Redelings Nachspielzeit

Redelings über Norbert Pflippen Der Fips Asmussen unter den Spielerberatern

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Für seine Sprüche bekannt: Spielerberater Norbert Pflippen 1991 in seinem Büro.

Eigentlich ist er zeitlebens mehr Entertainer denn Spielerberater. Superstar Günter Netzer wird sein erster Kunde und der Berater selbst schon bald zu einer schillernden Legende. Heute vor acht Jahren starb Norbert Pflippen.

"Kennen Sie den?", fragte der legendäre Spielerberater Norbert Pflippen in bewährter Fips-Asmussen-Manier auf seiner Webseite und erzählte den Witz ohne weitere Vorwarnung direkt drauflos: "Ein erfolgloser Mittelstürmer einer Fußballmannschaft stirbt. Als er in den Himmel kommt, wird er von Jesus gefragt: Mein Sohn, wie hast du bloß das Tor gefunden?"

"Diesen und unzählige weitere Kalauer hat Norbert Pflippen auf fünf Witze-Vinyl-Schallplatten veröffentlicht", vermeldete die Seite weiter. "Irre Spitze Flippi Witze", lautete einer der vielversprechenden Titel und auf den Covern wurde eindringlich mit einem rot unterlegten Hinweis "Nur für Erwachsene" gewarnt. Doch anders als der Alleinunterhalter Asmussen aus Hamburg verdiente Pflippen sein Geld eigentlich nicht im Showbusiness - auch wenn sich die Zeiten so geändert haben, dass man heute wohl davon sprechen würde, wenn man über den Fußballbetrieb redet. Pflippen war insofern einer der Vorreiter des "modernen Fußballs", der es verstand seinen Job als Spielervermittler öffentlichkeitswirksam auszuschmücken und durch den einen oder anderen amüsanten Spruch zu garnieren. Seine Eigenbeschreibung "Ich hab ‘ne Ecke ab", traf dabei wohl ins Schwarze.

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Im Jahr 2002 zeigt Pflippen stolz seine Klienten von Werders Torsten Frings bis Dortmunds Lars Ricken.

In den Siebzigerjahren fanden Pflippen und der Gladbacher Nationalspieler Günter Netzer zueinander. Der Legende nach auf der Bußgeldstelle der Stadt Mönchengladbach, wo der Autonarr Netzer und der damalige Angestellte Pflippen häufiger miteinander zu tun hatten. Fortan war der Bökelberg Pflippens’ Zuhause und die damaligen Profis der Fohlenelf bildeten den ersten Kundenstamm.

Auch in den späteren Spielzeiten kannte er jeden Gladbacher Jungen und wusste süffisant zu berichten, wo dessen Probleme lagen: "Seitdem Uwe Rahn aus Gladbach weg ist, spielt er wie ein arbeitsloser Lehrer. Er hat keine Klasse mehr." Als Berater kannte Pflippen jeden Trick. Heute eine Selbstverständlichkeit, doch damals musste sich der Mann aus Mönchengladbach noch jeden Kniff selbst beibringen. Und so flog er extra nach Mailand, als er eigentlich mit Juventus Turin verhandelte, damit jeder dachte, er würde mit Inter oder dem AC Geschäfte machen. Ideenreich wie Pflippen war, steckte er sich als Erkennungszeichen nicht etwa eine Rose ins Knopfloch, sondern besorgte sich rote Ferrari-Schuhe.

Ein Faxgerät für Jungstar Ballack

Dem aufstrebenden Jungstar Michael Ballack kaufte er damals sogar ein Faxgerät, um ihn als Kunden zu werben. Doch der kleine Verkaufstrick schlug fehl - der Görlitzer entschied sich für einen anderen Berater. Als Pflippen leicht angesäuert von Ballack wissen wollte, ob dieser glaube, dass er nur so zum Spaß Faxgeräte durch halb Deutschland schicken würde, legte dieser hörbar irritiert auf - und redete lange Zeit kein Wort mehr mit Pflippen.

Eines der ganz speziellen Markenzeichen von Flippi war seine jährlich neu aufgelegte Geburtstagskarte, mit der er einen umfangreichen, aber dennoch exklusiven Personenkreis zum Ehrentag beglückte. Stets mit viel Aufwand produziert, zeigten die Karten den Spielerberater in besonderen Situationen. Auf dem Höhepunkt seines Schaffens, im Jahr 1990, machte Flippi für alle den Flieger. An einem Autokran hängend, grüßte er auf seiner Karte die Geburtstagskinder mit folgendem Spruch: "Hatte in Mailand zu tun … wollte rechtzeitig zum Geburtstag gratulieren … Lufthansa und Alitalia ausgebucht … selbst geflogen." Ein anderes Mal zeigte er sich auf der Karte komplett in weißes Verbandszeug eingehüllt. Nur sein rechter Arm hielt mit letzter Kraft einen Telefonhörer an sein Ohr. Darunter stand der Kalauer-Spruch: "Ich wollte zum Geburtstag gratulieren und habe mehrfach versucht anzurufen. Aber immer war ich falsch verbunden."

"Habe mir Perücke und Lippenstift gekauft"

Man merkt: Der pfiffige Geschäftsmann hatte neben seinem Beruf als Berater noch das große Hobby als Alleinunterhalter. Und so war allgemein bekannt, dass Pflippen nie um einen Spruch verlegen war. Gerade für die Medien war er deshalb ein attraktiver Partner. Als einmal ein Journalist von Pflippen wissen wollte, ob er denn für die Vertragsverlängerung seines Mandanten Torsten Frings bei Werder eine üppige Provision erhalten habe, beantwortete er diese Frage entspannt wie amüsant: "Tsss! Damit kann ich ja schlecht kommen, wenn ich vorher gesagt habe, dass Torsten nach Turin geht. Aber vielleicht lädt mich Allofs zum Dank bei McDonalds zum Essen ein. Oder er mäht mir mal den Rasen."

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Pflippen mit Matthias Sammer und Boxer Henry Maske.

Dabei war allen Beteiligten eh klar gewesen, dass es einen Transfer in den Süden eigentlich gar nicht geben konnte - wie Pflippen einem Reporter launig gesteckt hatte: "Torsten Frings ist katholisch, der würde nie nach Italien wechseln. Da müsste er ja sonntags arbeiten." Obwohl stets mittendrin im bunten Bundesligazirkus galt für Pflippen eine goldene Regel - über die außerehelichen Abenteuer seiner Spieler wollte er partout nichts wissen. Sein Wahlspruch lautete: "Ich muss mich um das Geschäftliche kümmern, nicht um das Geschlechtliche!"

Als Norbert Pflippen vor acht Jahren verstarb, trauerten viele ehemalige Spieler wie Lothar Matthäus, Lukas Podolski und Matthias Sammer um ihren früheren Berater. Und Reiner Calmund erinnerte sich an den Tag zurück, als er nach Verhandlungen mit Gaby Schuster gemeint hatte, jeder Profi sollte am besten eine "Frau als Managerin haben". Pflippen habe daraufhin einen Journalisten angerufen und ihm gesagt: "Ich bin in den nächsten Laden und habe mir eine Perücke und einen Lippenstift gekauft." Der Reporter, so erzählte man sich noch später gerne, war sich im ersten Moment nicht ganz sicher, ob es tatsächlich ein Scherz von Pflippen gewesen sei.

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Quelle: n-tv.de

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