Fußball

"Wird regelrecht geschlachtet" Tönnies darf sich über Unterstützung freuen

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Clemens Tönnies darf sich über Unterstützung aus der Bundesliga freuen.

(Foto: imago images / DeFodi)

Es dauert lange, bis sich hochrangige Vertreter aus der Fußball-Bundesliga zu den rassistischen Äußerungen von Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies äußern. Nun kommen mehrere Reaktionen auf einmal. Nicht alle davon sind besonders glücklich formuliert, einige gleiten ins Absurde ab.

Verantwortliche aus der Fußball-Bundesliga haben sich bisher auffällig mit Kommentaren zum "Fall Clemens Tönnies" zurückgehalten. Vor allem Fans und ehemalige Spieler hatten die rassistischen Äußerungen des Schalker Aufsichtsratschefs kritisiert. Nun äußerte sich erstmals geballt die Funktionärsprominenz. Tenor: Man muss es auch mal gut sein lassen.

"Clemens hat eine Aussage getätigt, die nicht geht. Er hat sich in der Wortwahl vergriffen. Was jetzt mit ihm gemacht wird, halte ich nicht für in Ordnung. Er wird ja regelrecht geschlachtet", sagte Fortuna Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel bei einer Veranstaltung der "Rheinischen Post". Tönnies habe einen "schweren Fehler" gemacht. Diesen Fehler habe er "eingestanden und sich entschuldigt. Es bringen Leute mit einem Samurai-Schwert Menschen um. Da wird zwei Tage drüber berichtet, dann ist es vergessen. Wir müssen alle ein bisschen runterkommen". Funkel setzt damit Tönnies' Aussetzer und die kritischen Reaktionen darauf in Relation zu einem Verbrechen, bei dem im Juli ein Mann einen ehemaligen Mitbewohner mit einem "schwertähnlichen Gegenstand" getötet hatte.

Tönnies werde "nun in eine Ecke gedrängt, in die er sich selbst gebracht hat, in die er aber nicht gehört", sagte Funkel. Wie jemand in eine Ecke gedrängt werden kann, der bereits dort steht, sagte er nicht. Dennoch erhielt Funkel bei seinem Versuch, Tönnies als Opfer darzustellen, Zustimmung von Max Eberl, Armin Veh und Simon Rolfes. "Er hat etwas gesagt, was man nicht sagen soll. So etwas sagt man nicht und das weiß er. Wenn ein Satz sein ganzes Leben kaputtmacht und er nicht mehr auftreten kann, ist das maßlos übertrieben", sagte Kölns Manager Veh.

Mönchengladbachs Sportdirektor Eberl betonte, "dass es nicht so sei, dass wir das gutheißen. Wir können jede Empörung verstehen, denn wir waren auch empört, als wir das gehört haben. Aber man muss einem Menschen die Möglichkeit geben, wieder aufzustehen." Leverkusens Sportdirektor Rolfes sagte: "Wenn man Fehler macht, muss es auch weitergehen können. Die Einteilung in Schwarz und Weiß in der Öffentlichkeit ist zu extrem. Die Diskussion über inhaltliche Themen bleibt oft auf der Strecke."

Tönnies diskriminiert, ist aber kein Rassist?

Tönnies hatte in Paderborn eine Rede zum Thema "Unternehmertum mit Verantwortung" gehalten. Er empfahl die Finanzierung von Kraftwerken in Afrika und sagte: "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren." Tönnies entschuldigte sich danach und kündigte an, seinen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender drei Monate ruhen zu lassen. Der sogenannte Schalker Ehrenrat, der über eine Strafe zu befinden hatte, stimmte dem Vorschlag zu. Er befand, Tönnies habe "gegen das in der Vereinssatzung und im Leitbild verankerte Diskriminierungsverbot verstoßen", sprach den Fleischfabrikanten aber vom Rassismusvorwurf frei.

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Schalker Fans äußerten ihre Meinung zum "Fall" bereits deutlich.

(Foto: imago images / RHR-Foto)

Fans des FC Schalke 04 hielten am Samstag vor dem 5:0 im Pokalspiel beim SV Drochtersen/Assel ein Banner mit der Aufschrift "Wir zeigen Tönnies die Rote Karte" hoch. Der Gelsenkirchener Sportvorstand Jochen Schneider hatten diesen sachlichen Protest zum Anlass genommen, für eine Diskussion auf einer "sachlichen Ebene" zu werben und davor gewarnt, eine "Hetzjagd zu veranstalten". Wie Funkel war es offensichtlich sein Ansinnen, Tönnies als Opfer darzustellen. Schauspieler Peter Lohmeyer ist derweil als Mitglied des Vereins ausgetreten. "Schalke 04 war immer ein Vorreiter im Kampf gegen Diskriminierung und Rassismus, und darauf war ich immer sehr stolz. Jetzt wird das durch den Metzger infrage gestellt, und das macht mich sauer - und traurig", sagte er dem Magazin "11Freunde".

Der Integrationsbeauftragte des DFB, Ex-Nationalspieler Cacau, hatte mitgeteilt: "Mich haben die verächtlichen Worte schockiert, und je länger ich darüber nachdenke, desto unvorstellbarer wird es, dass ein Mann seiner Position und Erfahrung so generalisierend und abfällig über die Bevölkerung eines ganzen Kontinents spricht." Der ehemalige Schalker Profi Gerald Asamoah, der noch immer für den Verein arbeitet, hatte bestürzt reagiert. Er sei "etwas sprachlos. Ich arbeite schon lange mit Clemens Tönnies zusammen, und wir sind auch schon lange eng befreundet. Mir gegenüber hat er sich nie rassistisch verhalten. Seine Äußerung hat mich sehr überrascht, geschockt und auch verletzt".

Quelle: n-tv.de, ter/sgi/dpa/sid

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