Fußball

Ideenlosigkeit lähmt Offensive Warum der FC Bayern spielerisch abstürzt

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Niko Kovac täte gut daran, taktisch experimentierfreudiger zu werden.

(Foto: imago/MIS)

Vor dem Liga-Gipfel bei Borussia Dortmund offenbart der FC Bayern erhebliche Schwächen. Das liegt an fehlendem Personal, aber auch an der Taktik von Trainer Niko Kovac. Der Fußballklub muss dringend aus dem Kreativloch kommen.

Und dann war es plötzlich sehr still im Stadion des FC Bayern. Dabei kam es beim Spiel in der Fußball-Bundesliga gegen den SC Freiburg am Samstag vor einer Woche im Grunde nur so, wie es kommen musste: Den Münchnern reichte die 1:0-Führung nicht, kurz vor dem Ende der Partie drückte Lucas Höler den Ball zum Ausgleich über die Linie. Und Niko Kovac, der Trainer der Bayern, stand an der Seitenlinie und wirkte ratlos. Die defensive Anfälligkeit ist sicherlich ein Problem, aber vor allem das Resultat einer größeren Negativentwicklung beim deutschen Fußballmeister. Der FC Bayern kann keine Partie mehr über 90 Minuten dominieren.

Ob nun AEK Athen in der Champions League, der SC Freiburg und der 1. FSV Mainz 05 in der Liga oder der SV Rödinghausen im DFB-Pokal: Alle Gegner der Münchner können sich darauf verlassen, dass sie zu Chancen kommen werden. Der Druck der Bayern ist nicht mehr so groß, wie er noch vor einigen Jahren war, als sie Außenseitermannschaften wie Freiburg regelrecht am eigenen Strafraum einschnürten. Bei besagtem 1:1 gegen den Sportclub gelang dies allenfalls in der ersten Viertelstunde. Danach verfiel Kovacs Mannschaft in den gleichen Trott wie in den Wochen zuvor. Da stellt sich die Frage, wie sich die Münchner für das Topspiel der Bundesliga aufstellen, das an diesem Samstag (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) in Dortmund steigt. Der BVB führt die Tabelle vor diesem elften Spieltag mit vier Punkten an. Ein Vorsprung, den die Borussia mit einem Sieg auf sieben Zähler ausbauen könnte. Andersherum ist es so, dass die Bayern ihrerseits den Rückstand auf einen Punkt verkürzen können.

Kreativloch im Mittelfeld

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Die größten Probleme des FC Bayern liegen im Mittelfeld: So könnten beide Mannschaften am Samstagabend das Spiel beginnen.

Dass es dem bayerischen Offensivspiel an Tempo fehlt, liegt vor allem an einer ausgesprochenen Ideenlosigkeit. Bis zu seiner Verletzung Ende Oktober zog Thiago Alcántara aus dem Mittelfeld heraus die Fäden und leitete immer wieder Spielzüge ein. Er musste sich dafür zumeist weit zurückfallen lassen, weil die anderen Akteure im Spielaufbau wirkungslos blieben. Ohne Thiago sieht die Situation beim FC Bayern umso problematischer aus.

Gegen Freiburg durfte sich Joshua Kimmich wie in der Nationalmannschaft auf der Sechserposition vor der Abwehr ausprobieren, allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Der 23-Jährige wirkte zeitweilig wie ein Sicherheitsrisiko, war aber trotz seiner persönlichen Fehler auch ein Opfer des Spielsystems. Das bayerische Mittelfeld arbeitet nicht als Einheit. Die drei Spieler stehen oftmals weit auseinander. Die beiden offensiveren Mittelfeldakteure rücken frühzeitig nach vorn und sind selten ohne Risiko anspielbar. So können die Bayern den Ball nicht flüssig laufen lassen.

Das Resultat: Viele Angriffe gehen einfallslos über die Außenbahnen, wo sich David Alaba, Arjen Robben und Co. ausprobieren dürfen. Nur fehlt ihnen die Durchschlagskraft früherer Tage, sie entscheiden weniger Eins-gegen-Eins-Situationen für sich. Dafür spielen sie vermehrt Flanken aus dem Halbfeld in den Strafraum, wo sich Robert Lewandowski allein auf weiter Flur befindet. Statt jedoch die Strukturen im Mittelfeld zu stärken, sprach Kovac vor dem Spiel gegen AEK Athen davon, dass mehr Bayern in den Strafraum vorrücken sollten. Das spricht für ein weiterhin flügellastiges Spiel, in welchem die Flanken nur besser verwertet werden sollen.

Spielt der BVB mit ihnen Jo-Jo?

Gegen Borussia Dortmund wird eine Offensivleistung wie gegen Freiburg oder in der ersten Halbzeit gegen Athen wohl nicht zum Sieg reichen. Sicherlich ist der BVB defensiv nicht hundertprozentig sattelfest, aber Lucien Favre hat es geschafft, seine Mannschaft in allen Phasen des Spiels weitestgehend zu stabilisieren. Die begabte Offensivreihe um Marco Reus und Paco Alcácer bekommt zunehmend Unterstützung aus dem Rückraum. Der hochtalentierte Außenverteidiger Achraf Hakimi ist ein neuer Überraschungsfaktor im Angriffsspiel.

Mittlerweile wirken die Dortmunder bei Ballbesitz selbstsicherer als zu Saisonbeginn. Es braucht schon ein außergewöhnlich gutes Pressing wie jenes von Atlético Madrid, um den BVB in die Bredouille zu bringen. Die Bayern verfügen nicht über dieses taktische Mittel. Für sie droht im schlimmsten Fall die Gefahr, dass der BVB mit ihnen Jo-Jo spielt. Mal lässt er sie das Spiel machen, um das anfällige Aufbauspiel in die Falle zu locken und Konterangriffe zu fahren. In anderen Situationen schnürt der BVB die Münchner hinten ein und übt erheblichen Druck aus.

Die Dortmunder haben zudem eine körperlich überlegene Mannschaft. Was ihnen an Erfahrung fehlt, machen sie mit Athletik und technischem Vermögen wett. Die Bayern wirken hingegen wie eine alternde Rockband, die immer noch die Hits vergangener Tage spielt, aber seltener die Töne trifft. Kovac hat bis jetzt nicht die Wende einleiten können. Personell sind ihm ob des durch zahlreiche Verletzungen ausgedünnten Kaders die Hände gebunden. Doch taktisch könnte - oder muss - er experimentierfreudiger werden. Sonst kommt es für den FC Bayern auch an diesem Samstag, wie es kommen musste.

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Quelle: n-tv.de

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