Redelings Nachspielzeit

Schalkes trügerische Chance? Warum Neururer (auch) eine Gefahr wäre

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Peter Neururer will nicht nur ein bisschen helfen.

(Foto: imago images/RHR-Foto)

Das Komplizierte am Fußball? Er ist so fürchterlich schnelllebig. Die Helden von heute sind häufig die Nieten von morgen. Und selten werden Szenarien bis zum Ende gedacht. Doch gerade das sollten sie auf Schalke im Augenblick ganz genau tun. Vor allem bei der Wahl des Trainers! 

Auch wenn es im Schalker Keller zappenduster ist - (nur) ein Mann könnte es schaffen, dass wieder das Licht angeht. Doch so schön und verführerisch dieser Gedanke auch sein mag - sie sollten auf Schalke ganz genau überlegen, ob sie diese Situation tatsächlich wollen. Denn eine "Lichtgestalt" treibt man anschließend nicht so einfach vom Hof.

Es war klar, dass nach der Entlassungsorgie vom Wochenende auch der Name Peter Neururer schnell wieder bei den Königsblauen fallen würde. Und das sogar zu Recht. Denn es gibt im internationalen Fußball keinen anderen Trainer, der diese absolute Minimalchance beim Klub aus dem Ruhrgebiet noch nutzen und zum Erfolg verwerten könnte. Neururer hat das besondere Gen, Spieler hochquatschen zu können. Aus durchschnittlichen Bundesligaprofis werden durch seine Worte angehende Weltklassespieler, die sich erst nach Wochen fragen, warum sich denn noch nicht Real Madrid oder wenigstens der FC Barcelona bei ihnen gemeldet hat - wenn sie doch solch überragende Kicker sind.

Neururers einfache Erfolgsformel: Er lässt seine Spieler glauben! An den eigenen Erfolg, den Aufstieg oder eben an den kaum mehr zu realisierenden Nicht-Abstieg. Das alles hat der erfahrene Bundesligatrainer aus Marl mehrfach schon bewiesen. Er kann das. Ohne Zweifel. Und selbst in dieser fast schon aussichtslosen Lage für den FC Schalke 04 wäre Peter Neururer genau der richtige und wahrscheinlich einzige Mann, der den Klub noch vor dem Gang in die 2. Liga retten könnte. Doch bevor die Königsblauen diese Option des letzten Strohhalms wählen, sollten sich alle Schalker fragen, ob dieses Szenario tatsächlich das Beste für den Klub und seine Zukunft wäre. Denn, wie Neururer es in einem Interview mit Sport1 schon andeutete: "Ein bisschen helfen geht nicht". Soll heißen: Er möchte, wenn überhaupt, längerfristig Cheftrainer auf Schalke werden. Und ganz ehrlich: Sollte er das Wunder wirklich noch wahr werden lassen und den Abstieg verhindern, dann wäre eine andere Lösung sowieso nicht mehr denkbar.

Eine richtungsweisende Entscheidung

Was das konkret für den Verein in diesem Moment bedeutet? Erst einmal würde der totale Neuanfang bis nach Saisonende verschoben werden. Denn natürlich würde Neururer zuerst versuchen, die psychisch angeschlagenen Stammkräfte wieder aufzubauen. Und genau das könnte tatsächlich und kurzfristig sogar funktionieren. Doch zu welchem Preis? Denn genauso wenig wie man Neururer nach einer erfolgreichen Nichtabstiegsmission würde verabschieden können, würde man natürlich auch die "Nichtabstiegshelden" fortschicken. Auch wenn sich das im Augenblick noch wie blanker Hohn anhört - man sollte nie vergessen, wie schnelllebig das Fußballgeschäft und wie vergesslich das Gehirn der Fußballöffentlichkeit tatsächlich ist. In beide Richtungen übrigens.

Schalke steht nun also vor einer der schwierigsten Entscheidungen der Vereinsgeschichte: Soll wirklich auf allen Ebenen endgültig Tabula rasa gemacht werden und der Klub völlig neu aufgestellt werden - oder möchte man den allerletzten, klitzekleinen Strohhalm noch ergreifen und das Unmögliche doch noch möglich machen? Mit allen Konsequenzen und Gefahren, die sich daraus ergeben würden.

Egal, wie Schalke sich in diesen Tagen auch entscheidet, es bleibt in jedem Fall spannend. Und vielleicht schreiben sie ja auch doch noch das ganz große Fußballwunder mit einer total verjüngten Truppe und einem langjährigen Trainer mitten aus dem Verein. Im Moment scheint alles möglich und alles denkbar. Und wer immer es am Ende auch machen wird: Ganz Schalke sei ein herzliches Glück auf für die Zukunft des Vereins zugerufen!

Quelle: ntv.de

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