Fußball

Lampard pokert gegen FC Bayern Wohin mit dem teuersten Torwart der Welt?

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Kepa Arrizabalaga ist jetzt nur noch Ersatz-Torwart.

(Foto: imago images/PA Images)

Der Spanier Kepa Arrizabalaga hat so viel gekostet wie kein Keeper vor ihm. Doch vor dem Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Bayern verliert der 25-Jährige seinen Stammplatz beim FC Chelsea. Eine Entscheidung, die Trainer-Neuling Frank Lampard unter Druck setzt.

Viel war die Rede von einem Denkzettel, den Frank Lampard ausstellen wolle, und von einem Zeichen, das er zu setzen versuche. So deuteten Fans und Fachpublikum die Entscheidung des Chelsea-Trainers, im Premier-League-Spiel vor dreieinhalb Wochen bei Leicester City (2:2) auf den formschwachen Stammtorwart Kepa Arrizabalaga zu verzichten und ihn durch den 38 Jahre alten Willy Caballero zu ersetzen. Das Manöver werde eine einmalige Angelegenheit bleiben und die 13 Jahre jüngere Nummer eins danach wieder ihren Platz einnehmen, mit geschärften Sinnen und dem Drang, sich zu beweisen - das war die allgemeine Erwartung. Die hat sich als falsch erwiesen.

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Caballero darf mit 38 Jahren plötzlich wieder das Tor hüten.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Caballero hat danach auch die Partien gegen Manchester United (0:2) und Tottenham Hotspur (2:1) bestritten und dürfte im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League an diesem Dienstag gegen den FC Bayern erneut das Tor der Blues bewachen. Der im August 2018 bei seinem Wechsel von Athletic Bilbao mit einer Ablösesumme von 80 Millionen Euro zum teuersten Torwart der Welt aufgestiegene Kepa ist neuerdings nur noch der teuerste Ersatz-Torwart der Welt. "In diesem Job muss man jeden Tag Entscheidungen treffen. Keine davon ist leicht. Aber wir brauchen Wettbewerb", so Ex-Profi Lampard. Das klingt schlüssig, und in der Tat liegen ja auch sportliche Argumente dafür vor, Kepa das Startelf-Mandat zu entziehen. Trotzdem ist die Personalie problematisch für den FC Chelsea.

Kepa hält keine Unhaltbaren

Als der Klub aus dem Londoner Südwesten vor anderthalb Jahren die Rekordsumme für Kepa zahlte, geschah das in der Hoffnung, langfristig über einen Torwart von Weltklasse-Format zu verfügen, genau wie die Liga-Rivalen Manchester City mit Ederson, der FC Liverpool mit Alisson oder Manchester United mit Kepas spanischem Nationalmannschafts-Konkurrenten David De Gea. Und genau wie es ja auch bei Chelsea jahrelang der Fall gewesen war mir Petr Cech und Thibaut Courtois. Doch dieser Plan ging bislang nicht auf. Kepa verursachte großes Aufsehen, als er im Ligapokal-Finale vor einem Jahr seine Auswechselung verweigerte, und hat auch in seiner zweiten Spielzeit an der Stamford Bridge nicht das erwartete Niveau erreicht.

Der 25 Jahre alte Baske macht keine komödiantischen Fehler, er ist kein Pleiten-Pech-und-Pannen-Keeper. Aber er hält eben auch fast nie einen so genannten Unhaltbaren und ist für den teuersten Torwart der Welt zu leicht zu bezwingen. Vor allem bei Schüssen aus mittlerer bis größerer Entfernung macht er oft einen unglücklichen Eindruck.

"Wollen alle das Beste"

Den 80-Millionen-Mann auf die Bank zu setzen - das ist die bisher schwerwiegendste Entscheidung von Trainer-Neuling Lampard, der seit dieser Saison den Verein betreut, mit dem er 2012 gegen den FC Bayern die Champions League gewann. "Super Frank", wie ihn Chelseas Fans schon in seiner Zeit als Profi gerufen haben, pokert hoch. Denn wenn ein Klub so viel Geld für einen Spieler bezahlt wie es der aktuelle Tabellenvierte der Premier League für Kepa getan hat, dann ist die Erwartung, dass er auch spielt. Angeblich bekommt Lampard sogar intern Druck, seinen Torwart-Tausch rückgängig zu machen. Der Trainer bestreitet das: "Das füllt die Schlagzeilen, aber ich bin absolut auf einer Linie mit dem Vorstand. Wir wollen alle das Beste." Allerdings ist zweifelhaft, ob Caballero dafür die richtige Wahl ist.

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Lampard und Kepa sollen nicht das beste Verhältnis haben.

(Foto: imago images/Action Plus)

Der Argentinier ist eine solide Nummer zwei, ein erfahrener und unkomplizierter Vertreter seines Fachs, der sich im Normalfall mit ein paar Spielen im Pokal zufrieden gibt. Allerdings dürfte es vielen Chelsea-Fans schaudern bei dem Gedanken daran, dass Caballero in der Champions League gegen den FC Bayern unter anderem Topstürmer Robert Lewandowski am Erfolg hindern soll. Schon beim Spiel neulich in Leicester war zu besichtigen, dass der Torwart höchsten Ansprüchen nicht genügt, als er vor dem zweiten Gegentreffer durch Ben Chilwell hilflos durch den Strafraum irrte. Außerdem ist Caballero in seinem hohen Alter keine Lösung für die Zukunft.

Mittelfristig wird entweder Kepa zwischen die Pfosten zurück kehren - oder der Verein sich auf dem Transfermarkt nach einer neuen Nummer eins umschauen müssen. Verschiedene Medien berichten, dass Lampard die zweite Variante bevorzugt. Als Kandidaten werden unter anderem Englands Ersatztorwart Nick Pope vom FC Burnley und André Onana von Ajax Amsterdam genannt. Dass Chelsea bei einem möglichen Weiterverkauf seines spanischen Rekord-Keepers nur annähernd die gezahlte Ablösesumme wieder einspielt, muss als ausgeschlossen gelten.

Quelle: ntv.de