Redelings Nachspielzeit

Zwischen Klasse und Dusel Diese magische Aura des FC Bayern

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Auch die Mentalität Manuel Neuers lässt Gegner schlottern - neben der Weltklasse des Torwarts natürlich. Was für ein Paket.

(Foto: Pressefoto Bauman/Hansjürgen Bri)

Am Samstag war es beim VfB Stuttgart für den FC Bayern München zeitweise sehr knapp. Und hätte Schiri Osmers in der 39. Minute anders entschieden ...? Doch am Ende machte wie immer etwas ganz Spezielles den Unterschied für die Bayern aus!

Sie sind müde. Sie machen Fehler. Sie kassieren eine Menge Gegentore. Und am Ende? Gewinnen sie dennoch das Spiel! Der FC Bayern München ist ein Phänomen. Auch an Tagen, an denen der Gegner das Scheunentor bereits weit aufgestoßen hat, bringt er es nicht fertig, die Ernte rechtzeitig vor den Bayern einzufahren.

Der VfB Stuttgart hat am Wochenende viel richtig gemacht, doch als das Spiel nach 90 Minuten abgepfiffen wurde, hatten wieder einmal die Münchener die Punkte im Sack. Mit etwas Glück, viel Mühe und einem - nach anfänglichen Unsicherheiten - wieder einmal vortrefflich parierenden Manuel Neuer schaukelten die Bayern die Partie nach Hause. So weit wie immer. Doch eine Szene erhitzte die Gemüter und sorgte auch im Nachgang eifrig für Diskussionsstoff.

"Bayern-Bonus"? "Bayern-Dusel"?

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Es war die 39. Minute, als Manuel Neuer ein Rückspiel von Jérôme Boateng rechtzeitig vor dem heranstürmenden Stuttgarter Tanguy Coulibaly verarbeiten und an diesem vorbeispielen konnte. Doch dann fasste Coulibaly Neuer an der Schulter und der deutsche Nationalkeeper stürzte daraufhin. Gegen den Schuss von Philipp Förster von Höhe der Strafraumgrenze konnte Neuer anschließend nichts mehr machen. Die Diskussion über diese Szene entbrannte an der Frage, ob die Berührung von Coulibaly tatsächlich so maßgeblich war, dass der Bayern-Torhüter ins Straucheln kommen musste. Eine wesentliche wie müßige Frage.

Vor allem auch deshalb, weil es vielen Fans und Journalisten eigentlich um etwas anderes ging: Nämlich die Frage, ob eine identische Szene mit anderen Protagonisten genauso gepfiffen worden wäre wie in diesem Spiel? Genauer gesagt: Ob Schiedsrichter Harm Osmers auch für einen anderen Keeper entschieden hätte, wenn dieser nicht das Trikot des FC Bayern München getragen hätte?

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Dass der Treffer und die Führung des VfB Stuttgart zum 2:1 zurückgenommen wurden, hat die Partie vermutlich in entscheidendem Maße zugunsten des Rekordmeisters gelenkt. Und tatsächlich fragten sich die Reporter deshalb auch nicht ganz zu Unrecht, ob diese Entscheidung etwas mit dem sogenannten "Bayern-Bonus" oder sogar mit dem legendären "Bayern-Dusel" zu tun haben könnte?

Schwierig - und wahrscheinlich in diesem speziellen Fall und in dieser speziellen Szene auch etwas unfair. Denn die Berührung von Coulibaly hatte nichts anderes im Sinn, als Manuel Neuer - genau so, wie es dann auch kam - aus dem Tritt zu bringen. Und vor allem war die Aktion eigentlich so offensichtlich, dass man sich wundern musste, warum Schiri Osmers erst die Zuhilfenahme des VAR für seine letztendliche Entscheidung benötigte.

Die Mentalität macht den Unterschied

Ben Redelings

Ben Redelings ist ein leidenschaftlicher "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und Anhänger des ruhmreichen VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt im Ruhrgebiet und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Für ntv.de schreibt er dienstags und samstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Weitere Informationen zu Ben Redelings, seinen aktuellen Terminen und Projekten gibt es auf seiner Seite www.scudetto.de.

Doch obwohl es in dieser einen Szene keine zwei Meinungen geben sollte, ist die Frage nach dem berühmten Bayern-Dusel nicht ganz von der Hand zu weisen. Denn es war genau eine dieser Schlüssel-Partien, die die Konkurrenten des FC Bayern München seit so vielen Jahren verrückt werden lassen. Während der BVB zu Hause gegen den 1. FC Köln strauchelte, sammelte der Rekordmeister wichtige Punkte in einer eher schwachen eigenen Begegnung für sich ein.

Der Chronist des FC Bayern München ("Die Bayern-Chronik"), Dietrich Schulze-Marmeling, hat einmal gesagt: "Wenn du immer wieder Dusel hast, dann hat das auch mit Qualität zu tun. Dieser Bayern-Dusel basiert auf einer Mentalität, die manchem Gegenspieler die Knie schlottern ließ." Und auch wenn den Stuttgartern am Samstag keineswegs Pudding-Beine attestiert werden konnten - die "Mentalität" der Münchener hat am Ende tatsächlich den Unterschied gemacht.

Der FC Bayern und seine Spieler haben sich über ihre spezielle Einstellung und Denkweise eine mittlerweile fast schon magische Aura geschaffen. Etwas, an dem die Gegner seit vielen Jahrzehnten häufig verzweifeln und in der Regel auch scheitern. Denn genau solche Spiele, wie die Partie am Samstag in Stuttgart, entscheiden nicht selten den Verlauf einer ganzen Saison - und am Ende dann auch die Meisterschaft.

Quelle: ntv.de