52 Verletzte und Fan-BoykottWas über die gewalttätigen Vorfälle in Berlin bekannt ist

Nach den gewalttätigen Vorfällen zwischen Fans und Polizei beim Spiel gegen Schalke kündigt Hertha-Chef Görlich eine umfassende Aufarbeitung an. Was zu den Ereignissen am Olympiastadion bekannt ist.
Vor dem Heimspiel von Hertha BSC gegen Schalke 04 in der 2. Fußball-Bundesliga ist es zu schweren Ausschreitungen zwischen Berliner Fans und der Polizei gekommen. Die Polizei sprach in einer Stellungnahme am späten Samstagabend auf X "von gewalttätigen Angriffen einzelner Fangruppen auf unsere Einsatzkräfte". Demnach sei "aufgrund der Gewalt- und Bedrohungslage zum Schutz der Einsatzkräfte und unbeteiligter Zuschauender" der Einsatz von Pfefferspray notwendig gewesen. Es seien nach aktuellem Stand 21 Einsatzkräfte und 31 Fans verletzt worden.
Wegen des Verdachts der Beleidigung, der gefährlichen Körperverletzung und wegen des Verdachts des besonders schweren Falls des Landfriedensbruchs seien mehrere Personen festgenommen worden, hieß es weiter. "Die Ermittlungen und Auswertungen unserer Beweismittel und Aufnahmen dauern an."
Die Fanhilfe Hertha BSC stellte die Sachlage in einem Statement anders dar: "Vor dem heutigen Spiel gegen die Mannschaft aus Gelsenkirchen kam es zu massiver Polizeigewalt gegen wartende Fans am Eingang zur Ostkurve." Es habe "Provokationen der Hundertschaften" gegeben und "eine Festnahme ohne ersichtlichen Grund". Mehrere Personen hätten sich in die Notaufnahmen begeben müssen. Über die Art der Verletzungen der Polizisten wurden keine Angaben gemacht.
Die Fanhilfe stellte das Vorgehen der Polizei in eine Reihe von Vorfällen. "Dieser heutige Angriff vor der Ostkurve ist der traurige Höhepunkt einer Eskalations- und Provokationsspirale der Polizei im Olympiastadion, die seit etwa einem halben Jahr durchgedrückt wird", heißt es in der Stellungnahme.
Die Fanhilfe hatte schon vor Anpfiff angekündigt, das Stadion nach Beginn zu verlassen. Die Schalker Fans stellten ebenfalls die Unterstützung ein. Große Teile der Hertha-Ultras verließen aber erst nach rund 20 Minuten die Ostkurve. Zuvor hatten sie noch eine überwältigende Choreografie gezeigt, die an ihren vor zwei Jahren verstorbenen Präsidenten Kay Bernstein erinnerte. Danach hinterließen sie einen blauen Schriftzug mit einer Polizei-Beleidigung. Die Schalke-Fans nahmen zur zweiten Halbzeit die Anfeuerung ihres Teams wieder auf. Nach gut 55 Minuten Spielzeit schallte auch das klassische "HaHoHe" der Hertha-Fans erstmals durch die Arena.
Hertha-Geschäftsführer Peter Görlich bestätigte ebenfalls, dass es "beim Einlass an der Ostkurve zu Gewalt auf beiden Seiten" kam. "Wir tragen aktuell alle Fakten zusammen. Wir möchten keine Spekulationen." Beim Spiel sei auch Innensenatorin Iris Spranger vor Ort gewesen. Man habe "vereinbart, dass wir sprechen, möchten aber eben auch mit der Polizei sprechen, weil wir seit der Innenministerkonferenz an der einen oder anderen Stelle in den Diskussionen mit der Polizei sind und wir da glauben, an der einen oder anderen Stelle sinnhaft einwirken zu können", sagte Görlich.