Fußball

Der Waldhof auf den Betzenberg Wenn der Fußball über die Dummheit siegt

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Es ist Derby: Fans des 1. FC Kaiserslautern auf dem Betzenberg.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

Vor dem Südwest-Derby zwischen Kaiserslautern und dem SV Waldhof drohen Krawalle der rivalisierenden Anhänger. Ein großes Polizeiaufgebot und besonnene Fans sorgten dann aber dafür, dass der Sport in den Fokus rücken konnte. Nur einige verlieren die Nerven.

Ganz am Ende verloren doch noch einige Fans des SV Waldhof die Nerven. Das führte aber nicht zu der befürchteten Randale, sondern dazu, dass kurz vor dem Hauptbahnhof in Mannheim nichts mehr ging. Bei der Fahrt der etwa 2000 Fans des ehemaligen Fußball-Bundesligisten mit dem Zug nach Kaiserslautern und zurück hatte es an diesem Sonntag bei der Deutschen Bahn bereits einige Pannen und Verspätungen gegeben, und schließlich blieb einer von zwei Sonderzügen bei der Rückkehr 500 Meter vor dem Bahnsteig stehen. Nach mehr als 20 Minuten Wartezeit und ohne Durchsage des Personals öffneten einige Anhänger die Türen des Zuges und liefen über die Gleise nach Hause.

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Mehr als 5000 Mannheimer in Kaiserlautern.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

Die unüberlegte Aktion sorgte für Chaos im Nah- wie Fernverkehr, blieb aber der einzige nennenswerte Zwischenfall außerhalb des Stadions beim Südwest-Derby zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem SV Waldhof Mannheim in der dritten Liga. Die Polizei hatte einen leicht verletzten Kollegen gemeldet und musste eine Handvoll Platzverweise aussprechen. Angesichts der Brisanz, die dem Duell vorher zugesprochen wurde und den gegenseitigen Provokationen vor dem Spieltag, liest sich diese Bilanz erfreulich. Bei den Dorffesten entlang der Weinstraße in der Pfalz ist regelmäßig mehr los.

Das war so von den Allermeisten nicht erwartet worden. Die "Allgemeine Zeitung" aus Mainz hatte gemutmaßt, dass eher mit einem Spielabbruch als mit einem Fußballfest zu rechnen sei. Die Kommentare beschäftigten sich mit Randale, mit Chaoten und Horden von Krawallbrüdern. Letztlich kam es anders. Die Strategie der Polizei, Präsenz zu zeigen, Ausschreitungen im Keim zu ersticken und durch strikte Trennung der rivalisierenden Anhängerschaften ein Aufeinandertreffen von FCK- und SVW-Fans zu verhindern, erwies sich als klug und richtig. Am Ende durften sich mehr als 36.000 Zuschauer - darunter waren mehr als 5000 Mannheimer - im traditionsreichen Fritz-Walter-Stadion mit der sportlichen Rivalität befassen und für eine tolle Atmosphäre auf dem Betzenberg sorgen.

Wenn Fans zu Tierquälern werden

"Ich hatte einige Gänsehautmomente", räumte Lauterns Trainer Sascha Hildmann ein. Der Waldhöfer Marcel Seegert, ein gebürtiger Mannheimer, war froh, nach dem Spiel ebenfalls ausschließlich über sportliche Dinge sprechen zu können. "In einem Derby zieht man nicht zurück", sagte der 25 Jahre alte Innenverteidiger, der den Platz nach einem Zusammenprall mit einer blutenden Platzwunde verlassen hatte, die mit einem Kopfverband abgedeckt werden musste. Ein rassiges Derby endete zuvor leistungsgerecht 1:1 (1:1), was dem Aufsteiger aus Mannheim, der saisonübergreifend seit 29 Ligapartien nicht verloren hat, mehr hilft als den ambitionierten Lauterern, die im Tabellenmittelfeld festhängen.

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Huhu!

(Foto: imago images / Jan Huebner)

Für Traditionalisten war das Südwest-Derby ein Leckerbissen, denn unappetitlich war es nur im Vorfeld, als beide Fangruppen mit provokanten Aktionen für Unverständnis sorgten. Zunächst schlug eine Gruppe Menschen, die dem Fanumfeld der Mannheimer zugerechnet werden müssen, am Elf-Freunde-Kreisel in Kaiserslautern, der an die Weltmeister von 1954 erinnert, am Fuße des Betzenbergs zwei Beton-Figuren den Kopf ab.

Die sinnfreie Revanche erfolgte zwei Tage vor dem Spiel, als unweit des Carl-Benz-Stadions in Mannheim ein mit Anti-Waldhof-Parolen beschmiertes Schwein ausgesetzt wurde. Aus Fans waren Vandalen und Tierquäler geworden. Durch die lange Pause des Derbys hatte sich viel Dummheit aufgestaut. 22 Jahre hatte es kein Ligaduell mehr gegeben, 18 Jahre blieb es nach einem Pokalspiel im Jahr 2001 ohne direktes Aufeinandertreffen der Klubs, die in erst in den 1980er Jahren zu Rivalen geworden waren.

Nach dem Bundesliga-Aufstieg der Waldhöfer waren aus Nachbarn plötzlich Konkurrenten geworden, die nicht nur auf dem Platz um Punkte, sondern zusätzlich um Zuschauer und Aufmerksamkeit stritten. Dass die Mannheimer sechs Jahre lang ins Südwest-Stadion nach Ludwigshafen ausweichen mussten, weil es in der eigenen Stadt keine bundesligataugliche Arena gab, heizte die aufkeimende Rivalität an, war aber nicht ausschlaggebend für sie. Und am Ende verloren nur einige die Nerven.

Quelle: n-tv.de