Sport
Umstrittene Szene: Mitchell Weiser rollte sich im Spiel gegen den BVB massiv ab.
Umstrittene Szene: Mitchell Weiser rollte sich im Spiel gegen den BVB massiv ab.(Foto: imago/Matthias Koch)
Dienstag, 14. März 2017

Redelings über Schauspieltalente: Gute Zeiten, schlechte Zeiten - für Fußballer

Von Ben Redelings

Wird Herthas Mitchell Weiser bald Hollywood-Star? Gut möglich. Denn auch andere Fußballer feierten als Schauspieler Erfolge. Einmal neben Thomas Gottschalk die Leinwand rocken - welcher Bundesliga-Kicker das schaffte, verrät unser Kolumnist.

Sportlich völlig unabhängig kann man über die aufsehenerregende Einlage des Hertha-Profis Mitchell Weiser am vergangenen Spieltag der Fußball-Bundesliga nach der rüden Attacke des Dortmunders Dembélé sagen: Die Szene zeugte von großem schauspielerischen Talent! Wie Weiser ja selbst erwähnte, ahmte er in seiner Rolle als angeschossener Kleinkrimineller die theatralischen Momente in den letzten Spielen seines französischen Kontrahenten nach. Dabei wusste vor allem der Augenblick zu gefallen, als sich der Herthaner am Boden liegend noch einmal zum Schiedsrichter umdrehte und seinen Kopf um die versammelte Spielertraube herumreckte. Dann sank er endgültig darnieder.

Der jugendliche "Charming Boy" Mitchell Weiser sollte sich auf jeden Fall nicht wundern, wenn bei ihm in der nahen Zukunft ein Angebot der RTL-Dauerserie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" ins Haus flattern sollte. Das Zeug zum Vorabend-Star hat er – und der erste schauspielernde Profi mit Film/TV-Rolle wäre er nun wahrlich auch nicht.

Bereits in den Anfängen der Bundesliga waren die Fußball-Helden bei Film, Funk und Fernsehen heiß begehrt. So spielten im vierten Teil der "Lausbubengeschichten" nach Motiven von Ludwig Thoma die Fußballnationalspieler des FC Bayern München Sepp Maier und Gerd Müller sowie ihr Trainer Tschik Cajkovski Angehörige des bayerischen Heeres. Die Klamotte "Wenn Ludwig ins Manöver zieht" wurde am 19. Dezember 1967 uraufgeführt. Keeper Sepp Maier nach der Premiere kritisch: "Im Tor bin ich ein besserer Schauspieler."

"Ein Tor würde dem Spiel gut tun"

Ben Redelings ist "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und leidenschaftlicher Anhänger des VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt in Bochum und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Seine kulturellen Abende "Scudetto" sind legendär. Für n-tv.de schreibt er stets dienstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Sein Motto ist sein größter Bucherfolg: "Ein Tor würde dem Spiel gut tun".

Kurz darauf sollten die Gladbacher eine leidvolle Erfahrung mit einem italienischen Mimen machen, der damals jedoch noch im Trikot von Inter Mailand agierte. Roberto
 Boninsegna war nicht nur der Mann, der auf dem Gladbacher Bökelberg beim legendären 7:1-Erfolg der Fohlenelf
 nach einem Getränkedosenwurf wie eine sterbende Diva
 zu Boden ging, nein, der italienische Nationalspieler spielte Jahre später auch in der Neuverfilmung von Guareschis "Don Camillo und Peppone" mit.

"Begabung nicht verkümmern lassen"

Im Film sollte der Inter-Mailand-Star die vom Priester trainierte Dorfmannschaft "Die Engel" bei einem Spiel gegen Bürgermeister Peppones Kommunisten-Truppe "Die Teufel" unterstützen. Regisseur Terence Hill war vom Schauspieler Boninsegna begeistert: "So eine Begabung sollte man nicht verkümmern lassen." Das wussten die deutschen Fußballanhänger zu diesem Zeitpunkt allerdings schon längst!

Ein Film, der floppte.
Ein Film, der floppte.

In der Saison 1972/73 hieß es für Heinz Erhardt und
 Ex-HSV-Star Uwe Seeler: "Willi wird das Kind
 schon schaukeln". Doch der letzte Kinostreifen des großen
 Komikers Erhardt floppte. Das mag auch ein wenig an Seeler gelegen haben. Über den Auftritt des
 Fußballstars a.D. urteilte man hinterher wenig zimperlich: "Fast schon peinlich". Für Nostalgiker ist der Film allerdings immer noch und immer wieder ein echtes Highlight.

Im Jahr 1973 feierte der Beckenbauer-Film "Libero" seine Premiere und der "Kicker" titelte: "Ein schöner Kaiser-Schmarrn!" Ex-Bundestrainer Sepp Herberger urteilte etwas diplomatischer: "Über die Handlung will ich nichts sagen – mer wolle doch nix Negatives sage, oder? Aber die Fußballszenen, die hier gezeigt wurden, waren schon großartig." Und Jupp Suttner von der Münchener Abendzeitung schrieb: "Jene Fußballbilder, die Herberger so lobt, verdienen tatsächlich Anerkennung. Zumindest wenn man sie in Vergleich mit dem banalen Drehbuch, den abgedroschenen Texten und dem schönsten Kleiderständer des Films – Franz Beckenbauer – setzt."

Während der Spielzeit 1975/76 spielte Weltmeister Paul Breitner im deutsch-amerikanischen Western "Potato-Fritz" mit. Sein Regisseur Peter Schamoni war hin und weg vom Talent des Bayernstars: "Fußballer sind eben gute Schauspieler!" Doch die Kinobesucher merkten schnell, dass da irgendwas nicht stimmte mit dem Auftritt Breitners auf der Film-Leinwand. Es war die Stimme. Paule musste in der deutschen Fassung vom Schauspieler Hartmut Reck synchronisiert werden. Sein Freilassinger Dialekt war leider völlig deplatziert.

"Schlampig inszeniert, mit talentlosen Darstellern"

Vielen Kindern der 80er-Jahre ist die Gastrolle des damaligen Bayern-Keepers Jean-Marie Pfaff im Kinofilm
"Zärtliche Chaoten"" an der Seite von
Thomas Gottschalk, Helmut Fischer und Pierre Brice noch sehr präsent. Pfaffs Rolle in der Klamauk-Komödie: Er sollte Koffer voller Dynamit und Teller, die aus dem
Fenster flogen, fangen. "Ein Gag, der sicherlich ankommt", konnte Christoph Gottschalk, der Bruder des Star-Moderators, seine Vorfreude damals nur schwer verbergen.

Pfaff wollte sich nach seinem Engagement beim Film aber lieber wieder voll auf seine Rolle beim FC Bayern München konzentrieren. Wahrscheinlich keine ganz so schlechte Entscheidung. Das "Lexikon des internationalen Films" urteilte über den Streifen: "Schlampig inszenierte, mit talentlosen Darstellern besetzte 'Sommerkomödie', langweilig und voller abgedroschener Späße".

Wie es denn beim Fernsehen so zugeht, könnte Mitchell Weiser übrigens ganz unkompliziert direkt im eigenen Verein erfahren. Herthas heutiger Nachwuchs-Coach Ante Covic wettete vor rund 20 Jahren mit seinem Mannschaftskollegen Dariusz Wosz darum, wer von ihnen beiden die meisten Tore im Training schießt. Covic gewann und wünschte sich einen gemeinsamen Dreh bei der RTL-Serie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten". An zwei Tagen standen die Hauptstadt-Kicker vor der Kamera. Die große Karriere blieb anschließend allerdings aus. Wosz selbstkritisch: "Wir waren leider beide als Schauspieler völlig talentfrei!"

Das aktuelle Buch unseres Kolumnisten Ben Redelings: "Bundesliga-Album: Unvergessliche Sprüche, Fotos, Anekdoten" bei Amazon bestellen. Außerdem ist er gerade live mit seinen Programmen unterwegs: Infos und Tickets zur Tour

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen