Fußball

Brasilien baut Lazarette WM-Finalstadion wird zu Krankenstation

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2014 spielten Deutschland und Argentinien im Maracana den Fußball-Weltmeister aus.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Im ehrwürdigen Maracana-Stadion wird Deutschland 2014 Weltmeister. Heute rollt dort kein Ball mehr, sondern stehen Krankenbetten. Brasilien macht aus den Stadien Lazarette. Ein scherzhafter Spruch von Ronaldo wird dabei von der Realität eingeholt.

Auf dem Rasen des altehrwürdigen Pacaembu-Stadions herrscht seit Samstag Hochbetrieb. Fußbälle und Tore sind nicht zu sehen, wie noch vor rund drei Wochen beim Derby zwischen Santos und Palmeiras. Dafür richtet sich im Herzen der brasilianischen Metropole Sao Paulos Hand um Hand in Windeseile ein riesiges Feld-Lazarett auf. Wo 1950 sechs WM-Partien angepfiffen wurden, stehen in knapp zehn Tagen 202 Krankenbetten. "Hier können wir eine bessere Betreuung derjenigen gewährleisten, die sich nicht in einer Hochrisikostufe befinden, aber öffentliche Sorgfalt brauchen", sagte Bruno Covas, der sich als Bürgermeister gegen das Kollabieren des Gesundheitssystems im nationalen Epizentrum der Coronavirus-Pandemie stemmt.

Auch rund 3000 Kilometer nordwärts verschwindet das Grün im ebenfalls städtischen Estadio Presidente Vargas von Fortaleza unter der Metallkonstruktion einer sanitären Hilfsstation. Landesweit werden in Kürze weitere Arenen dem Beispiel folgen. Oder anderweitig, beispielsweise für Blutspenden oder normale Grippe-Impfungen vor dem kommenden Winter, von örtlichen Gesundheitsbehörden provisorisch genutzt. Meister CR Flamengo hat als derzeitiger Verwalter schon das Maracana in Rio de Janeiro, in dem am 13. Juli 2014 Mario Götze die DFB-Elf mit seinem Treffer zum Weltmeister machte, zur Verfügung gestellt. Gleiches gilt für die Arena Corinthians in Sao Paulo, das Mane Garrincha in Brasilia, die Arena da Baixada in Curitiba - alles Spielorte der WM vor sechs Jahren.

Die Realität holt Ronaldos Witz ein

Die Fußballklubs haben ihre Profis längst nach Hause geschickt, Stadien und Trainingsgelände sind derzeit verwaist. Undenkbar vor mehr als acht Jahren, als Brasiliens Idol Ronaldo im Dezember 2011 ins heimische WM-Organisationskomitee berufen wurde, und der dreimalige Weltfußballer die damalige Kritik an den hohen Kosten für Neu- und Umbau der zwölf Spielstätten unbedacht mit einem flotten Spruch abwehrte: "Man macht keine WM mit Krankenhäusern." Heute verwandeln sich die Stadien genau in Lazarette.

Brasilien verzeichnete am Wochenanfang 1891 mit dem neuen Virus infizierte Personen sowie 34 Todesfälle. Sao Paulo führt die traurige Liste mit 30 Opfern und 745 Angesteckten an. Rio (4/233) und im Nordosten Ceara mit Fortaleza (0/163) folgen. Doch die Zahlen täuschen, weil für die 210 Millionen Brasilianer derzeit nur Testkits im unteren Zehntausender-Bereich vorhanden sind, angewendet vor allem bei Patienten mit Atemproblemen. Ende des Monats soll ein Millionen-Paket aus China eintreffen.

Bis dahin werden sich die Feldlazarette in den Stadien mit hustenden und niesenden Patienten füllen. Auch im Estadio Municipal Paulo Machado de Carvalho in Sao Paulos zentralem Stadtteil Pacaembu, das am 27. April 80-jähriges Bestehen feiert. Ein Alter, in dem man als Senior zur Corona-Risikogruppe gehört. Doch der hübsche Bau im Art-deco-Stil steckt voller Leben. Mit oder ohne Ball.

Quelle: ntv.de, tsi/sid