Fußball

"Tor zum Halbfinale aufgestoßen" Wenn gut für die Bayern nicht gut genug ist

Der deutsche Rekordmeister Bayern München siegt zum ersten Mal seit 2013 wieder in Spanien. Die Heynckes-Truppe weiß aber nach der Leistung gegen den FC Sevilla, dass sie noch nicht reif ist für den Triumph in der Champions-League.

Am Ende haben sich die Gäste ziemlich breit gemacht. Jedenfalls auf der einen Seite des Platzes. Da flogen Trikots und Kusshändchen auf die Tribüne. Es schien so, als ob so manch ein Spieler des FC Bayern gar nicht mehr weg wollte aus dem Stadion Ramón Sánchez Pizjuán. Thiago stand noch minutenlang auf dem Rasen, als die Kollegen schon verschwunden waren. Er ließ den Blick noch einmal schweifen, ehe er sich dann ebenfalls in die Kabine zurückzog. 

Der deutsche Rekordmeister gewann den kleinen Hexenkessel offenbar doch noch lieb, nachdem er zu Beginn des Viertelfinalhinspiels der Champions League beim FC Sevilla ein wenig gefremdelt hatte. Statt eines rauschenden Fußballfestes gab es einen glanzlosen Arbeitssieg, aber das 2:1 ist dennoch "eine wunderbare Ausgangslage" für das Rückspiel acht Tage später in München, wie Innenverteidiger Mats Hummels findet. "Wir haben das Tor zum Halbfinale weit aufgestoßen", sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge in der obligatorischen Bankettrede.

Mit Anfangsschwierigkeiten

Zum ersten Mal seit 2013 haben die Münchner wieder bei einem spanischen Klub gewonnen und sind damit dem Ziel Champions-League-Finale noch ein kleines Stück nähergekommen. Aber Anlass zur riesigen Begeisterung gibt das Ende dieser Negativserie auf der iberischen Halbinsel nicht. Thomas Müller sprach von einem Spiel "mit vielen verschieden Momenten" - ein paar guten, aber auch einigen schlechten. "Dingen, die wir nicht gerne sehen".

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Die Ansprüche der Bayern sind hoch, eine Steigerung muss her, wie Coach Heynckes verlangt - trotz 2:1-Sieg in Sevilla.

(Foto: picture alliance / Sven Hoppe/dp)

Dazu gehört die Leistung in der ersten Hälfte, als die Mannschaft, die drei Tage zuvor Borussia Dortmund mit 6:0 gedemütigt hatte, sich viele Ballverluste  im Aufbauspiel leistete, damit den Gegner zu Kontern einlud und prompt das 0:1 durch Pablo Sarabia kassierte.  Auf der anderen Seite ließen die Bayern Zielstrebigkeit im Spiel nach vorne vermissen, ehe sie durch Jesus Navas' Eigentor zunächst glücklich zum Ausgleich und schließlich verdient zum Siegtor von Thiago kamen, weil sie in der zweiten Hälfte den Gegner im Griff hatten.    

Alaba kurzfristig raus

Es spricht für eine Spitzenmannschaft wie Bayern, dass sie Defizite erkennt und anpacken kann. Aber in diesem Fall kamen die Impulse für die Wende von außen, genau genommen von der Bank. Trainer Jupp Heynckes musste wegen Verletzungen früh zwei Wechsel vornehmen, von denen er später sagte, dass sie das Spiel seiner Mannschaft belebt hätten. Wobei sich weniger der Tausch von Arturo Vidal (Knieprobleme) gegen James Rodriguez auswirkte als der auf der rechten Abwehrseite.

Da war Juan Bernat kein gleichwertiger Ersatz für David Alaba, der kurzfristig wegen Rückenbeschwerden hatte passen müssen. Der Spanier verhielt sich nicht nur bei Sevillas Führungstreffer reichlich naiv, sondern destabilisierte die Viererkette insgesamt. Er hätte womöglich auch ohne die Fleischwunde Platz machen müssen für Rafinha. 

Heynckes: "Müssen uns steigern"

Aufgrund fehlender nationaler Konkurrenz und dank Losglück sowohl im Achtel- als auch nun im Viertelfinale hat sich der FC Bayern seit Jupp Heynckes' Rückkehr im Oktober noch keiner richtig großen Herausforderung stellen müssen. Der FC Sevilla ist nicht mehr als eine grundsolide Mannschaft, die obendrein in der zweiten Hälfte physisch stark nachließ.

Deshalb genügte eben den Münchnern auch eine durchschnittliche Leistung, um die Spanier zu besiegen. Der Auftritt in Andalusien hat den ambitionierten  Münchnern aber vor Augen geführt, dass es gegen Mannschaften wie Manchester City oder Real Madrid knapp werden könnte. "Wenn wir die Champions League gewinnen wollen, müssen wir uns steigern", weiß Trainer Heynckes.

Ähnlich selbstkritisch ist Hummels. "Es war gut, es war okay", sagte der Innenverteidiger. "Aber mit gut und okay" schaffe man den ganz großen Triumph nicht. "Da müssen wir in den hoffentlich noch vier Spielen an unser Leistungsmaximum kommen."

Quelle: n-tv.de

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