Redelings Nachspielzeit

Rose zum BVB, Terzic zum VfL? Der spektakulärste Tausch der Bundesliga

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Borussia-Trainer.

(Foto: imago images/Uwe Kraft)

Die Idee ist gar nicht einmal so neu, wie man zuerst vermuten würde. Schon vor über vierzig Jahren haben zwei Vereine mitten in der Saison ihre Trainer getauscht. Und auch wenn der Gedanke auf den ersten Blick kurios erscheint - warum eigentlich nicht?

Mitten in der Saison, von einem Tag auf den anderen sollen Marco Rose und Edin Terzic die Plätze tauschen? Ein Wechselspiel der Trainer von Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund? Was für eine aberwitzige Idee. Das ist doch komplett unmöglich - und hat es deshalb folgerichtig in der langen Geschichte der Bundesliga so auch noch nie gegeben!

Zugegeben: Kurios ist der Gedanke auf den ersten Blick in jedem Fall - aber tatsächlich hat sich genau so ein Tausch schon einmal ereignet. Erfolgreich war er damals nicht unbedingt. Doch das könnte dieses Mal anders sein.

Seit dem Wochenende gärt es in Dortmund und Mönchengladbach. Die Niederlagen des VfL zu Hause im Derby gegen den 1. FC Köln und von Borussia Dortmund in Freiburg haben die Diskussionen um die beiden Trainer dramatisch verschärft. Besonders Marco Rose ist in den Fokus der Kritik der eigenen Fans geraten. Die Anhänger der Borussia vom Niederrhein werfen ihrem Coach vor, die Niederlage im Derby fahrlässig durch eine überflüssige Rotation herbeigeführt zu haben.

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Vermutlich wären diese Vorwürfe in ihrer Art und Weise milder ausgefallen, wenn sich die Fans ihres Trainers noch sicher wären. Doch dadurch, dass Rose sich mit Treuebekundungen auffällig zurückhält, wird der Eindruck verstärkt, dass sich der frühere Coach von RB Salzburg spätestens zur nächsten Saison auf einer anderen Bank wiederfinden wird - als der von Borussia Mönchengladbach.

Bayern und Frankfurt machten es vor

Und dass diese Bank dann der Borussia aus Dortmund gehören wird, wird im Gegenzug dadurch untermauert, dass der BVB im Augenblick noch mit aller Macht die Spielzeit mit dem Nachfolger von Lucien Favre, Edin Terzic, beenden möchte. Für beide Vereine ist die aktuelle Lage brandgefährlich - denn die Spieler der Klubs haben ein feines Näschen dafür, wie es um den eigenen Verein bestellt ist. Und eine vakante Trainerposition, wie sie nun beide Klubs ohne Frage haben, ist in der Regel das perfekte Alibi für schwache Leistungen. Und das können sich weder die Borussia aus Mönchengladbach noch die aus Dortmund leisten.

In der Spielzeit 1977/78 hat es tatsächlich schon einmal einen solchen Trainertausch mitten in der Saison gegeben. Dettmar Cramer wechselte Ende November 1977 vom FC Bayern München zu Eintracht Frankfurt - und Gyula Lorant in die genau umgekehrte Richtung. Das Experiment, das die beiden Klubs damals eingingen, war nicht unbedingt von Erfolg gekrönt. In der Tabelle konnten sich weder die Bayern noch die Frankfurter verbessern. Doch das muss für den aktuellen Fall nichts heißen, weil die Voraussetzungen im Jahr 1977 bei den beiden Vereinen völlig andere waren als heutzutage beim BVB und der Borussia aus Mönchengladbach.

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Sofern man davon ausgeht, dass der Wechsel von Marco Rose nach Dortmund zur neuen Saison bereits feststeht, dann ergibt sich daraus eine vollkommen andere Situation als damals. Denn die Nachfragen und Gerüchte um diese Personalie wird Borussia Mönchengladbach nicht mehr einfangen können - es sei denn, dass Rose doch überraschend über die aktuelle Spielzeit hinaus am Niederrhein bleibt und seinen Vertrag in den nächsten Tagen noch einmal beim VfL verlängert. Doch realistisch ist das eher nicht.

Die Zukunft würde sofort beginnen

Und so hat Borussia Mönchengladbach in den restlichen Spielen ein fortdauerndes Problem. Genau so wie auch Borussia Dortmund. Beim BVB möchte man am liebsten vor der Verpflichtung von Marco Rose zur kommenden Saison keinen weiteren Trainer mehr engagieren. Ein ehrbares Ziel - das aber, wenn sich nicht fundamental auf dem Platz etwas ändern sollte, zum Scheitern verurteilt ist. Was sollen also beide Vereine tun? Und damit kehren wir zum Anfang des Textes zurück.

Ben Redelings ist ein leidenschaftlicher "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und Anhänger des ruhmreichen VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt im Ruhrgebiet und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Für ntv.de schreibt er dienstags und samstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Weitere Informationen zu Ben Redelings, seinen aktuellen Terminen und Projekten gibt es auf seiner Seite www.scudetto.de.

Auch wenn die Idee im ersten Moment eher abwegig erscheint, so verbirgt sich hinter einem sofortigen Trainertausch zwischen dem VfL und dem BVB ein ungeahntes Potenzial - mit überraschend wenig Risiken. Beide Seiten würden mit einem Schlag alle aktuellen Diskussionen im Keim ersticken und somit wieder etwas mehr Ruhe in ihre Klubs bringen. Genau diese Ruhe sollte sich schnell sportlich auf dem grünen Rasen in zählbaren Ergebnissen niederschlagen.

Inwieweit Edin Terzic auch über die aktuelle Saison hinaus ein Trainerkandidat für die Borussia sein kann, ist dabei tatsächlich nur zweitrangig. Denn der VfL würde den Posten des Chefcoachs - wenn wir, wie gesagt, davon ausgehen, dass Rose die Borussia in jedem Fall am Ende der Spielzeit Richtung Dortmund verlässt - eh neu besetzen müssen. Und für den BVB würde ab sofort die Zukunft beginnen - nicht erst nach einem möglichen verheerenden Scheitern in dieser Saison.

Vermutlich werden beide Vereine aber in den kommenden Wochen erst einmal an den aktuellen Vorgaben festhalten. Man wird sehen, wie erfolgreich das sein wird. Am Ende ist man ohnehin immer schlauer. Aber ein Gedankenspiel sollte ein solch spektakulärer Trainertausch beiden Klubs in jedem Fall einmal wert sein.

Quelle: ntv.de