Fußball

Nach dem "Phantom-Tor von Sinsheim" Völler will nur 22 Minuten wiederholen

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Rudi Völler diskutiert mit 1899-Keeper Koen Casteels nach dem Phantomtor.

(Foto: imago sportfotodienst)

Mit einem Urteil zum Phantom-Tor von Kießling ist nicht vor Ende Oktober zu rechnen. Bayer werde jedes Urteil des DFB-Sportgerichts akzeptieren, sagt Rudi Völler. Aber sein Gerechtigkeitssinn weist dem Leverkusener Sportchef nur eine richtige Lösung.

Für Leverkusens Sportchef Rudi Völler kommt eine komplette Wiederholung des Meisterschaftsspiels bei 1899 Hoffenheim, das durch das Phantom-Tor von Stefan Kießling mit 2:1 vom Werksklub gewonnen wurde, nicht infrage. "Wenn eine Spiel-Wiederholung, dann ab der Szene, also ab der 70. Minute. So macht man es in Ital ien oder Spanien ja auch", sagte der 53-Jährige, der darauf hinwies, dass zuvor 69 Minuten das Spiel in völlig regulären Bahnen verlaufen sei und Bayer immerhin 1:0 geführt habe.

"Beim Stande von 1:0 für Leverkusen geht es mit einem Abstoß für Hoffenheim weiter. Das habe ich Wolfgang Niersbach (DFB-Präsident) auch in einem Telefongespräch so verdeutlicht", sagte der Weltmeister von 1990 der "Bild am Sonntag": "Das ist die sauberste Lösung. Auch für diesen Fall."

Völler kritisierte gleichzeitig die Hoffenheimer, dass sie ein kaputtes Tornetz benutzt hatten, durch das der Ball beim Kießling-Kopfball von der äußeren Seite ins Tor gerutscht war: "Dietmar Hopp hat so viel Geld für solch ein schönes Stadion ausgegeben, da sollten doch noch ein paar Euro für gute Tornetze übrig sein."

Osmers attackiert Kießling

Indes sieht Ex-Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers gut 20 Jahre nach seiner historischen Phantom-Tor-Entscheidung von München den statistischen Bayer-Schützen Stefan Kießling in der Verantwortung. "Für mich hat Kießling ganz klar erkannt, dass der Ball nicht ins Tor gegangen ist. Da wäre Fairplay Kießlings Pflicht und Schuldigkeit gewesen. Er hätte es Schiedsrichter Felix Brych sagen müssen. Brych hätte in dieser Situation die Unterstützung von Kießling und anderen Spielern gebraucht, die auch gesehen haben, dass es kein Tor war. Aber da sieht man, dass die ganzen Fairplay-Kampagnen der Verbände wohl nichts wert sind", sagte Osmers.

Kießling, der sich in der entscheidenden Situation schon enttäuscht abgedreht und erst nach zögerlichen Gratulationen seiner Kollegen den Torschützen gemimte hatte, rechtfertigte schon vor der Osmers-Kritik sein Verhalten via Facebook: "Ich bin selbst ganz aufgewühlt. Nach den Wiederholungen im Fernsehen sehe ich es eindeutig so: es war kein reguläres Tor. Im Spiel habe ich nach meinem Kopfball und dem Drehen des Kopfes nicht genau gesehen, ob der Ball korrekt ins Tor gegangen ist oder nicht. Irgendwie lag der Ball im Tor. Genau das habe ich auch dem Schiedsrichter gesagt. Es tut mir leid für alle Sportfans und den Verlauf des Spiels. So zu gewinnen, ist natürlich nicht schön. Fairness ist wichtig für den Sport, bei uns im Verein und für mich ganz persönlich."

Urteil nach dem DFB-Bundestag

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes wird sich ab Montag mit dem Phantom-Tor von Hoffenheim beschäftigen, ein Urteil wird aber erst Ende Oktober erwartet. Grund dafür ist laut DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig der anstehende DFB-Bundestag am Donnerstag und Freitag (24./25. Oktober) in Nürnberg, bei dem es zu personellen Änderungen beim Sportgericht und beim Bundesgericht (Berufungsinstanz) kommen könnte.

Zunächst wird das Sportgericht unter dem Vorsitz von Hans E. Lorenz den Protest der Hoffenheimer gegen die Wertung des Punktspiels vom Freitagabend gegen Leverkusen (1:2) unter die Lupe nehmen. Dann werden die Stellungnahmen von Schiedsrichter Felix Brych (München), Bayer Leverkusen und dem Kontrollausschuss erwartet. Im Anschluss soll eine mündliche Verhandlung terminiert werden.

Fifa pocht auf Tatsachenentscheidung

Ob es zu einem Wiederholungsspiel kommen wird oder die Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters gilt, wird sich während der Verhandlung erweisen müssen. Der Weltverband Fifa ist schon immer ein klarer Verfechter des Prinzips der Tatsachenentscheidung, die für alle Situationen auf dem Platz gilt. Von diesem Prinzip kann nur abgewichen werden, wenn dem Schiedsrichter ein Regelverstoß nachgewiesen werden kann. Genau darum wird es bei der Verhandlung gehen.

Am Freitagabend hatte der Leverkusener Stefan Kießling das zweite Phantom-Tor in der Bundesliga-Geschichte erzielt. Der Torjäger setzte in der 70. Minute einen Kopfball nach einer Ecke neben das Tor, durch ein Loch im Netz landete der Ball aber dennoch im Gehäuse. Das komplette Schiedsrichter-Gespann um Brych übersah dies und erkannte auf Tor.

Quelle: ntv.de, dsi/sid