Fußball

Weltstar Hiddink gegen Didi Ratlos Türken bangen um die EM

Der souveräne Tabellenführer Deutschland kann das Verfolger-Duell in der Qualifikation für die Fußball-EM zwischen der Türkei und Österreich gelassen verfolgen. Trainer Guus Hiddink und sein österreichischer Kollege Dietmar Constantini hingegen stehen in der richtungsweisenden Partie unter Druck.

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Unter Druck: Guus Hiddink und sein österreichischer Kollege Dietmar Constantini.

(Foto: dpa)

Trainer-Weltstar Guus Hiddink hat sich vor dem Verfolger-Duell zwischen der Türkei und Österreich in der deutschen EM-Ausscheidungs-Gruppe A selbst ein Ultimatum gestellt. Nach nur sechs Punkten aus vier Spielen will der 64 Jahre alte Fußball-Lehrer heute in Istanbul gegen das Austria-Team und am 3. Juni in Belgien siegen - oder fliegen. "Wenn wir das nicht schaffen, werde ich meinen Rücktritt anbieten", betonte der Niederländer, der auch schon mit einer Rückkehr zum FC Chelsea nach London liebäugeln soll.

In der Alpenrepublik steht Hiddinks Kollege Dietmar Constantini nach der 0:2-Heimpleite vom Wochenende gegen Belgien ebenfalls schwer unter Druck. Ein weiterer Rückschlag könnte für den Tiroler bereits das Aus bedeuten. "Wir ziehen nach dem Türkei-Spiel Bilanz", kündigte Verbandschef Leo Windtner an. Das Massenblatt "Kurier" rätselte unter dem Titel "Didi Ratlos" schon: "Wie soll aus einem Häufchen planloser Traumtänzer bis zum Türkei-Match wieder ein Fußballteam werden? Nicht nur die Fans zweifeln, ob ausgerechnet Constantini die Antwort weiß."

"Das ist normalerweise der Trainer"

Der Tiroler gab sich aber betont gelassen. "Wenn es mein letztes Match als Teamchef ist, werde ich auch weiterleben", sagte er der Nachrichtenagentur Apa mit Blick auf einige namhafte Vorgänger. "Hickersberger, Brückner, Prohaska und Krankl leben ja auch noch." Constantinis weit gereister Amtskollege Hiddink ergänzte: "Generell gilt: Wenn es keinen Erfolg gibt, muss man ein Opfer finden. Das ist normalerweise der Trainer. Das ist in der ganzen Welt so."

Die Ausgangslage ist klar: Hinter dem souveränen Spitzenreiter Deutschland (15 Punkte) ringen Österreich, Belgien (je 7) und die Türkei (6) um den wichtigen zweiten Rang, der auf dem Weg zur Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine zur Relegation berechtigt. Während Belgien gegen das von Berti Vogts betreute Aserbaidschan einen Pflicht-Heimsieg anstrebt, will Hiddink gegen die angeschlagenen Österreicher Teil eins seiner Vorgabe erfüllen. "Wir wollen das erste Pflichtspiel des Jahres erfolgreich bestreiten", verkündete er.

"Los, meine Herren. Es ist Zeit für den Sieg"

Am Bosporus ist Hiddink nicht nur wegen der bisher ausgebliebenen Erfolge umstritten. Man nimmt ihm übel, dass er sich eher selten in der Türkei aufhält, sondern sich fernab in der Heimat über den türkischen Fußball informiert. Zudem ist seine Personalpolitik umstritten. So krempelte Hiddink nach seiner Amtsübernahme den Kader total um und verzichtete auf mehrere Leistungsträger. Nicht zuletzt, weil die Türkei die letzten vier Duelle mit Österreich gewonnen hat, ist man in dem fußballverrückten Land nun aber siegesgewiss. "Los, meine Herren. Es ist Zeit für den Sieg", schrieb "Hürriyet".

Dafür spricht auch, dass die Gäste erhebliche Personalsorgen verkraften müssen. So fallen nach Sebastian Prödl, Veli Kavlak und Franz Schiemer nun auch noch Kapitän Marc Janko (Schulter) und Zlatko Junuzovic (Knöchel) verletzt aus. Zudem liegt Österreichs letzter Pflichtspiel-Auswärtssieg sechs Jahre zurück. Am 26. März 2005 gewann die ÖFB-Auswahl in der WM-Qualifikation in Cardiff 2:0 gegen Wales.

Neben dieser auch aus deutscher Sicht interessanten Partie stehen heute mehrere hochkarätige Test-Länderspiele auf dem Programm. Wie Bundestrainer Joachim Löw, der gegen Australien einige Talente zur Bewährungsprobe bittet, will Italiens Coach Cesare Prandelli in der Ukraine neues Personal und taktische Varianten testen: "Ich möchte meinen gesamten Kader ausprobieren." Ähnlich halten es Englands Coach Fabio Capello gegen Ghana und Laurent Blanc, der mit Frankreich in Paris auf Kroatien trifft. Nach Bayern Münchens Franck Ribéry lobt auch Philippe Mexès das Arbeitsklima unter Blanc: "Hier hast Du nicht das Gefühl, dass du ständig ein Messer am Hals hast."

Quelle: ntv.de, Thomas Prüfer, dpa