Redelings Nachspielzeit

Redelings über den Chaos-Klub Schalkes "charakterlose Gesellen"

Domenico Tedesco war mal sehr beliebt auf Schalke.

Domenico Tedesco war mal sehr beliebt auf Schalke. Wie es aussieht, darf der Trainer vorerst bleiben.

(Foto: imago/Revierfoto)

Lieber Teile der Mannschaft als den Trainer rausschmeißen? Das scheint ein Gedanke beim FC Schalke 04 zu sein, auch wenn viele Fans das kurzfristige Heil eher in der Trennung von Domenico Tedesco gesehen hätten. Nun verkündet der neue Sportdirektor, was Sache ist.

Das nächste Ende steht jetzt schon fest: Auch der Trainer nach Domenico Tedesco wird den FC Schalke 04 eines Tages verlassen müssen. So ist der Lauf der Dinge im Profifußball. Ehen auf Lebenszeit werden in der Bundesliga nicht geschlossen. Für echte Liebe ist kein Platz. Es geht um Vernunftbeziehungen und immer wieder um die eine Frage: Passen die Partner noch zueinander? Auf Schalke haben Teile der Fanszene nach dem Debakel gegen Fortuna Düsseldorf mit großer Geste ihrer Mannschaft den Zusammenhalt aufgekündigt.

Der junge Trainer hat auf Schalke nach wie vor Freunde!

Der junge Trainer hat auf Schalke nach wie vor Freunde.

(Foto: imago/Kirchner-Media)

Zwei Vertreter der Ultras forderten von Kapitän Benjamin Stambouli die Binde zurück, die sie dem Team vor der Saison als symbolischen Akt der Verbundenheit zwischen Spielern und Fans überreicht hatten. Nach Platz zwei im vergangenen Jahr schien in Gelsenkirchen endlich langfristig Ruhe eingekehrt zu sein. Und das, nachdem die Anhänger noch eine Saison zuvor ihr Team mit einem vielbeachteten Plakat in die Sommerpause verabschiedet hatten.

Voller Sarkasmus hatten die Fans geschrieben: "Wir danken der Mannschaft, dass sie uns auch in dieser Saison so zahlreich hinterhergereist ist." Doch dann kamen Tedesco, der Erfolg und das Wir-Gefühl. Seit dem Wochenende ist dieser Zusammenhalt Geschichte. Nun treibt eine Frage ganz Schalke um und spaltet die Fanszene in zwei Lager: Der eine Teil möchte die Mannschaft in die Pflicht nehmen und möglicherweise den Trainer behalten. Der andere Teil sieht das kurzfristige Heil des Klubs zuvorderst in Tedescos Entlassung. Die Situation könnte für den neuen Sportvorstand Jochen Schneider verzwickter nicht sein. Lieber Teile der Mannschaft als den Trainer rausschmeißen? Das scheint tatsächlich ein Gedanke beim FC Schalke 04 zu sein, auch wenn viele Fans das kurzfristige Heil des Vereins eher in der schnellen Trennung von Tedesco gesehen hätten. Nun verkündet der neue Sportdirektor, was Sache ist.

Denn egal, welche Entscheidung er heute endgültig verkündet, nur der sportliche Erfolg kann die beiden Fanlager und vor allem die Mannschaft und ihre Anhänger wieder zusammenführen. Aller Voraussicht nach wird Schneider ab 13.30 Uhr bei seiner Vorstellungs-Pressekonferenz als vorgezogene, erste Amtshandlung bestätigen, dass Trainer Tedesco vorerst bleibt und am Freitag beim Spiel in Bremen (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n.-tv.de) auf der Bank sitzt. Doch das allein wird nicht reichen.

"Komplett egal, wo sie ihre Millionen scheffeln"

Der Leiter der "WAZ"-Sportredaktion in Essen und langjähriger Begleiter der Königsblauen, Peter Müller, erinnerte am Montag in seinem Kommentar zur Lage auf Schalke an den 1. FC Nürnberg des Jahres 1984. Damals gab es eine offene Spielerrevolte, doch anders als üblich, entließ der "Club" nicht seinen Trainer Heinz Höher, sondern warf einige Profis raus. Das, was der 1. FC Nürnberg damals wagte, ist kaum auf die heutige Zeit zu übertragen. Auch wenn die Spieler bereits vor 35 Jahren große Macht besaßen, so ist dieser Einfluss nicht mit heute zu vergleichen. Ihre Machtfülle hat ein erschreckendes Ausmaß erreicht. Man schaue dafür nur auf die Insel und zum Torhüter des FC Chelsea, der seinen Trainer damit brüskierte, dass er ihm die Auswechslung verweigerte.

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All das weiß der Fußball-Experte Müller. Doch er verweist ganz bewusst auf diese historische Aktion der Clubberer und beschreibt die Lage beim FC Schalke 04 so: "Im Gegensatz zu diesen Typen, denen es komplett egal ist, bei welchem Verein sie ihre Millionen scheffeln, hat sich Tedesco mit Herz und Seele auf Königsblau eingelassen. Deshalb will er im Abstiegskampf unbedingt noch die Kurve kriegen. Es gibt nur leider nicht die geringsten Anzeichen dafür, dass ihm das mit diesen charakterlosen Gesellen gelingen könnte." Die Nürnberger schafften nach dem Rauswurf einiger Stars eine beeindruckende Wiederauferstehung. Doch das ging nur, weil mit Hansi Dorfner, Roland Grahammer und Stefan Reuter vielversprechende Talente aus der Umgebung das Ruder herumreißen konnten und weil mit Höher, der zwar ein schwieriger Charakter war, ein etablierter Bundesligatrainer an der Seitenlinie stand.

Inwieweit Schalke Talente in der zweiten Reihe hat, die schnell und unbekümmert dem Verein helfen können und inwieweit Tedesco der komplizierten Lage im Abstiegskampf gewachsen ist, das muss nun der neue Sportvorstand Schneider im Schnellverfahren entscheiden. Nun wird Tedesco wohl erst einmal auf Schalke weitermachen dürfen. Man darf gespannt sein, wie lange noch und was genau in den nächsten Tagen passieren wird. Denn eins ist klar: Es gibt im Profifußball eben keine Ehe auf Lebenszeit. Auch wenn jeder Fan sich im Stillen genau das wünscht.

Quelle: n-tv.de

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