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Sonntag, 03. Juni 2018

WM-Countdown (11): VIP-Putzfrau für die Fußball-WM gesucht

Von Katrin Scheib, Moskau

Während in den Fan-ID-Zentren schon fleißige Leute arbeiten, sind zahlreiche andere Jobs rund um die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland noch unbesetzt. Gesucht werden: Detektive, Putzfrauen und ein Barkeeper.

Eigentlich wollte ich heute darüber schreiben, wie es mit dem Abholen der Fan-ID klappt. Ohne dieses laminierte Umhängekärtchen, für das man eine lange Liste persönlicher Daten herschenken muss, kommt bei der Weltmeisterschaft niemand ins Stadion. Letztes Jahr, zum Confed-Cup, gab es schon mal einen Probelauf, damals war es ziemlich schwierig, das Fan-ID-Aushändigungszentrum zu finden.

Wo geht's hier zur U-Bahn?
Wo geht's hier zur U-Bahn?(Foto: Katrin Scheib)

Diesmal dagegen ist das Ding so gut ausgeschildert, dass man von einen Hinweisschild schon das nächste sieht - jedenfalls bei der Fan-ID-Zentrale, für die ich mich entschieden habe, in der Nähe der Metro-Haltestelle Dobryninskaja. Reingehen, hallo sagen, eine freundliche junge Frau prüft, ob ich ein Gesicht mitgebracht habe, das zu dem in ihrer Datenbank passt. Keine fünf Minuten später drückt mir ein freundlicher junger Mann das Kärtchen in der Hand, das war’s dann, zum Ausgang bitte hier entlang. Und ja, sobald man die Fan-ID hat, steht man auf einem Hinterhof, auf dem exakt gar nichts mehr ausgeschildert ist, aber gut, läuft man halt hinter dem Bauarbeiter mit seiner Schubkarre her und fertig. Unspektakulär, das trägt keine Kolumne.

Stattdessen geht es heute also um einen anderen Aspekt der WM-Vorbereitung. Um die Menschen nämlich, die mit dem Turnier nicht dank einer Fan-ID zu tun haben, sondern durch einen Arbeitsvertrag. Ein Blick auf Superjob.ru zeigt: Selbst jetzt, knapp zwei Wochen vor dem Anpfiff zum Eröffnungsspiel, sind immer noch viele Jobs rund um die Weltmeisterschaft zu vergeben. An Wachleute zum Beispiel, die das Stadion und andere WM-Anlagen in Saransk bewachen sollen. 110 Rubel pro Stunde verspricht die Stellenanzeige, das sind gerade mal 1,50 Euro, aber hey, es gibt zwei Mahlzeiten pro Tag und die Unterkunft ist kostenlos, soso. Eine andere Security-Firma bietet ein paar Rubel mehr pro Stunde und lockt gleichzeitig damit, bei ihr könne man auch ohne УЛЧО arbeiten - also ohne das sonst übliche Dokument, das eine Mischung aus polizeilichem Führungszeugnis und Bescheinigung über eine Grundlagen-Schulung in Sicherheitsdingen ist.

Katrin Scheib

Katrin Scheib ist Journalistin, Schalke-Fan und kommt aus dem Rheinland. Als die deutsche Mannschaft 2014 in Brasilien Fußball-Weltmeister wurde, war sie just nach Moskau gezogen. Seitdem bloggt sie unter kscheib.de über ihren Alltag und informiert mit ihrem "Russball"-Newsletter jede Woche über den Fußball und die WM-Vorbereitungen in Russland. Für n-tv.de schreibt sie den Countdown, bis das Turnier am 14. Juni beginnt. Außer der Reihe hat sie sich mit der Frage beschäftigt: Wie sicher ist Russland für schwule und lesbische Fans?

Klingt noch nicht interessant genug? Wir fangen ja gerade erst an. Eine Firma, die Ladendetektive für WM-Shops in Moskau anheuert, weist darauf hin, dass der Auftraggeber sicherheitshalber seine Detektive alle zwei Wochen den Einsatzort wechseln lässt. 30.000 Rubel (412 Euro) im Monat kann verdienen, wer WM-Besucher am Flughafen im Empfang nimmt und ihnen mit dem Gepäck und anderen lästigen Dingen hilft. Klingt nach einem Service für nicht ganz unwichtige Gäste. In der Stellenanzeige steht denn auch, man habe die Gelegenheit, Spitzensportler einmal aus der Nähe zu sehen.

Es geht weiter rauf auf der Gehaltsskala. Kassierer am Essensstand im Stadion - 31.200 Rubel (429 Euro). Abwäscherin, oben in den Sperlingsbergen, also wohl für die Fanzone an der Lomonossow-Universität: ab 50.000 Rubel (688 Euro). Dann wird ein erfahrener Arzt gesucht, der sich um Sauberkeit und Hygiene, aber auch um Feuerschutz kümmert. Dafür soll er im Monat 60.000 Rubel bekommen, das sind 825 Euro. Dieselbe Summe taucht in einer anderen Stellenanzeige auf, hier wird eine Putzfrau für die VIP-Logen im Luschniki-Stadion gesucht. Russische Staatsangehörigkeit, bitte nicht über 40 - schon interessant, was wichtig ist, um bei reichen Stadionbesuchern mal durchzufeudeln und ihnen das Klo zu reinigen. Die spannendste Stellenanzeige mit WM-Bezug aber liest sich so: "Barkeeper in Premium-Apartments, Moskau, 40.000 - 90.000 Rubel, ein bis drei Jahre Berufserfahrung, Vollzeit. Aufgaben: Cocktails nach festen Rezepten mischen." Gewünscht ist außerdem Englisch, das zumindest für ein bisschen Smalltalk reicht. Einsatzort auch hier: die VIP-Logen im Luschniki-Stadion. Wer sich das zutraut: Noch ist die Stelle zu besetzen.

Was sich auf dem Portal übrigens nicht findet: Stellenanzeigen für Menschen, die sich in den Abholzentren darum kümmern sollen, dass jeder Fan auch seine dazugehörige ID bekommt. Kein Wunder, schließlich setzen Fifa und WM-Organisationskomitee hier auf die preisgünstigste Lösung: Die freundlichen Menschen in den Fan-ID-Zentren sind Volunteers.

Alle Folgen des WM-Countdowns finden Sie hier

Quelle: n-tv.de