Fußball

Andersson statt Lukas Podolski Union darf feiern, während Köln nur träumt

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Sebastian Andersson ist ein Sinnbild seines Klubs.

(Foto: imago images/Nordphoto)

Der 1. FC Union lässt Mitaufsteiger 1. FC Köln im Bundesliga-Duell keine Chance. Dessen mitgereiste Fans sehnen sich nach einem alten Bekannten. Dazu hat Union keinen Grund - Sebastian Andersson ist zum Sinnbild des Klubs gereift. Und das dürfte der Liga durchaus Sorgen bereiten.

Im Gästeblock des Stadions an der Alten Försterei herrscht beste Stimmung. Die zum Spiel gegen den 1. FC Union Berlin mitgereisten Fans des 1. FC Köln tanzen, jubeln, schwenken ihre Schals. Sie rufen ihr Idol, ihren Liebling Lukas Podolski. Allerdings lebt der - noch - weit weg im fernen Japan. Und die Freude der Fans ist reiner Galgenhumor. Denn der 1. FC Köln hat im Duell der Aufsteiger nicht den Hauch einer Chance. 0:2 verlieren die Kölner und rutschen aufgrund des Sieges des SC Paderborn sogar auf den letzten Tabellenplatz ab.

Maßgeblich für diese Niederlage verantwortlich ist Sebastian Andersson. Der Schwede ist der Mann der Stunde bei Union - die Berliner brauchen kein gealtertes Idol wie Podolski. Anderssons direkte Konkurrenz in der Bundesliga könnte kaum prominenter sein. Auf vier Kopfballtreffer kommt in dieser Saison ansonsten nur Bayerns Robert Lewandowski, mit insgesamt acht Toren liegt der Stürmer des 1. FC Union Berlin gleichauf mit Dortmunds Marco Reus.

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Union-Coach Urs Fischer hat in der Hinrunde viel Spaß mit seiner Mannschaft.

(Foto: imago images/Laci Perenyi)

Da hat sich Andersson ein ungewohntes Sonderlob seines Trainers verdient. "Er war sehr effizient", sagte Urs Fischer über den Stürmer, der zunächst per Kopf (33. Minute) und dann überlegt mit Köpfchen (55.) traf. "Einmal mehr hat er aber viel dafür aufgewendet - nicht nur um die Tore zu erzielen, sondern auch um Arbeit zu verrichten, die uns als Team hilft." Gegen Köln verbuchte Andersson sieben der zehn Torschüsse von Union.

"Ein Phänomen"

"Er ist so ein bisschen ein Phänomen", sagte Union-Manager Oliver Ruhnert dem "Kicker". "In jungen Jahren war er unauffällig, hat aber meist seine Tore gemacht - und ist doch oft unter dem Radar geflogen." Erst mit 26 Jahren wechselte er aus Schweden nach Deutschland - 2017 konnte er trotz zwölf Treffern den Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern nicht vor dem Abstieg bewahren. Da Andersson keinen Vertrag für die 3. Liga unterschrieben hatte, konnten die Berliner ihn ablösefrei verpflichten.

In der Aufstiegssaison trumpfte Andersson als bester Klub-Torjäger mit zwölf Treffern auf, jetzt schlägt er in der 1. Liga so richtig ein. Damit ist er ein bisschen zu einem Symbolbild seines Klubs gereift: Die Qualität ist groß, war aber lange verborgen, in der ersten Liga blüht er so richtig auf und die Liga sollte sich so langsam vor ihm fürchten. So ist es auch mit Union: Sechs Spiele haben die Berliner bereits gewonnen, fünf davon im eigenen Stadion - vier davon in Serie. Mit Siegen gegen Borussia Dortmund, den SC Freiburg und Borussia Mönchengladbach ärgerte das Team drei Mannschaften aus der Top fünf der Tabelle. Union Berlin rangiert damit in der Tabelle auf Platz zehn im gesicherten Mittelfeld - die Mitaufsteiger Köln und Paderborn haben nicht einmal halb so viele Punkte gesammelt wie die Berliner (19). Und auch der große FC Bayern hat nur fünf Zähler mehr auf dem Konto.

Zwar trafen erst fünf Spieler in dieser Saison für Union - so wenig wie bei keinem anderen Bundesligisten. Trotzdem stimmt die Quote so einigermaßen, Union hat nur ein Tor mehr kassiert als selbst geschossen. "Wir sind noch nicht sicher mit 19 Punkten", warnte Andersson und lieferte eine Beschreibung der Lage, die auch für seine bisherige Zeit in Deutschland symbolhaft ist: "Wenn wir so weitermachen, wird alles gut werden." Und dafür braucht der 1. FC Union Berlin nicht einmal einen Lukas Podolski.

Quelle: ntv.de, ara/sid