Redelings Nachspielzeit

Die Startrainer-Elite brüskiert Wie Ibrahimovic den Weltfußball verhöhnt

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Zlatan, Pep und Mou.

(Foto: imago/Insidefoto)

Er ist das Enfant terrible des Weltfußballs. Der Schwede Zlatan Ibrahimovic ist in kein Korsett zu zwängen. Immer wieder irritiert und unterhält er die Fußball-Gemeinde mit seinen extravaganten Sprüchen. Auch, wenn manch einer vielleicht etwas zu weit gehen mag.

Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn - Zlatan Ibrahimovic lässt einfach keinen kalt. Der ehemalige schwedische Nationalspieler ist einer der letzten großen Typen und Weltstars des Fußballs - und ein gnadenlos begabter Charakterdarsteller in seinem eigenen Spielfilm. Im Spätherbst seiner Karriere scheint der 38-Jährige nun gerade noch einmal tüchtig aufzudrehen. Am Wochenende erst sorgte der Schwede im Trikot des AC Mailand wieder für Schlagzeilen. Als sein Klub ihn für seine 100. Partie im rot-schwarz gestreiften Dress ehrte, wandte er sich anschließend mit einem seiner gefürchteten wie häufig genialen Monologe an seine Mitspieler: "Jungs, nur euch gebührt der Dank für diese Auszeichnung. Denn dank euch musste ich keine Konkurrenz fürchten." Treffer, versenkt!

Die Fans, die Ibrahimovic lieben, können sich vor Begeisterung ob dieses feinen Scherzes kaum mehr einkriegen. Zlatan-Hasser hingegen kritisieren seine überhebliche, arrogante Art. Doch für welche Seite man sich auch immer entscheidet, in einer Sache sind sich beide Lager einig: Das Leben des Zlatan Ibrahimovic ist eine einzige große, bunte und stets unterhaltsame Show. Und genau das ist Ibrahimovic nicht nur bewusst, sondern er fördert es selbst aktiv: "Man kann viele Filme über mich drehen. Es ist wie bei 'Rambo' I bis V - man kann 'Ibracadabra' I bis X machen."

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Sein Berater Mino Raiola weiß schon lange, was für ein Ausnahmetalent er da vor mittlerweile 18 Jahren unter Vertrag genommen hat: "Zlatan ist einmalig auf der Welt. Es gibt keinen Spieler, der 1,96 Meter groß ist, die Technik von Messi, den Charakter von Muhammad Ali und die Kraft von Mike Tyson hat." Überraschend allerdings, dass Zlatan Ibrahimovic bei dieser imposanten Größe ausgerechnet eine kleine Schwäche hat: das Kopfballspiel. Doch die Begründung seines Beraters ist so herrlich-typisch und klingt gleichzeitig so einleuchtend: "Zlatan sagt, er ist zu schön. Er will seinen Kopf deshalb nicht nehmen, weil er Angst hat, dass er ihn beschädigen könnte."

"Denkst du, du bist meine Mutter?"

Der Schwede weiß eben, was er kann und was er besser bleiben lassen sollte. Nachdem er in einem Länderspiel gegen England mit einem unglaublichen Fallrückziehertor aus knapp 30 Metern geglänzt hatte, sagte er hinterher mit seinem typischen Zlatan-Lächeln in die Kameras: "Diese Art von Brillanz kann man nicht trainieren." Ein Ibrahimovic ist eben nicht von dieser Welt.

Zlatan Ibrahimovic' Selbstbewusstsein würden wahrscheinlich nicht alle seine Trainer und Weggefährten als "gesund" bezeichnen. Schon in der Jugend nahm sich Ibra Kritik an seinem Spiel eher selten zu Herzen. Als ein Übungsleiter in jungen Jahren mehr Disziplin von ihm forderte, schnauzte der kleine Zlatan ihn wütend an: "Denkst du, du bist meine Mutter?"

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Auch bei Ajax Amsterdam legte sich Ibrahimovic mit seinem Vorgesetzten an. An die genauen Vorschläge seines Sportdirektors Louis van Gaal kann sich Zlatan nicht mehr so präzise erinnern; wohl aber, was er van Gaal an diesem Tag erwiderte: "Er erklärte mir mit dem Bleistift, wann ich wohin laufen sollte. Ich habe ihm gesagt: Hör mal, Meister, du hast mir gar nichts zu sagen - geh in dein Büro, und schreib Briefe!"

Pep und Ibra, das ging nicht gut

Beim FC Barcelona traf er auf Pep Guardiola - und auch das ging gründlich schief. Zuerst erklärte Ibrahimovic: "Wir brauchen den Philosophen nicht. Der Zwerg und ich reichen vollkommen." Mit Philosoph war sein Trainer und mit Zwerg sein Mitspieler Lionel Messi gemeint. Und als Guardiola ihn nach dieser Attacke quasi kaltstellte, legte Zlatan mit folgenden Worten nach: "Du hast keine Eier und scheißt dir vor Mourinho in die Hose. Im Vergleich zu ihm bist du ein Nichts - fick' dich!"

Das Selbstbewusstsein des Schweden war einfach schon immer unendlich groß: "Ich bin so perfekt, dass es mich amüsiert." Als Zlatan einmal einen kleinen Jungen traf, der ihn nicht kannte, fragte dieser den großen Star, ob er denn gut sei. Ibrahimovic antwortete, dass er nicht der Richtige sei, um diese Frage zu beantworten. Daraufhin wollte der Junge wissen, ob er von den gegnerischen Fans denn ausgebuht werde. Da lächelte Zlatan und antwortete: "Und wie!" Der Kleine schnalzte mit der Zunge und meinte zufrieden: "Okay. Dann bist du krass!"

Ben Redelings

Ben Redelings ist ein leidenschaftlicher "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und Anhänger des ruhmreichen VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt im Ruhrgebiet und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Für ntv.de schreibt er dienstags und samstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Weitere Informationen zu Bens aktuellem Buch und seinem gleichnamigen Tourprogramm ("Fußball. Die Liebe meines Lebens") gibt es auf seiner Seite www.scudetto.de.

Ob dieses bemerkenswerte Selbstbewusstsein noch normal ist? Wenn Zlatan Ibrahimovic seine Sprüche und Selbstbeweihräucherungen stets zu 100 Prozent genau so meinen würde, wie er sie äußert - dann wäre die Lage durchaus kritisch zu sehen. Doch die offensichtlichen ironischen Brechungen zeigen: Der Mann hat nicht nur Humor, sondern vor allem auch ein ausgeprägtes Showtalent.

Das zeigte sich auch im Jahr 2013, als es der schwedische Nationalspieler vor der entscheidenden Partie um die WM-Qualifikation gegen Portugal mit seinem Rivalen Cristiano Ronaldo auf dem Platz gegenüber einem Journalisten auf die Spitze trieb. Der Pressevertreter war damals sehr aufgeregt, als er den langhaarigen Superstar und Anführer des schwedischen Teams nach seinem Gefühl vor dem Spiel fragte. Zlatan antwortete: "Wer die Ausscheidung übersteht? Das weiß nur Gott". Der Journalist lächelte Ibrahimovic nervös an: "Na ja, den können wir ja nun schlecht fragen?" Daraufhin runzelte Ibra die Stirn und erwiderte: "Warum nicht? Sie sprechen doch gerade mit ihm."

Quelle: ntv.de