Fußball

Unterwürfige Leverkusener kapitulieren vor Superstar Zlatan Ibrahimovic sorgt für ein Déjà-vu

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Wie Bilder täuschen können: Zlatan Ibrahimovic vor der Partie in Leverkusen. Anschließend machte er, was er wollte. Weil er es kann.

(Foto: imago/Schwörer Pressefoto)

Schon wieder gehen die Fußballer von Bayer Leverkusen in einem großen Spiel unter. Das 0:4 gegen Paris St.-Germain bedeutet das Champions-League-Aus und offenbart ein psychologisches Problem. Nur Zlatan Ibrahimovic hat Spaß.

Der Weg nach Lissabon führt von Leverkusen aus gesehen über Paris. Geografisch, aber auch sportlich. Ende Mai, wenn in Portugals Hauptstadt das Champions-League-Finale stattfindet, wäre sicherlich auch Bayer 04 Leverkusen gerne vor Ort. Doch nach dem gestrigen Abend ist dieses Ziel in so weite Ferne gerückt, als müssten die Leverkusener die 2.200 Kilometer aus dem Rheinland zu Fuß nach Portugal marschieren. Mit 0:4 unterlagen sie im Hinspiel des Achtelfinales gegen Paris St.-Germain. Das Rückspiel im Pariser Prinzenparkstadion in drei Wochen ist nahezu bedeutungslos. Es war eine Demütigung vor heimischem Publikum. Es war ein Déjà-vu.

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Tor für Paris: Zlatan Ibrahimovic nach seinem Treffer per Foulelfmeter.

(Foto: dpa)

Als Bayers Kapitän Simon Rolfes in der Pressekonferenz v or dem Spiel an die herben Champions-League-Niederlagen gegen große Gegner erinnert wurde (1:7 gegen den FC Barcelona, 0:5 gegen Manchester United), versicherte er zuversichtlich, dass solche Spiele die absolute Ausnahme seien. Diesmal stimme die Einstellung, sagte er bestimmt. Im gestrigen Spiel dann war es Rolfes, der mit seinem Ballverlust nach zwei Minuten in der eigenen Hälfte das frühe 0:1 durch Matuidi begünstigte. Auch danach gelang ihm nicht viel. Trainer Sami Hyypiä nahm ihn zur Pause raus. Die Einstellung stimmte nicht. "Ich hoffe, dass mit dem frühen Tor nicht schon wieder etwas passiert ist in den Köpfen", sagte Hyypiä später zerknirscht. Doch jeder im Stadion konnte sehen, dass genau das eingetreten war – schon wieder. Dabei hatte Zlatan Ibrahimovic noch gar keine richtige Lust am Spiel gefunden.

Das unterwürfige Zweikampfverhalten, das Bayer Leverkusen regelmäßig gegen namhafte Gegner demonstriert, es zeigte sich besonders in der ersten Hälfte. Und besonders Ibrahimovic ist ein Spieler, der solche Unsicherheit beim Gegner gnadenlos auszunutzen weiß. Wer vorher all die skurrilen Faktensammlungen über ihn gelesen hatte (15 Millionen Euro Jahresgehalt, Schuhgröße: 47), seine großmauligen Sprüche gelesen ("Ich bin Gott"), seine Bilanzen studiert (acht Tore in der Vorrunde), Hyypiäs Warnung vernommen ("Er macht aus dem Nichts ein Tor") und vermutlich auch noch die Wortneuschöpfung in seiner Heimat zur Kenntnis genommen hatte (2012 wurde "Zlatanera" ins schwedische Wörterbuch aufgenommen, es bedeutet: auf und neben dem Platz mit Kraft dominieren), der glaubte an diesem Abend an eine selbsterfüllende Prophezeiung: Wie konnte es denn anders kommen, als dass dieser Spieler gegen Bayer Leverkusen einfach da weitermacht, wo er in der Vorrunde aufgehört hatte?

"Eine Niederlage in der Höhe sieht immer blöd aus"

In der 39. Minute verwandelte er also lässig einen Foulelfmeter, den Emir Spahic an Lavezzi verursacht hatte. Und drei Minuten später, gut, da stand die Bayer-Verteidigung wirklich dicht gedrängt im Strafraum, kein Durchkommen möglich, außer natürlich er würde direkt von der Strafraumkante schießen, und ok, aber dann müsste er den Ball so hart schießen und so perfekt treffen, dass der über alle Köpfe hinwegfliegt und, ok, aber dann müsste auch noch Bernd Leno im Tor hinterherfliegen und, ja. Dann rauschte der Ball in den Winkel. 3:0. Ein Wahnsinnstor. Schon wieder. "Ich denke, entschieden war das Spiel in der ersten Halbzeit", sagte Bayers Verteidiger Ömer Toprak. Hyypiä pflichtete ihm später bei. Zwar wechselte er zur Halbzeitpause gleich doppelt, doch das brachte nur die Erkenntnis, dass der 17-jährige Winterzugang Julian Brandt wohl zu recht als großes deutsches Talent gelobt wird. Das Leverkusener Phlegma der Unsicherheit gegen große Namen hat ihn offenbar noch nicht erfasst, Brandt trat mutig auf. Auch Ballverluste änderten daran nichts. Zeitweise konnte er seine Kollegen sogar mitreißen, fünfzehn Minuten lang wehrten sich die Hausherren mit Grätschen und Tacklings.

Die Niederlage war da aber natürlich schon besiegelt, die gelb-rote Karte für Spahic (59.) tat ihr Übriges. Zwei Minuten vor Schluss schloss der eingewechselte Cabaye einen Angriff mit dem 4:0 ab; Ibrahimovic hatte mit einem feinen Lupfer im Strafraum auf Maxwell vorgelegt. "Wir hatten heute wirklich Spaß", sagte der Schwede nach dem Spiel. Man konnte es ihm ansehen. "Vielleicht muss ich für morgen ein paar Psychologen herholen", sagte Hyypiä. Es sollte ein Witz sein. Aber das psychologische Problem dieser Mannschaft wird für Hyypiä allmählich ernst. "Es ist das erste Mal, seit ich hier Trainer bin, dass wir so eine Periode haben", sagte er. Für die negativen Ergebnisse habe er "keine Erklärung". Die Mannschaft brauche "neues Selbstvertrauen." Denselben Spruch hörte man auch schon nach dem Aus im DFB-Pokal gegen Kaiserslautern. Und auch Rudi Völlers Durchhalte-Parolen klangen vertraut: Man sei heute an die Grenzen gestoßen, aber "eine Niederlage in der Höhe sieht natürlich immer blöd aus". Schon wieder.

Quelle: n-tv.de

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