Fußball

Steuersünden des Bayern-Chefs Uli Hoeneß sagt leise "sorry"

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Der Druck auf ihn wird nicht geringer - alle feuern auf Steuersünder Hoeneß.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ist die Ehre des Uli Hoeneß noch zu retten? Schwer zu sagen - deshalb tritt er jetzt die Flucht nach vorne an. Und spricht über seinen Fehler, Geld in die Schweiz geschafft zu haben. Doch nicht nur er, auch der FC Bayern und die Liga haben in den Augen vieler Schaden genommen.

Der Steuersünder Uli Hoeneß versucht zu retten, was noch zu retten ist: Nachdem das halbe Land in ungläubiges Kopfschütteln verfallen ist, gibt sich der Präsident des FC Bayern München geläutert. "Ich habe erkannt, dass ich einen schweren Fehler gemacht habe, den ich versuche, mit der Selbstanzeige zumindest halbwegs wiedergutzumachen", sagte der 61-jährige Unternehmer der Zeitschrift "Sport Bild". Er wolle "reinen Tisch machen".

Hoeneß hatte sich selbst angezeigt, weil er ein Vermögen auf Schweizer Konten geparkt hat. Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt deshalb wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung.

Der Fall beschmutzt auch das Fußball-Geschäft

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Freunde waren sie nie: Bayern-Boss Hoeneß und der frühere DFB-Chef Zwanziger.

(Foto: dpa)

Auch wenn der Sensationstransfer des Fußball-Talents Mario Götze von Borussia Dortmund zu den Bayern nun die Schlagzeilen beherrscht, ist der öffentliche Druck auf Hoeneß ungebrochen. Nun meldete sich der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger zu Wort. Er befürchtet einen Schaden für den Fußball: "Da werden wir nun einige Häme zu spüren bekommen", sagte er der "Bild"-Zeitung. Zwanziger gilt als Kritiker von Hoeneß und nutzt den Fall für eine Abrechnung. "Dieser Fall dient nicht gerade unserer Wertschätzung und Glaubwürdigkeit", mahnte er.

Nachdem Kanzlerin Angela Merkel schon am Montag ihre Enttäuschung ausdrückte, nutzte die SPD den Fall um den Druck auf Steuerbetrüger zu erhöhen. Die Hürden für eine strafbefreiende Selbstanzeige sollten nach Ansicht von SPD-Chef Sigmar Gabriel in den nächsten Jahren angehoben werden. Sie solle künftig unter anderem auf Bagatelldelikte begrenzt werden.

Millionen vom Adidas-Chef?

Während Kanzlerkandidat Peer Steinbrück überraschend Gabriel widersprach und für eine Amnestie plädierte, zweifelten auch die Linke-Spitzenkandidatin Katja Kipping und der Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin an der derzeitigen Straferleichterung bei einer Selbstanzeige. "Ich glaube, das ist eine Regelung maximal für Bagatellgrenzen, aber nicht für Betrug dieser kriminellen Größenordung", sagte Trittin.

Von einem Bagatelldelikt kann bei Hoeneß aber offenbar keine Rede sein. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" vom Dienstag handelte es sich bei dem fraglichen Geld um insgesamt 20 Millionen Mark (gut 10,2 Millionen Euro), die Hoeneß im Jahr 2000 vom damaligen Chef des Sportartikelherstellers Adidas, Robert Louis-Dreyfus erhalten haben soll. 5 Millionen Mark seien von Louis-Dreyfus direkt überwiesen worden, 15 Millionen seien eine Bürgschaft für einen Kredit gewesen.

Die Zahlung ist dem Bericht zufolge auch deshalb brisant, weil Adidas sich nur ein Jahr später mit zehn Prozent am FC Bayern beteiligte. Laut der "Süddeutschen" gibt es bisher aber keinen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen dem privaten Geschäft von Hoeneß und dem Deal. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft München II laufen die Ermittlungen gegen Hoeneß weiterhin nur wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Derzeit prüft die Staatsanwaltschaft, ob Hoeneß sich im Januar rechtzeitig und voll umfänglich selbst angezeigt hat, um einer Strafe wegen Steuerhinterziehung zu entgehen. Sollte das nicht der Fall sein, droht ihm eine mehrjährige Haftstrafe.

Weitere Enthüllungen drohen

Offiziell steht sein Verein dennoch weiter hinter dem bisher so populären Wurstfabrikanten. "Als Club stehen wir unverändert zu Uli Hoeneß und wünschen ihm alles Gute für die Klärung der Angelegenheit", sagte Bayern-Vizepräsident Rudolf Schels dem Bayerischen Rundfunk.

Keine Angriffe und keine Verurteilungen waren ansonsten aus dem Fußballgeschäft oder von den Sponsoren des Werbeidols Hoeneß zu hören. Möglicherweise fürchten auch weitere Sportler Enthüllungen. Der Vorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, sagte: "Ich gehe davon aus, dass Uli Hoeneß kein Einzelfall ist." Es werde immer wieder gemunkelt, dass hochrangige Sportfunktionäre oder Lizenzfußballer über Konten in der Schweiz verfügten, sagte Eigenthaler der "Stuttgarter Zeitung".

Quelle: n-tv.de, jtw/dpa/AFP/rts

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