Fußball-WM 2018

WM-Talk bei "Klamroths Konter" Effenberg glaubt nicht an Titelverteidigung

"Vielleicht zerstöre ich irgendwelche Träume", sagt Stefan Effenberg. Aber er glaube nicht an die deutsche Titelverteidigung bei der Fußball-WM. Bei "Klamroths Konter" spricht der Ex-Nationalspieler über die Pleite gegen Mexiko und seinen Rauswurf aus dem DFB-Team.

Der ehemalige Fußballprofi Stefan Effenberg glaubt nicht daran, dass Deutschland die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland gewinnt. "Vielleicht zerstöre ich irgendwelche Träume. Aber ich sehe das realistisch und sage, dass die Deutschen nicht die Kraft, nicht die Qualität in diesem Jahr haben, den Titel zu verteidigen", sagt er bei "Klamroths Konter" auf n-tv. Da sehe er andere Mannschaften stärker, fügt der Ex-Nationalspieler an. "Das hätte ich aber auch schon vor dem Spiel gegen Mexiko gesagt."

Die gesamte Sendung "Klamroths Konter" sehen Sie heute 23.30 Uhr bei n-tv sowie vorab bei n-tv.de.

Das Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft kritisierte er als "brutal behäbig" und lethargisch. "Schon nach zehn Minuten hat man gesehen: Irgendwas stimmt hier nicht, die Ordnung stimmt nicht, das Tempo stimmt nicht", sagte Effenberg. Gleichzeitig begrüßt er die öffentliche Kritik von Verteidiger Mats Hummels nach dem Spiel. "Grundsätzlich bin ich dafür, dass es solche Persönlichkeiten gibt." Dazu zählt er Mats Hummels, Toni Kroos oder Manuel Neuer. Es sei richtig, Kritik "knallhart anzusprechen, auch öffentlich". Das erwarte man von den Spielern. "Allerdings muss das schon in der Phase des Spiels passieren", so Effenberg.

Nach Effenbergs Ansicht hat Bundestrainer Joachim Löw zudem zu spät auf die Probleme reagiert. "Vielleicht hätte er schon in der ersten Halbzeit taktisch etwas ändern müssen. Man kann ja auch mal einen Spieler schon nach 20, 25 Minuten auswechseln." So kritisiert Effenberg das mangelnde Umschaltspiel der deutschen Mannschaft. "Wenn man die Wege nicht mit zurückgeht bei Ballverlust und drei, vier, fünf Leute bleiben stehen, dann verteidigst du mit fünf Leuten. Das geht nicht", sagt der ehemalige Trainer von Paderborn. "Die Mexikaner wollten es mehr, definitiv", räumt er ein. "Und das hat man gesehen, in der Körpersprache, in den Augen, schon vorm Spiel. Du hast gesehen: Die sind heiß."

Für das Spiel gegen Schweden wünscht sich Effenberg Spieler auf dem Feld, "die bereit sind, Schweiß und Blut zu geben". "Klar ist, dass ein Marco Reus spielen muss, aufgrund seiner Kreativität, aufgrund seines Tempos, Schusstechnik." Im Mittelfeld wiederum würde Effenberg Sami Khedira rausnehmen und Ilkay Gündogan aufstellen.

Effenberg glaubt zudem, dass der Eklat um Gündogan und Mesut Özil, die nach dem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan scharf kritisiert wurden, das Spiel der deutschen Mannschaft beeinflusst. Dieses "schwere Gepäck" habe sich die Mannschaft zur WM mitgenommen. "Das belastet, weil es permanent ein Thema ist." Dies könne Spieler hemmen. "Und wenn es sie hemmt, sind sie keine Hilfe für die Nationalmannschaft." Das müsse Löw erkennen.

"Irgendwann in der Bundesliga spielen"

Der ehemalige Kapitän des FC Bayern München spricht in der Talkshow auch über seine erfolgreiche Karriere. Nie vergessen wird Effenberg den Moment, als er seinen ersten Profivertrag bekam. Mit 16 absolvierte er ein Probetraining bei Borussia Mönchengladbach: "Nach fünf Tagen gab es dann das Urteil", erzählt er. "Sie haben sich gegen die anderen entschieden und für mich." Das sei ein Moment, den man niemals vergisst, so Effenberg. Das Geld, das er dann verdiente - "damals unwahrscheinlich viel" - habe in diesem Moment aber gar keine Rolle für ihn gespielt. "Ich wollte einfach nur irgendwann mal in der Bundesliga spielen." Später wurde Effenberg mit den Bayern dreimal hintereinander Meister, er gewann zweimal den DFB-Pokal und 2001 Champions League und Weltpokal.

Effenberg spricht mit Louis Klamroth zudem über seinen Rauswurf aus der Nationalmannschaft während der Fußball-Weltmeisterschaft 1994 in den USA. Er hatte damals nach dem Gruppenspiel gegen Südkorea unzufriedenen Fans den Mittelfinger gezeigt - der seitdem umgangssprachlich auch als "Effe" bezeichnet wird. Bundestrainer Berti Vogts schmiss ihn daraufhin aus dem Team.

Der Fußballer, der 1992 Vize-Europameister wurde, erklärt seine Reaktion auch mit seiner damaligen Unzufriedenheit, da er sich auf der Position, auf der er eingesetzt wurde, unwohl gefühlt habe. "Deswegen konnte ich auch nie meine 100 Prozent abrufen", sagt er. Doch der Vorfall sei nun mal passiert und gehöre zu seiner Vita, so Effenberg. Später spielte er unter anderen Bundestrainern noch zweimal für die DFB-Auswahl. "Das hat sich nie wie zu Hause angefühlt", räumt er aber ein. "Nach dieser Geschichte hatte ich nie mehr das Gefühl, zu sagen: Ich mach das mit Stolz und einer großen Ehre."

Quelle: n-tv.de, mli

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