Fußball

Bald alle zwei Jahre eine WM? Widerstand gegen FIFA-Revolution bröckelt

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Gianni Infantino (u.r.) und Arsene Wenger (o.r.) am beim WM-Qualifikationsspiel Iran gegen Irak in Doha.

(Foto: imago images/Xinhua)

Die FIFA ruft und alle kommen. Am Donnerstag und Freitag soll in Katar über die Zukunft des Fußballs beraten werden. Etliche Stars verleihen dem Treffen Glanz. Eines der bestimmenden Themen der Konferenz dürfte die geplante WM-Revolution werden. Noch gibt es Widerstand aus Europa, doch der bröckelt.

Im erbitterten Ringen um ihre WM-Revolution fährt die FIFA ganz große Geschütze auf. Ronaldo, Didier Drogba und Marco van Basten, aber auch den deutschen Weltmeister Sami Khedira oder Brasiliens Roberto Carlos - sie alle hat der Weltverband in Doha zusammengerufen. Zwei Tage lang sollen die Stars offiziell über die "Zukunft des globalen Fußballs" beraten. Doch selbstverständlich erhofft sich die FIFA vor allem prominente Unterstützung in der heiklen WM-Frage.

Mit den Stimmen von knapp 40 Fußballgrößen will sie ihre umstrittene Idee von Weltmeisterschaften im Rhythmus von zwei statt vier Jahren entscheidend vorantreiben, am Donnerstag informiert die FIFA die Öffentlichkeit nach Abschluss der Beratungen der Expertengruppe in Katar über die "neuesten Erkenntnisse". Vor allem gilt es, die erbosten Widerständler aus Europa zu übertönen.

Denn die Kritik nimmt immer mehr zu. Nach UEFA-Präsident Aleksander Ceferin ("Würde das Turnier entwerten") meldete sich nun auch die organisierte Fanszene lautstark zu Wort. So betonte das Bündnis Football Supporters Europe, zu dem auch drei deutsche Fan-Zusammenschlüsse gehören, in einer Stellungnahme: "Die überwältigende Mehrheit der Fans ist gegen eine alle zwei Jahre stattfindende WM."

"Keine Tabuthemen"

Derzeit führt die FIFA eine Machbarkeitsstudie zu einer Verkürzung des WM-Zyklus durch. Offiziell soll diese ergebnisoffen sein - doch an einem positiven Signal wird kaum gezweifelt. FIFA-Präsident Gianni Infantino gilt als großer Verfechter dieser Idee. Am Montag hatte der Schweizer schon gesagt, dass es "keine Tabuthemen" geben dürfe und man den internationalen Rahmenkalender "fundamental überdenken" müsse.

Dass die Beratungen von FIFA-Entwicklungsdirektor Arsene Wenger mit den Stars der Szene dieser Tage in Katars Hauptstadt abgehalten werden, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Schließlich ist die dort im kommenden Jahr stattfindende Wüsten-Endrunde nicht minder umstritten als ein neuer WM-Zyklus. Die Aussicht auf eine gewaltige Einnahmen-Steigerung durch die häufigere Austragung ihres Premiumevents lässt die FIFA aber bei aller Kritik kalt bleiben.

Vordergründig schmückt sich die FIFA mit hehren Zielen. Der Fokus der Tagung in Katar liege lediglich darauf, "den Fußball wirklich zu globalisieren und allen Talenten und Ländern eine Chance zu geben". Doch natürlich wird es dabei vor allem um die WM-Frage gehen - schließlich hatte Tagungsleiter Wenger, den der offiziell neutral auftretende Infantino gerne vorschickt, schon ordentlich die Werbetrommel gerührt.

Widerstand bröckelt

Wenn auch nach Ansicht der europäischen Fanszene mit fadenscheinigen Argumenten. Denn Wengers Aussage, dass eine häufiger ausgetragene WM auch der Wunsch der Fans sei, wiesen die Football Supporters Europe "kategorisch zurück". "Wenn die FIFA sich die Mühe gemacht hätte, mit uns über dieses Thema zu sprechen, dann wüsste sie das auch", hieß es. Auch Michael Gerlinger, Direktor Recht beim deutschen Rekordmeister Bayern München und Vize-Vorsitzender der Europäischen Klubvereinigung ECA, ist kein Freund der FIFA-Idee. Für eine WM im Zwei-Jahres-Rhythmus gebe es "keinen Platz im aktuellen Kalender", sagte er am Dienstag, deshalb sei dies derzeit "unmöglich zu bewerkstelligen".

Doch die FIFA hat schon außerhalb Europas viele wichtige Allianzen geschmiedet. Afrikas Kontinentalverband CAF hat sich bereits für eine Verkürzung des WM-Rhythmus ausgesprochen, auch aus Asien gibt es Unterstützung. Aber auch in Europa bricht der Widerstand. Englands Nationaltrainer Gareth Southgate steht der Idee zumindest "offen" gegenüber, der französische Verband soll laut Medienberichten ebenfalls seine Haltung überdenken. Und die FIFA drängt auf eine schnelle Entscheidung. Nach Wengers Wunsch, den er gegenüber der L'Equipe äußerte, soll diese schon bis Jahresende fallen.

Quelle: ntv.de, sue/sid

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