Fußball-WM 2018

Die DFB-Elf übt für die WM Löw ist den Lappen los, Lahm läuft im Regen

Es ist das Thema an Tag 7 in Südtirol: Der Bundestrainer entpuppt sich als unverbesserlicher Temposünder, was Oliver Bierhoff zu Späßchen animiert. Philipp Lahm dreht seine ersten Runden, für Manuel Neuer ist das Trainingslager gelaufen.

Was sagt der Bundestrainer?

Also sprach Joachim Löw: "Fußball ist wie Autofahren". Das hat er wirklich gesagt, 2006 war das, im "Spiegel". Heute wurde bekannt, dass der Bundestrainer seinen Führerschein abgeben muss, für ein halbes Jahr, wegen zu vieler Verstöße gegen die Tempobeschränkung. Fantastisches Timing, denn heute lud Sponsor Mercedes zum großen Sponsorentag. Mit dabei waren Golfer Martin Kaymer, DTM-Pilot Pascal Wehrlein und der Formel-1-Führende Nico Rosberg. Das Frotzeln übernahm Teammanager Oliver Bierhoff: "Wir werden mit Mercedes sprechen, dass sie dem Jogi nur noch Wagen geben, die tempolimitiert sind." Der Bundestrainer selbst rang sich zu einem staatsmännischen Kommentar durch: "Selbstverständlich stehe ich dazu, dass ich manchmal leider zu schnell gefahren bin, ich weiß, dass ich mich hier zügeln muss", zitierte ihn der DFB. 2006 musste Löw übrigens schon einmal seinen Führerschein abgeben. Sieht so ein Lernprozess aus? Aber, versprochen: Wenn die DFB-Elf bei der WM so rasant spielt wie Löw fährt, lassen wir Gras über die Sache wachsen.

Wie ist der Krankenstand?

Noch immer schwer zu sagen. Der DFB lässt nicht viele Einsichten zu - immerhin ist verbürgt, dass Philipp Lahm tatsächlich das Lauftraining aufgenommen hat. Wenn auch verspätet. Aber Obacht: Löws Schützlinge trainierten bei strömendem Regen, laut dpa aber nicht alle mit Regenjacken. Offenbar bettelt die medizinische Abteilung um etwas Beschäftigung. Im Ernst: In der Reha befindet sich weiterhin Manuel Neuer, Oliver Bierhoff rechnet nicht mit einem Einsatz in Südtirol. Bei Sami Khedira sei "körperlich alles ok", allerdings soll er sich erst einmal akklimatisieren.

Wer ist der Mitarbeiter des Tages?

Okay, er ist nur ein Ex-Mitarbeiter, aber: In Kevin Kuranyi findet sich endlich mal ein richtiger Experte, der ohne Wenn und Aber hinter der deutschen Mannschaft steht. "Deutschland hätte es echt verdient, die Mannschaft hat die letzten Jahre stark gespielt. Es ist eine der besten Mannschaften, die wir je hatten. Also: Sie werden es schaffen", sagte er im Interview mit der dpa. Wer wüsste es besser als er? In Brasilien geboren, trug er 52 Mal das Trikot der deutschen Nationalmannschaft - wenn auch nie bei einer Weltmeisterschaft. In diesem Jahr wird er nicht einmal als Tourist dabei sein: "Leider, leider schaffe ich kein einziges WM-Spiel. Das ist echt bitter. Aber wir haben vom 10. Juni an schon wieder Trainingslager mit Dynamo Moskau." Vielleicht kann Joachim Löw ja ein gutes Wörtchen bei Kuranyis Verein einlegen, damit er wenigstens im Finale Deutschland gegen Brasilien dabei sein kann - schließlich hat der Bundestrainer so lange darauf verzichtet, Kuranyi zu berufen ...

Was machen die anderen?

Und so geht’s weiter

bis 31. Mai: WM-Trainingslager in Südtirol

1. Juni: Deutschland - Kamerun, 20.30 Uhr

2. Juni: Meldung des endgültigen 23er WM-Kaders bei der Fifa

6. Juni: Deutschland - Armenien, 20.45 Uhr

7. Juni: Abreise ins WM-Quartier "Campo Bahia" in Santo André

16. Juni, WM-Vorrunde:
Deutschland - Portugal, 18 Uhr
21. Juni, WM-Vorrunde:
Deutschland - Ghana, 21 Uhr
26. Juni, WM-Vorrunde:
Deutschland - USA, 18 Uhr

Böse Geister austreiben. Mit dem Abrissbagger. In Frankreich zerstörte ein Werbepartner der Equipe Tricolore mit viel Tamtam den Bus, der zum Symbol für die desaströse Weltmeisterschaft 2010 wurde: Die Mannschaft verweigerte damals vor dem dritten Vorrundenspiel das Training, verschanzte sich im Bus, und zwang Trainer Raymond Domenech, eine Erklärung vorzulesen, in dem das Team sich gegen die Suspendierung von Nicolas Anelka aussprach. Der Stürmer hatte seinen Coach so wüst beschimpft, dass wir hoffen, dass hier keine Französisch sprechenden Kinder mitlesen: "Va te faire enculer, sale fils de pute." Statt sich hinter ihren Trainer zu stellen, traten Patrice Evra, Franck Ribéry und Co. in Streik und suchten nach dem Maulwurf, der den Vorfall aus der Kabine an die Presse getragen hatte. Bixente Lizarazu, Weltmeister von 1998 und damals als TV-Experte im Einsatz, sprach von einem "Irrenhaus". Sogar der damalige Präsident Nicolas Sarkozy meldete sich zu Wort und geißelte den Egoismus im Team. Das Ende vom Lied: Frankreich schied mit nur einem Punkt und 1:4 Toren nach der Vorrunde aus. Aber das kann ja nun nicht mehr passieren, wo der Bus kaputt ist. Wobei … Patrice Evra und Franck Ribéry sind wieder mit dabei.

War sonst noch was?

200 streikende Lehrer haben in Brasilien der Nationalmannschaft einen sehr unangenehmen Empfang bereitet. "Ein Pädagoge ist mehr wert als Neymar", riefen sie und klebten Parolen gegen die WM auf den Mannschaftsbus. Die deutsche Nationalmannschaft lässt sich davon nicht beunruhigen. Zwar sei mit Demonstrationen zu rechnen, sagte Oliver Bierhoff: "Aber ich hoffe, dass zumindest die Spiele gewährleistet sind." Für den Fall der Fälle begleiten mehrere Sicherheitskräfte den DFB-Tross, darunter auch acht deutsche Polizisten. DFB-Sicherheitsbeauftragte Hendrik Große-Lehfert sieht keine großen Probleme auf das Team zukommen: Es ist der Sicherheit zuträglich, dass das Quartier unserer Mannschaft außerhalb der großen Zentren liegt."

Wer ist der Klassenclown des Tages?

Eher der Suppenkasper des Tages: Franz Beckenbauer hat ein gutes Wort für Kevin Großkreutz eingelegt. Im Suppenkasper-Zentralorgan "Bild" sagte er: "Man pieselt nicht in eine Hotel-Lobby. Aber haben wir nicht alle schon einmal Dinge gemacht, für die wir uns hinterher geschämt haben?" Wir Normalsterblichen schon, ja. Aber ob der "Kaiser" Schamgefühl kennt? Wir haben da unsere Zweifel.

Quelle: ntv.de