Redelings Nachspielzeit

Redelings über Mario Basler Der ungekrönte König des Frühschoppens

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Sportsmann Mario Basler hat immer Zeit für ein Schlückchen Bier.

Sein aktuelles Programm heißt "Basler ballert": Wahrlich hat Mario Basler mit nun 50 Lebensjahren einige unterhaltsame Anekdoten aus seiner Fußballkarriere zu erzählen. Und mittlerweile werden wohl keine Detektive mehr auf den Exzentriker angesetzt.

Als es einmal mit der Fußballkarriere des Mario Basler etwas langsamer voranging, liebäugelte der Allrounder mit einem Wechsel ins Filmgeschäft. Schnell bot man ihm eine Rolle im Kinofilm "Der tote Taucher" an. Passenderweise sollte der Bayern-Profi dort einen Jogger spielen. Ein Mörder-Gag der Leinwand-Crew. Leider konnte sich Basler die drei vorgesehenen Drehtage nicht freischaufeln, und so übernahm niemand Geringeres als Johannes B. Kerner die Rolle. Sie sollte sein endgültiger Durchbruch im Showbusiness werden.

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Mittlerweile hat Mario Basler Johannes B. Kerner als Entertainment-Künstler auf den Brettern, die die Welt bedeuten, wohl überholt. Denn rechtzeitig zu seinem 50. Geburtstag hat der ehemalige Nationalspieler seine Liebe zur Bühne entdeckt. Unter dem Motto "Basler ballert" tourt die frivole Anekdotenmaschine in diesen Tagen quer durch die Republik und erzählt Dönekes aus seinem Leben. Und davon, so viel ist sicher, gibt es mehr als genug. Heute, im Rückblick, können (fast) alle über die Eskapaden des Mario B. lachen - damals, zu seiner aktiven Zeit, gab es nicht wenige, die den gebürtigen Neustädter liebend gern in die Wüste geschickt hätten. Doch dahin ging er erst zum Ende seiner Karriere - freiwillig.

Kompliziertes Verhältnis zu Uli Hoeneß

Wie wohl, ein bisschen Bammel hatte der gebürtige Pfälzer von der Weinstraße schon, als er 2003 zum Al-Rayyan Sport-Club ging, um seine Laufbahn langsam und um einige Millionen reicher ausklingen zu lassen. Damals antwortete Basler auf die Frage eines Journalisten, ob er denn schon einen zünftigen Mannschaftsabend bei seinem neuen Verein organisiert habe, sichtlich ernüchtert: "So etwas gibt es hier nicht. Die beten ja den ganzen Tag, viermal. Da kann man gar nicht groß weggehen." Es mag aber auch noch andere Gründe gehabt haben, wie Uli Hoeneß damals mit einem breiten Grinsen im Gesicht verkündete: "Ich war schon in Katar und weiß, dass man dort öffentlich keinen Alkohol trinken darf. Da wird er Probleme kriegen."

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Ist bekennender Bierfreund: der Pfälzer Mario Basler.

(Foto: imago/WEREK)

Solange Mario übrigens nicht in München spielte, konnte er den Bayern gestohlen bleiben. Uli Hoeneß mochte die Art des Werder-Profis nicht besonders gut leiden: "Basler ist der größte Schauspieler in diesem Ensemble. Der bekommt demnächst den Oscar." Werders Präsidenten Franz Böhmert war das komplizierte Wesen Baslers hingegen herzlich egal, solange es Erfolg brachte: "Lieber mit Basler Meister, als mit elf grauen Mäusen Zwölfter." Und auch Jesús Gil y Gil, Präsident von Atlético Madrid, wollte den exzentrischen Mittelfeld-Star vom FC Bayern unbedingt verpflichten: "Uns ist ein streitlustiger Spieler lieber als eine Klosterschülerin, die den Rosenkranz betet."

Als Basler dann aufgrund seiner herausragenden fußballerischen Fähigkeiten schließlich doch bei den Bayern landete, setzte Uli Hoeneß Detektive auf den bekannten Hallodri an. Die verfolgten den Nationalspieler auch eifrig, wie er selbst einmal erzählte: "Ich war noch keine zehn Meter aus der Garage, da fuhr mir ein blauer Golf hinterher. Ich ging mit meinen Kindern zum Eishockey nach Landshut. Nach dem Spiel war dieser Typ wieder hinter mir. Der musste angesetzt sein, das ging gar nicht anders." Das ließ sich Basler natürlich nicht bieten und marschierte am Tag darauf ins Büro des Managers: "Ich habe nur gesagt: Das war aber ganz schlau von euch. Da hat der Uli einen roten Kopf gekriegt." Basler schob grinsend hinterher: "Es war der falsche Zeitpunkt. Sie hätten es besser gemacht, wenn ich alleine unterwegs war. Dann hätten sie auch was davon gehabt."

"Ein Schlitzohr, wie es im Buche steht"

Jemand, der ein Jahr lang mit Basler auf Reisen Tisch und Bett teilte und so manche Geschichte erzählen kann, ist Thorsten Legat: "Auf unserem Zimmer wurde vor dem Spiel schon mal das ein oder andere Bierchen gezischt und natürlich gezockt ohne Ende." Legat fasst mit seinen Worten noch einmal in Kürze alle wichtigen Fakten über den Lebemann Basler zusammen: "So zockten wir auch, wenn wir einmal die Woche zum Billard fuhren. Die Schachtel Marlboro war immer dabei, dazu gab es Mariacron mit Cola. Nie wieder habe ich jemanden gesehen, der davon so viel vertragen konnte wie Mario. Er soff das Zeug wie Wasser. Manchmal kamen mir Zweifel, ob es wirklich das war, wonach es aussah. Mario war ja ein Schlitzohr, wie es im Buche steht."

Basler selbst hat die Zeit als "halb so wild" erlebt, wie er noch als aktiver Profi erzählte: "Ist der Abend schön, können es schon mal sechs, sieben Bier sein, ist er mies, trink ich eben nur zwei. Und meine Zockerphase ist lange vorbei. Ich spiele allenfalls mal einen Skat mit dem Manager und dem Co-Trainer." Er legte allerdings Wert darauf, dass er auch das nicht ins Blaue hinein tat: "Ich gewinne jedes Spiel, das ich anfange." Und natürlich "zocken wir nie um viel Geld. Höchstens um 3000 Mark", betonte Basler.

Rudi Völler hat einmal gesagt: "Ich hätte mir gewünscht, dass Mario zum Ende seiner Karriere eingestanden hätte, dass es besser gewesen wäre, statt in zehn Minuten fünf Weizenbiere ex zu trinken oder eine Schachtel Marlboro zu rauchen, ab und zu einmal auf den Trainer zu hören." Baslers damalige Antwort auf den Part mit dem Weizenbier-Konsum: "Bisher habe ich nur zwei geschafft." Was Völler damals übersah: Mario Basler liebte und liebt genau dieses Leben der Extreme. Und sein Showtalent ist unbestritten - ob man ihn nun mag oder nicht. Der ungekrönte König des Frühschoppens hat mal gesagt: "Kritik macht mich nur noch stärker. Wenn mich in Dortmund von 55.000 Zuschauern 50.000 hassen, mir am liebsten ein Bein abhacken würden, mich mit 'Arschloch' begrüßen, dann fühle ich mich wie Arnold Schwarzenegger gegen den Rest der Welt. Das ist geil für mich." Alles Gute zum Geburtstag, lieber Mario Basler!

Quelle: n-tv.de

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