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Der Bundesliga-Check: Frankfurt Wenn Kovac Azteken über die Latte zieht

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Fünf Euro ins Phrasenschwein: Der Star ist bei der SGE nicht das Team, sondern der Trainer.

In der Hinrunde auf Champions-League-Kurs, in der Rückrunde Bundesliga-Schlusslicht: Das war Frankfurt in der Vorsaison. Ein Dutzend Neuzugänge später zittert die SGE um Trainer Kovac, Torwart Hradecky und träumt von Europa.

Wenn die Eintracht in der Rückrunde der Vorsaison nicht so katastrophal gespielt hätte ... Wenn Torjäger Alex Meier nicht so oft verletzt gewesen wäre ... Wenn die anderen Stürmer mehr getroffen hätten ... Wenn man im Pokalfinale nicht auf Borussia Dortmund getroffen wäre ... Tja, dann würde die Frankfurter Eintracht jetzt mindestens in der Europa League spielen. Tut sie aber nicht. Aber die Horror-Rückrunde - kein Team holte weniger Punkte - steckt vielen Fans noch in den Knochen. Was bleibt, ist die Tatsache, dass der Konjunktiv noch immer der beste Freund der Eintracht ist.

Was gibt's Neues?

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Sebastian Haller, 23 Jahre: die neue Sturmhoffnung der Eintracht

(Foto: picture alliance / Andre Hirtz/d)

Die Eintracht hat wieder einmal ein nahezu komplett neues Gesicht: 12 Zugängen - davon 3 aus der eigenen U19 - stehen 9 Abgänge gegenüber. Gut, das gab es in etwa auch schon in der Vorsaison. Aber diesmal hat die Eintracht richtig Geld in die Hand genommen: Der bisherige Rekordtransfer, die Älteren erinnern sich vielleicht noch, hieß César Alves dos Santos, kurz Caio - 3,8 Millionen Euro. Mit dem französischen Stürmer Sebastian Haller für 7 Millionen Euro und dem Linksverteidiger Jetro Willems für 5 Millionen pulverisieren gleich zwei Neue diesen Uraltrekord von 2008.

Insgesamt investierte die SGE bisher netto rund 10 Millionen Euro. Das hätte es unter Heribert Bruchhagen wohl nicht gegeben. Und könnte sich auch jetzt noch ändern, denn Fan-Liebling und Torwart-Ikone Lukas Hradecky steht nach nur einer Saison vor dem Abschied. 2018 ablösefrei, fordert die SGE bei einem Wechsel jetzt noch 5 Millionen Euro für den finnischen Nationalkeeper. Portugals Meister Benfica Lissabon soll dennoch großes Interesse an der "Spinne" haben. Sportlich wäre ein Abgang Hradeckys ein herber Rückschlag. Der zurückgeholte Ex-Frankfurter Jan Zimmermann wurde als Nummer zwei verpflichtet. Wenn Hradecky ginge, müsste der Verein noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv werden. Wenn ...

Auf wen kommt es an?

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Spielten bereits gemeinsam bei den Bayern: Robert (l.) und Niko Kovac.

(Foto: picture alliance / dpa)

Schlüssel zum Erfolg ist wie in der Vorsaison das Trainerteam um Niko Kovac. Sie schafften es, aus einer bunt zusammengewürfelten Mannschaft ein Team zu formen, das in der Hinrunde um die Champions League mitgespielt hat. Kovac behielt auch in der katastrophalen Rückrunde die nötige Ruhe, er strahlte sie aus, lebte sie vor und trotz immer neuer Rückschläge schaffte er es, das Team zu erreichen. Die starke Leistung im dennoch verlorenen Pokalfinale war der letzte Beweis, dass die SGE mit Kovac den richtigen Trainer verpflichtet hat.

Erfolg weckt ja bekanntlich Begehrlichkeiten. Und - wieder sind die Älteren gefragt - es gab da ja mal einen spektakulären Trainertausch zwischen Eintracht Frankfurt und Bayern München. November 1977, nachdem die Eintracht 2:0 gegen die Bazis gewinnen hatte, standen die auf einem Abstiegsplatz. Im Anschluss ging Dettmar Cramer zur SGE und Gyula Lorant samt Assistenztrainer Pal Csernai an die Säbener Straße. Das könnte in dieser Saison wieder drohen: Die Bayern-Vorbereitung verlief grottig. In der Vorsaison gab es nur die Meisterschaft für Carlos Ancelotti. Sein Stuhl dürfte bereits angesägt sein. Kovac wiederum hat "Bayern-Gene". Gut, ob der Ancelotti zur SGE gehen würde, ist ziemlich unwahrscheinlich. Aber Kovac bei den Bayern, das ist durchaus vorstellbar. Ein Horror für alle SGE-Fans.

Neben dem Trainer stehen vor allem drei Neue im Fokus: Sebastian Haller als neuer Knipser im Sturm, Jetro Willims als pfeilschneller Bastian Oczipka-Ersatz und Carlos Salcedo in der Innenverteidigung. "Die Azteken sind etwas ganz Besonderes", so Trainer Kovac über Salcedo. Mit ihm hat die Eintracht einen weiteren Mexikaner im Team. Ebenso ballsicher wie Marco Fabian, aber ruhiger in seinem Spiel. Der Abwehr, der wichtige Grundpfeiler von Kovac' Spiel, sollte das gut tun. Mit Daichi Kamada und Jonathan de Guzman ist die SGE zudem in der Offensive viel flexibler.

Was fehlt?

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Mit gesundem Fußballgott Meier Richtung Europa?

(Foto: picture alliance / dpa)

Wenn man das alles so liest, klingt es, als ob die Frankfurter Eintracht wunschlos glücklich wäre. Ist sie natürlich nicht. Das Fragezeichen hinter Hradecky sorgt momentan noch für Unruhe. Geht er, fehlt nicht nur ein Torwart von Weltklasse, sondern auch eine Identifikationsfigur für die Fans. Hradeckys Leistungen und sein Auftreten machten ihn zum Fan-Liebling. Diese Rolle kommt dann nur noch Fußballgott Alex Meier und Marco Russ zu. Russ ist kein Stammspieler mehr, Meier plagen immer wieder Verletzungen. Das Gleiche gilt für Marc Stendera und Danny Blum. Salcedo, Kamada und Haller kämen von den Neuen für diese Rolle infrage.

Wie lautet das Saisonziel?

"Wir wollen jeden einzelnen Spieler besser machen. Das ist uns vergangene Saison ganz gut gelungen." Soweit stimmt alles, Nico Kovac. "Unsere Latte ist niedriger als bei anderen Vereinen. Aber wir haben noch Luft nach oben. Wir haben aber noch Zeit." Naja, mag sein, dass die Latte der SGE wirklich niedriger hängt als bei anderen Vereinen, das lässt sich als Außenstehender, wie es so schön heißt, nicht beurteilen. Aber: Bei der Eintracht ist es wie beim FC: Die Träume der Fans fliegen immer höher, als die Mannschaft blicken kann.

Dennoch: "Ich bin schon der Meinung, dass wir uns mit den Spielern, die wir verpflichtet haben, qualitativ verstärkt haben." Das sieht das Team nach eigenem Bekunden übrigens auch so, die Fans allemal. Liest man bei Kovac zwischen den Zeilen, hat die SGE wieder nichts mit dem Abstieg zu tun - und will mindestens Platz zehn erreichen. Von da ist es ja auch nicht mehr weit bis nach Europa ...

Die Prognose von n-tv.de

Da wären wir wieder: Der Konjunktiv ist der beste Freund der SGE. Denn: Wenn Hradecky bleibt; wenn Meier eine Saison gesund durchspielt; wenn der neue Franzosen-Stürmer Haller einschlägt; wenn die neu formierte Abwehr steht wie in der Hinrunde der Vorsaison; wenn Trainer Kovac bei der Eintracht bleibt; wenn man in der Winterpause vielleicht noch einmal Jesús Vallejo aus Madrid ausleiht - dann wird das eine Riesensaison für die Eintracht. Dann hängt die von Kovac beschriebene Latte der SGE nicht mehr ganz so niedrig. Oder wie der Eintracht-Fan singen würde: "Europapokal, Europapokal, Europapokal, EUU-ROO-PAA-POKAL!

Quelle: n-tv.de

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