gebe", sagte Werner jetzt bei seiner virtuellen Vorstellung beim MLS-Franchise San Jose Earthquakes. "Aber das Team hat geliefert, es gab keinen Grund, Timo Werner eine Chance zu geben. Ich habe das akzeptiert."
Bei allem Verständnis aber nagte die Situation an dem 57-fachen Nationalspieler. "Ich habe so etwas in meiner Karriere noch nie erlebt", sagte Werner. Es war eine Situation, die dem von einem Marktwert von 80 Millionen Euro auf transfermarkt.de im März 2020 auf einen Marktwert von nur drei Millionen Euro abgestürzten Angreifer nur einen Ausweg bot, einen fernab Deutschlands.
"Sportlich wollte ich unbedingt den Neuanfang", sagte er. "Jedes Mal, wenn ich den Verein gewechselt habe, war es ein Neuanfang. Man muss sich immer neu beweisen. Egal, ob man vorher 50 Tore oder null geschossen hat. In einem neuen Team fängt man bei null an."
Letzter Bundesliga-Treffer im Herbst 2023
Viel zu oft war Werner nach seinem Wechsel zum FC Chelsea mitten in der Pandemie im Jahr 2020 zwischen den Welten gependelt. Seine Torquote litt darunter. In der Saison 2020/2021 kam er auf zwölf Tore und 15 Assists in London. Er gewann die Champions League und kam letztmals auf über 2000 Einsatzminuten in einer Spielzeit. In der nächsten Saison waren es elf Tore und sechs Assists. Dann ging es zurück in die Bundesliga. Es war ein gutes Jahr. Bei 40 Einsätzen erzielte er 16 Treffer, bereitete sechs weitere vor. Er gewann den DFB-Pokal.
Danach ging es bergab. Im Herbst 2023 erzielte er seinen letzten Bundesliga-Treffer bei einem 6:0 gegen den 1. FC Köln, im Januar 2024 ging es zu den Tottenham Hotspur. Dort kam er nie an. Nur drei Tore und sieben Assists in 18 Monaten waren fatal und beendeten vorerst seine Karriere auf der höchsten Stufe. Es ist eine Karriere, auf die Werner trotzdem mit großem Stolz zurückblicken kann. Seine 113 Treffer in 216 Pflichtspielen für RB Leipzig sind Vereinsrekord. Er hat in England und Deutschland Pokale gewonnen.
Im Dezember 2025 machte sich Earthquakes-Trainer Bruce Arena auf den Weg nach Leipzig. Seine Mission: Rettet Timo! Es gelang ihm. "Er hat die ganze Saison trainiert. Er fängt bei uns nicht bei null an", sagte Arena jetzt. Und Werner ergänzte: "Ich glaube, im Laufe meiner Karriere habe ich mit fast 30 Jahren ein Gespür dafür entwickelt, wem ich vertrauen kann und wem nicht. Bruce war sofort jemand, dem ich vertrauen konnte."
Bis er dieses Vertrauen zurückzahlen kann, wird es noch ein wenig dauern. "Wir müssen das Visum abwarten. Das dauert meistens ein paar Wochen", sagte der 74-jährige Arena. "Er will aus dem Flugzeug steigen und sofort spielen." Die MLS-Saison für die Earthquakes beginnt am 21. Februar mit einem Spiel gegen Sporting Kansas City.