Redelings Nachspielzeit

Redelings über Nackedeis Die unglaublichsten Flitzer-Storys

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Die Flitzerin im Champions-League-Finale erreicht spontan Berühmtheit.

(Foto: imago images / ULMER Pressebildagentur)

Beim Champions-League-Finale sorgt eine Fast-Nackt-Flitzerin für einen der sportlichen Höhepunkte. Mittlerweile gehören solche Unterbrechungen zu den großen Sportereignissen dazu - und nerven eher. Das war beim "König der Flitzer", Mark Roberts, noch ganz anders.

Seinen Ruf als "König der Flitzer" hat sich der Brite Mark Roberts hart erarbeitet - denn am Anfang lief auch bei ihm noch nicht alles rund. So hatte er bei einem seiner ersten Nacktauftritte doch glatt ein kleines Detail übersehen. Damals arbeitete der gebürtige Liverpooler in einer Kneipe in der Nähe der Anfield Road. Eines Tages bat er seinen Boss während des laufenden Spiels um eine Zigarettenpause. Da es kurz vor der Halbzeit war und seine Kundschaft die 15 Minuten gerne zum Wasserlassen nutzte, schickte er ihn vor die Tür - doch da blieb Roberts nicht. Denn sogleich rannte er ins Stadion, lief nackig über den Platz, wurde abgeführt und stand nach dem Hinterlegen einer kleinen Kaution schon zwanzig Minuten später wieder im Pub. Doch sein Chef schüttelte nur mit dem Kopf: "Mark, guck mal nach oben in die Ecke!" Da hing der Fernsehapparat. Der Kneipier war im Gegensatz zu seinen Gästen überhaupt nicht angetan von Roberts' Aktion: "Wir haben dich gesehen. Du bist gefeuert!"

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Mark Roberts ist eine Flitzer-Legende.

(Foto: imago/Ulmer)

Die Leidenschaft für das Freikörper-Laufen wurde beim "König der Flitzer" 1993 bei einem Rugbyspiel in Hongkong geweckt. Erst sah er eine nackte Frau übers Spielfeld flitzen, dann wettete er und am nächsten Tag rannte Roberts selbst über den Platz. Irgendwann jedoch geschah es, dass der König in einem goldenen Käfig lebte. Vor wichtigen internationalen Ereignissen musste der Engländer regelmäßig seinen Pass bei der örtlichen Polizeidienststelle abgeben. Die Veranstalter hatten Sorge, dass Roberts mal wieder zuschlagen könnte. Für die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland soll Roberts auf Bitten der Fifa übrigens gleich ein Ausreiseverbot von der britischen Regierung erhalten haben. Doch der Nachwuchs stand damals schon parat - wie eine überaus kuriose Geschichte zeigt.

Neunjähriger Flitzer überrascht Everton

Richard Dunn hatte die Schnauze voll. Mit einem Mal rannte der Everton-Fan los, übersprang die Bande und attackierte Franck Queudrue, den französischen Verteidiger des FC Middlesbrough, mit einer gepflegten Grätsche von der Seite. Der Spieler der Boros blieb unversehrt, stoppte den Ball, hielt inne und schaute den Angreifer von oben herab irritiert an. In diesem Moment kam ein Ordner auf den Rasen, packte Dunn an der Hand und brachte den Everton-Anhänger zu seinen Eltern zurück - denn Richard Dunn war erst neun Jahre alt. Als er später gefragt wurde, warum er das gemacht habe, antwortete Dunn: "Die Mannschaft hat einfach katastrophal gespielt. Ich wollte denen mal zeigen, wie man ein ordentliches Tackling macht!"

Einen der ersten weiblichen Flitzer beim Fußball bekam auch ein Spieler des FC Middlesbrough zu Gesicht - ein prominenter noch dazu. Im Winter 1999 hatte der alternde Star des Weltfußballs Paul Gascoigne das große Glück, endlich einmal nicht mit einem baumelnde Geschlechtsteil konfrontiert zu werden. Denn ihm erschien mitten auf dem Platz ein Nikolaus, der nur wenige Zentimeter von ihm entfernt weibliche Rundungen aufblitzen ließ. Da strahlten Flitzer und Star gleichermaßen um die Wette und auch der Ordnungsdienst wurde plötzlich von einem kollektiven Wadenkrampf geplagt.

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Lisa Dalla Via und Marianne Puglia stören die italienische Nationalelf nicht so wirklich.

(Foto: imago sportfotodienst)

Ein ähnliches Erlebnis hatte die italienische Nationalmannschaft bei ihrer Vorbereitung auf die EM 2008. Alleine die Namen der beiden Damen lassen erahnen, wie gerne sich die Kicker damals von ihrem Training abhalten ließen: Lisa Dalla Via und Marianne Puglia rannten auf den Platz, zogen sich bis auf einige Bikini-Fetzen nackig aus und verteilten Küsschen. Gennaro Gattuso, Marco Materazzi, Mauro Camoranesi, Luca Toni und Co. starrten zuckersüß lächelnd den hüpfenden Bällen hinterher.

HSV-Flitzer bei St. Pauli

Nicht attraktiv, aber innovativ war der Flitzer, der in der Saisonvorbereitung 2009 den FC St. Pauli bei einem Spiel in Göttingen gegen eine Stadtauswahl beehrte. Leider war der gute Mann augenscheinlich kein Anhänger des Kiezklubs. Sein Idol: Uwe Seeler. Und so hatte sich der Flitzer dick und fett "HSV" auf sein Hinterteil und in einem grell leuchtenden Rot-Ton "Uwe Seeler" auf seinen entblößten Rücken geschrieben. Auf seinem Bauch verbreitete er die Botschaft: "Brot für die Welt". Begeistert verfolgten Spieler, Betreuer und Fans des FC St. Pauli, wie der Nackedei rasend schnell über den Platz lief und dabei sogar einen Kopfstand vollführte. Erst vor der Bank der Hamburger verlangsamte er die Geschwindigkeit. Dann ließ er sich mit hoch gereckten Armen jubelnd nieder und für seine Spaßeinlage feiern.

Zum Abschluss noch eine Klassiker-Geschichte der Flitzer-Szene: Es geht um das berühmte Zusammentreffen zwischen dem Maskottchen "Bertie Bee" und einem vollkommen nackten Flitzer bei der Zweitliga-Partie zwischen Burnley FC und Preston North End FC. Noch heute erzählt man sich gerne, wie der Mann mehrere Ordner durch geschickte Körpertäuschungen aussteigen ließ, bevor er an der Seitenaußenlinie schnurstracks Richtung Eckfahne lief. Nur die überdimensional große Biene im Burnley-Trikot stand ihm noch im Weg. Ohne das Tempo zu drosseln, rannte der Flitzer jedoch mit baumelndem Gemächt auf das Maskottchen zu. Und dann geschah es: Schulbuchmäßig schulterte "Bertie Bee" den Nackedei, warf ihn über die Schulter zu Boden und ließ sich rücklings auf den gestrauchelten Körper fallen. Dann raffte sich das Maskottchen auf, stampfte, ohne den Flitzer auch nur eines Blickes zu würdigen, Richtung Tribüne und feierte ausgelassen tanzend mit dem begeisterten Publikum. Damals gab es noch kein Instagram und Co. Man darf aber sicher sein: Bertie Bee hätte in kürzester Zeit mindestens so viele Follower eingesammelt wie die Nackedei-Flitzerin von Samstag.

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Quelle: n-tv.de

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