Fußball

Fußball-Zeitreise, 24.12.1914 Weihnachtsfrieden in der Hölle des Krieges

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Weihnachten 1914 an der Westfront

(Foto: imago/United Archives International)

Der Erste Weltkrieg hat bereits über eine Million Menschenleben gekostet, als am 24. Dezember 1914 eine unerwartete Waffenruhe den Weihnachtsfrieden für die Soldaten bringt. Auf den Schlachtfeldern an der französischen Westfront geschieht etwas Wundersames: Die Feinde spielen gemeinsam Fußball.

Manchmal ist es völlig egal, ob eine Geschichte stimmt oder nicht. Worte können so viel Unheil anrichten. Falsche Geschichten helfen den Mächtigen und Gewissenlosen dieser Welt, uns gegeneinander aufzuhetzen. Warum sollen wir nicht umgekehrt an Geschichten glauben, die uns zusammenführen? Ob es den berühmten Weihnachtsfrieden vom 24. Dezember 1914 genau so gegeben hat, spielt im Grunde keine Rolle. Es ist alleine der Gedanke, dass in einer der dunkelsten Stunden der Geschichte ein Stück Menschlichkeit über die Barbarei der Zeit siegte, der zählt.

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Niemand wird geboren, um zu töten. Doch genau das war der einzige Grund, warum sich im Jahr 1914 mitten in Europa Männer in Schützengräben gegenüberlagen. Sie sollten auf den Feind schießen und ihn umbringen. Am Ende dieses verfluchten Ersten Weltkriegs hatten 17 Millionen Menschen ihr Leben und viele Millionen Kinder und Frauen ihre Väter, Söhne und Ehemänner verloren. Wer jemals im französischen Verdun vor den Tausenden weißen Kreuzen mit ihren Namensinschriften gestanden hat, wird eine Lektion für sein Leben niemals mehr vergessen: Im Krieg sterben keine anonymen Wesen, es sterben Menschen.

Und genau diese Menschen, Deutsche, Franzosen und Briten, die hinaus in die Hölle des Todes geschickt wurden, kauerten in diesen bitterkalten Stunden des 24. Dezember 1914 in ihren Schützengräben - und dachten an ihre Familien zu Hause. Dachten an warme Stuben, an zuckersüßes Gebäck und lachende Gesichter. Doch hier, irgendwo in Frankreich, waren sie Soldaten, die kämpfen und töten mussten, um nicht selbst zu sterben. Dort drüben, nur wenige Meter entfernt, lauerte der Feind. Söhne, Väter, Ehemänner, die ebenfalls in ihren Heimatstädten und in ihren Heimatdörfern vermisst wurden.

Sie trafen sich im Niemandsland

Was genau an diesem Tage geschah, ist nur noch schwer zu rekonstruieren. Überlebende von damals gibt es heute nicht mehr. Aber man hat aus den Erinnerungen der Zeitgenossen, aus Fotoschnipseln und aus Briefen und Postkarten eines Tages begonnen, die magische Geschichte des Weihnachtsfriedens vom 24. Dezember 1914 zu erzählen. Als an der Westfront die Männer ihre Waffen niederlegten und sich nach und nach aus ihrem Schutz heraustrauten. Sie trafen sich im Niemandsland, teilten Essen und Getränke und irgendwann an diesem Tag errichteten sie Tore und spielten Fußball. Sie kämpften miteinander, gegeneinander, sie duellierten sich - aber sie verletzten, sie töteten sich nicht.

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Gedenktafel und Kreuz in Westflandern, Belgien.

(Foto: imago/alimdi)

Der Fußball als Krieg ohne Waffen - in dieser so heiligen Nacht erlöste er die Soldaten, die doch viel lieber wieder kleine Jungen ohne Sorgen und Nöte gewesen wären, von dem Schrecken des Mordens. Als sie abends, nach einem Tag ohne Opfer, in ihre Schützengräben zurückkehrten, sangen sie glücklich und gelöst die Lieder, die sie in diesen Stunden zu Hause bei ihren Familien auch anstimmten: "Stille Nacht, heilige Nacht! Gottes Sohn, o wie lacht, lieb aus deinem göttlichen Mund, da uns schlägt die rettende Stund".

Wie lange dieser kurze Frieden, die Waffenruhe hielt, ist nicht genau bekannt. Was man aber weiß: Der Krieg ging weiter und Millionen junger, unschuldiger Männer verloren ihr Leben. An der Stelle, wo sie gerade noch Fußball gespielt hatten, lagen schon wenige Augenblicke später ihre toten Kameraden. Erst nach vier end- und sinnlos langen Jahren war das Morden vorbei. Die "rettende Stund", von der sie in der Nacht des 24. Dezember 1914 in den Schützengräben sangen, kam für viele zu spät. Das Fußballspiel gegen den Feind im Niemandsland sollte für viele Männer der letzte glückliche und unbeschwerte Moment ihres Lebens sein. Jeder Tag ohne Krieg ist ein guter. Und jeder Tag ohne Fußball ist ein verlorener. Frohe und besinnliche Weihnachten!

Quelle: n-tv.de

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