Fußball

Maldito Manuel Neuer!Verzweifeltes Real Madrid droht FC Bayern das Wunder von München an

08.04.2026, 07:43 Uhr
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Niemand leidet extrovertierter als Vinicius Junior. (Foto: AP)

Real Madrid und der FC Bayern liefern sich einen mitreißenden Schlagabtausch in der Champions League. Die Münchner gewinnen das Viertelfinal-Hinspiel, weil sie Manuel Neuer haben. Die verzweifelten Madrilenen beschwören den eigenen Mythos.

Hätte Manuel Neuer auch diesen Ball noch gehalten, Kylian Mbappé wäre endgültig durchgedreht vor Verzweiflung. Bereits acht Minuten bevor der französische Starstürmer das 1:2 (auch der Endstand) für das wütend anrennende Real Madrid gegen den FC Bayern im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League erzielte (74.), war Mbappé fassungslos angesichts der Krakenartigkeit des 40 Jahre alten Torwarts. Aus knapp 16 Metern hatte er platziert abgeschlossen, aber der verdammte Neuer war wieder da. Ein erschüttertes "Fuck" entfuhr ihm. Dieses mitreißende Fußballspiel hatte endgültig seinen Protagonisten.

Das legendäre Estadio Bernabeu erlebte einen Manuel Neuer, wie er klassischer nicht sein konnte. Kurz vor der Fußball-Rente titanisierte er sich noch mal in seine beste Version. Ob es die über den Sommer hinaus noch gibt, bleibt unklar. Warum es sie über den Sommer hinaus aus Sicht des FC Bayern noch geben sollte, wurde an diesem Dienstagabend deutlich: Seine Paraden waren herausragend, im Eins-gegen-eins agierte er wahnsinnig geschickt. Als er den heranstürmenden Vinicius Junior, den anderen verzweifelten Superstar der Königlichen, in der 61. Minute nach einem Blackout von Dayot Upamencano, erfolgreich abdrängte, legten sich Algerien-Vibes über Madrid. 2014 gegen Algerien hatte Neuer die Geschichte des Torwartspiels neu geschrieben.

Die Abwehr leistet sich absurde Fehler

Einmal wurde er an diesem Abend dann aber eben doch geschlagen. Trent Alexander-Arnold spielte einen perfekten Pass quer durch den Strafraum auf Mbappé, der den Ball mit aller Wut aufs Tor drosch. Und natürlich war Neuer dran, aber dieses Mal reichte seine Kraft nicht, den Einschlag zu verhindern. Der Ball knallte an die Unterlatte und tickte dann hinter der Linie auf. Mbappé hob erleichtert den Arm. Dieser Moment, dieses Tor, gab Real neue Kraft, neue Hoffnung. Sie können es ja doch. "In München ist ein Wunder nötig", beschwor die Zeitung "Marca" und erinnerte daran, dass Real Madrid eben Real Madrid ist: "Sie haben es schon einmal geschafft. Und wir sprechen hier von Europa. Alles ist möglich." Die "El Pais" lobte derweil den Kampfgeist, den das Team nach dem 0:2 entwickelte: "Real Madrid lächelte kurz, als sie zu ihrer alten Form zurückfanden, doch vielleicht war es nur ein flüchtiger Moment der Freude, vielleicht auch nur im Hinblick auf das bevorstehende Champions-League-Spiel."

Die Offensive ist nicht die große Sorge von Real. Mbappé und Vinicius Junior sind so schnell, dribbel- und abschlussstark, dass sie über 90 Minuten nicht aus dem Spiel zu nehmen sind. Sie werden auch in München ihre Gelegenheiten finden, dann braucht es wieder einen Neuer in bester Form. Und einen Upamecano, der deutlich aufmerksamer ist. Beide Mannschaften leisteten sich im ersten Duell bisweilen absurde Schwächen in der Defensive. Folgenschwerer waren sie bei den Königlichen. "Für mich sind die zwei Gegentore zwei Geschenke", klagte Abwehrchef Antonio Rüdiger. Beim 0:1 wurde Luis Diaz von Serge Gnabry fantastisch bedient, allerdings war die Lücke in der Madrider Hintermannschaft auch bemerkenswert groß. Und dass Real Harry Kane 20 Sekunden nach Wiederanpfiff völlig allein ließ, ist mit gesundem Menschenverstand auch nicht zu erklären.

Weil Real eben Real ist

In der 46. Minute lag Madrid am Boden. Im Duell der Schwergewichte hatte Real mit offener Deckung zu viele Schläge kassiert. Das Stadion pfiff. Die Saison lag für Momente in Trümmern. In der Meisterschaft ist der FC Barcelona acht Spieltage vor Saisonende auf sieben Punkte enteilt. Um hier noch zu triumphieren, braucht es ein kleines Wunder oder einen kolossalen Einbruch der Mannschaft von Hansi Flick. In der Supercopa gab's gegen den Erzrivalen auch nichts zu holen (2:3), bleibt also nur noch die Champions League als Pflaster auf die Wunde dieser Spielzeit, die bereits Startrainer Xabi Alonso gefressen hat. Der Henkelpott ist letzte Chance zur Versöhnung und vielleicht auch die letzte Chance für Trainer Alvaro Arbeloa, sich über den Sommer im Amt zu halten.

Und so klammerte sich Arbeloa am Nimbus des Rekordsiegers fest, beschwor die nächste "Remontanda" auf der größten Bühne des Vereinsfußballs: "Wenn eine Mannschaft in München gewinnen kann, dann ist es Real Madrid. Wer nicht daran glaubt, kann zu Hause bleiben." Bei drei der jüngsten vier Gastspiele ist dies gelungen, nur das letzte endete remis. Den letzten Heimsieg gegen die Königlichen feierten die Bayern im April 2012 (2:1). "Ich zähle im Rückspiel auf meine Spieler", sagte Arbeloa. Einer, auf den er besonders zählt, ist Jude Bellingham. Der lange verletzte Engländer kam gegen Bayern nach gut einer Stunde und veränderte das Spiel sofort. Die Chance, die Mbappé in der 66. Minute zur Verzweiflung trieb, hatte er vorbereitet. "Ich hätte ihn natürlich gern immer 90 Minuten auf dem Platz gehabt, seit ich Trainer bin", sagte der Trainer. "Er hat uns sehr geholfen, denn er hat es geschafft, sich ein bisschen aus dem Druck zu befreien. Er hat uns viel Energie gegeben, seinen Charakter, seine Persönlichkeit gezeigt."

Real Madrid ist in dieser Saison keine reibungslos funktionierende Mannschaft. Und wird es auch nicht mehr werden. Was Real aber immer kann: Heldenfußball. Den hatten sie unter ihrem langjährigen Maestro Carlo Ancelotti perfektioniert. Und den haben sie noch immer in sich, wie Arbeloa findet: "Ich bewundere ihren Ehrgeiz und ihren unbedingten Siegeswillen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir nach Deutschland fahren und gewinnen werden." Allerdings spricht die Historie des Wettbewerbs ausnahmsweise mal gegen Madrid: Fünfmal verlor Real bislang in der Champions League oder dem Landesmeister-Cup ein Hinspiel zu Hause - und schied dann jedes Mal aus.

Quelle: ntv.de, tno

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